Familienunternehmen im Interview

Schuhhändler Tretter: „Wir hoffen auf die Zeit ab April“

Tretter-Filiale (Foto: Tretter)
Tretter-Filiale (Foto: Tretter)

In einem Gespräch mit dem Münchner Merkur berichten die Familienunternehmer Luca, Thomas und Gregor Tretter über die Situation des stationären Schuhhandels.

Seit Beginn des Teil-Lockdowns verzeichne das Unternehmen in einer ganzen Woche weniger Kundenfrequenz als im Vorjahr an einem Samstag, erklären die Unternehmer im Gespräch mit der Zeitung. „Wir haben Frequenzrückgänge in den Innenstadtfilialen von über 70% und Umsatzrückgänge von rund 60%. Und das in den für den Handel wichtigsten Wochen des Jahres“, so Gregor Tretter, der das Münchner Familienunternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Luca und Vater Thomas führt. Als maßgeblich für den Frequenzrückgang betrachten die Schuhhändler die Schließung der Gastronomie. Trotz fehlender Kunden in den Geschäften und dem Einsatz von Kurzarbeit bleibe es bei hohen Kosten für das Unternehmen. Zudem werde man per Gesetzesdefinition als großes Unternehmen betrachtet und sei nach dem Frühjahrs-Lockdown bei den Soforthilfen „durchs Raster gefallen“, so Luca Tretter.

Dem Thema Sonntagsöffnungen stehen die Unternehmer offen gegenüber, sehen diese aber in der aktuellen Situation nicht als große Hilfe an. Mit großer Sorge blickt man auf die kommenden Wochen. Laut Luca Tretter erwirtschaftet das Unternehmen üblicherweise 30% des Jahresumsatzes im November und Dezember. „Die Leute überlegen sich jetzt natürlich, ob sie wirklich in die S-Bahn steigen sollen, um nach München zu fahren, wenn sie da nicht mal einen Kaffee trinken können“, so der Händler. So schlecht wie in diesem Jahr seien die Voraussetzungen für das Weihnachtsgeschäft noch nie gewesen – zumal der Sommer durch die fehlenden Touristen schlecht verlaufen und auch das Oktoberfest abgesagt worden war.

Mit Sorge blicken die Schuhhändler auf die Leerstände in der Münchner Innenstadt – und ihren eigenen Warendruck. Die Läger seien voll. Auch Reduzierungen brächten da nicht viel. Es fehle „das Grundrauschen“ in der Stadt.
Er gehe davon aus, so Luca Tretter, dass es im nächsten Jahr „eine ganze Reihe von Einzelhändlern erwischen“ werde. Das werde auch die Städte verändern. Viele alteingesessene Geschäfte werde es nicht mehr geben, dafür mehr Burgerläden und internationale Ketten. Und selbst diese würden nicht mehr expandieren , so Luca Tretter.

In seinen Geschäften hat der Schuhfilialist umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen realisiert. Man habe Schnelltests für die Mitarbeiter, Desinfektionsspender und Einlassbeschränkungen organisiert. Zudem seien die Regale so aufgestellt worden, dass der vorgeschrieene Abstand automatisch eingehalten werde. Für das Weihnachtsgeschäft plant man mit einem Umsatzminus von über 50%.
Luca, Gregor und Thomas Tretter hoffen auf die Zeit nach April. Der „große Lichtblick“ sei zudem ein Impfstoff.

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Petra Steinke / 29.11.2020 - 12:02 Uhr

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