„Zukunftslösung für Geschäftsbetrieb und Belegschaft“

Sioux startet neu nach übertragender Sanierung

Der Geschäftsbetrieb der insolventen Sioux GmbH wird zusammen mit allen Mitarbeitern von einer neu gegründeten Tochtergesellschaft, der Sioux Schuh GmbH, rückwirkend zum 1. September übernommen. Gegenüber schuhkurier erklärte Sioux-Geschäftsführer Lewin Berner die Strategie.

Am 16. Juni hatte die Sioux GmbH beim Amtsgericht Offenbach Antrag auf ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung gestellt. Die Sioux GmbH ist eines von insgesamt vier Tochterunternehmen der Sioux Holding und führt den Sioux-Betrieb im baden-württembergischen Walheim mit derzeit rund 75 Mitarbeitern. Gesellschafter der Sioux Holding sind neben dem Unternehmer und Sioux-Geschäftsführer Lewin Berner drei weitere private Investoren. Tochterunternehmen der Holding sind neben der Sioux GmbH die Sioux Sourcing, die Sioux Retail und die Sioux Online GmbH.


Sioux Schuh GmbH startet neu und unbelastet
 

In Abstimmung mit allen Beteiligten wurde ein Regelinsolvenzverfahren beantragt und verfügt. Am 1. September wurde dieses über die Sioux GmbH eröffnet. Wie Lewin Berner gegenüber schuhkurier erläuterte, war ein Regelinsolvenzverfahren notwendig, um eine so genannte übertragende Sanierung, also den Verkauf des Geschäftsbetriebes auf einen neuen Rechtsträger, möglichst schnell durchzuführen. Auf diese Art sei nun der Geschäftsbetrieb der Sioux GmbH auf eine eigens neu gegründete weitere Tochterfirma der Sioux Holding übertragen worden, die Sioux Schuh GmbH mit Sitz in Walheim.
Diese übernimmt rückwirkend zum 1. September den Geschäftsbetrieb am Standort in Walheim sowie sämtliche Mitarbeiter. Der Gläubigerausschuss habe dem zugestimmt, so Berner. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Gesellschafter des neu gegründeten Unternehmens hätten sich jedoch mit einen siebenstelligen Betrag engagiert, heißt es in einer offiziellen Mitteilung von Sioux. Über dieses Investment werden die Forderungen der Gläubiger gemäß einer Quote befriedigt. Verbindlichkeiten und Altschulden der Sioux GmbH verbleiben damit in dem insolventen Unternehmen – die Sioux Schuh GmbH startet entsprechend unbelastet in die Zukunft.


Lewin Berner: „Solide Zukunftsperspektive erarbeitet“
 

Er sei „sehr glücklich“, erklärt Lewin Berner laut offizieller Mitteilung, „dass wir innerhalb einer so kurzen Zeit eine Zukunftslösung für den Geschäftsbetrieb und die Belegschaft unserer Tochtergesellschaft Sioux GmbH erarbeiten konnten.“ Für Mitarbeiter, Lieferanten und Kunden sei nun eine solide Perspektive erarbeitet worden. Wie der Unternehmer gegenüber schuhkurier ergänzt, soll kein Beschäftigter in Zusammenhang mit der nun vollzogenen übertragenden Sanierung seinen Arbeitsplatz verlieren.

Man sehe sich nun in der Lage, die vor der Corona-Pandemie bereits weit vorangeschrittenen zukunftsgerichteten Maßnahmen fortzuführen, so Berner weiter. „Wir halten auch in Zukunft an unserer strategischen Marschrichtung fest, die Digitalisierung voranzutreiben, uns in unseren Kollektionen noch mehr auf unsere Stärken zu konzentrieren und unsere Marke weiter auf die Endkunden hin zu fokussieren, gleichzeitig aber auch zukünftig ein verlässlicher Partner des Fachhandels zu bleiben.“ Man gehe davon aus, dass der Schuhhandel „die schwierigsten Monate hinter sich gelassen und der Markt seinen Boden gefunden hat“, so Berner. Die Sanierung habe man nunmehr erfolgreich hinter sich gelassen und wolle sich wieder auf Zukunftsthemen konzentrieren.


Für Fachhandelskunden soll vorerst alles beim Alten bleiben
 

Für Fachhandelskunden gilt laut Lewin Berner, dass die Sioux GmbH noch bis zum 30. November ihr Geschäftspartner bleibt und Aufträge bzw. Rechnungen von diesem bzw. an dieses Unternehmen erfolgen. Auch bleibe die Zentralregulierung über die Verbundgruppen unverändert bestehen. Ab der F/S 2021-Saison, konkret ab dem 1. Dezember 2020, werden sämtliche Auslieferungen dann über die neue Gesellschaft erfolgen. „Für die Händler hat dies den Vorteil, dass erstmal alles beim Alten bleibt und insbesondere die Handhabung von Gutschriften und Retouren vereinfacht wurde“, so Berner gegenüber schuhkurier.

Nach Bekanntwerden des Insolvenzverfahrens im Sommer hätten die Fachhandelskunden Sioux geschlossen die Treue gehalten, erklärt der Geschäftsführer des Unternehmens. Er freue sich über das „große Vertrauen und die Solidarität“, die dem Unternehmen vom Handel entgegengebracht worden sei. Die F/S-Kollektion 2021 kann zur Zeit in verschiedenen Showrooms gesichtet und geordert werden. Auf Messen wie die Gallery Shoes und die Micam habe man dieses Jahr aufgrund der schlechten Planbarkeiten in Corona-Zeiten vorerst verzichtet. „Wir hoffen auf eine Normalisierung im kommenden Jahr“, so Lewin Berner.
Unverändert fortgeführt werden soll die langfristige Kooperation von Sioux mit dem Schauspieler und Filmemacher Til Schweiger, der weiterhin als Markenbotschafter von Sioux fungieren soll und dessen gemeinsam entwickelte Kollektionen Sioux vertreiben werde.  


Über Sioux


Die Sioux GmbH wurde 1954 im schwäbischen Walheim gegründet. Pro Jahr werden laut dem Unternehmen 650.000 Paar Schuhe hergestellt, die in Deutschland sowie in 25 weiteren Ländern verkauft werden. Im Jahr 2019 erwirtschaftete die Sioux GmbH nach Unternehmensangaben einen Umsatz von ca. 24 Mio. Umsatz. Lewin Berner ist seit zehn Jahren Gesellschafter und CEO der Sioux-Gruppe.


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Petra Steinke / 16.09.2020 - 11:05 Uhr

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