Neuer Snipes-Direktor Florian Pfeiffer

„Snipes macht ganz unglaubliche Dinge“

Florian Pfeiffer, Snipes
Florian Pfeiffer, Snipes

Exklusiv-Interview: Florian Pfeiffer, seit Anfang November neuer Direktor bei Snipes, spricht über seine To-Do-Liste, die Wünsche junger Kunden und die nächsten Steps des Streetstyle-Händlers.

schuhkurier: Herr Pfeiffer, Sie wechseln von einer Brand zum Handelsunternehmen. Was hat Sie zu dieser Perspektivveränderung bewogen?

Florian Pfeiffer: Ich war über 18 Jahre lang in unterschiedlichen Rollen bei Nike tätig. Das ist eine lange Zeit, in der ich sehr viele, sehr spannende Aufgaben ausführen durfte. Beispielsweise den Launch von Nike Sportswear in DACH oder zuletzt den strategischen Lead für die Belange der Deichmann-Gruppe bei Nike. Trotz dieser tollen Erfahrungen kann ich nicht leugnen, dass eine neue Herausforderung nach so vielen Jahren durchaus ihre Reize hat. Das breite Spektrum an Aufgaben und die vielen neuen Themen gemeinsam mit dem tollen Team angehen zu können, haben letztlich den Ausschlag gegeben.


Sie waren in den vergangenen Jahren für Nike tätig. Nun wechseln Sie in den Retail. Was kann Snipes von Nike lernen?

Es geht mir weniger um die Lehren, die beide Unternehmen aus der Partnerschaft ziehen können, sondern eher um die Vorteile, die beide Partner mit ihren jeweiligen Besonderheiten voneinander haben. Snipes ist ein starker Partner von Nike und profitiert natürlich vom guten Produktzugriff. Snipes authentifiziert die Brand und hilft dabei, Marktplätze zu konsolidieren. Davon profitiert Nike.
 

Welche Themen und Aufgaben stehen jetzt ganz oben auf Ihrer To-do-Liste?

Snipes macht ganz unglaubliche Dinge und ist in der vergangenen Dekade von 40 auf 400 Stores gewachsen. Das Rad werde ich bei Snipes ganz sicher nicht neu erfinden, aber Gelegenheiten für das Unternehmen aufzuzeigen und zu ergreifen sehe ich als wichtigen Bestandteil meiner Aufgabe. Ganz oben auf meiner To-do-Liste steht dabei vor allem der Ausbau der Digital Sales Capabilities und die Etablierung der neuen Einkaufsstruktur.
 

Sie sind unter anderem für den Einkauf verantwortlich. Welche Schwerpunkte werden Sie hier setzen?

Das Team im Einkauf bei Snipes macht einen großartigen Job. Mark Petereit hat in der vergangenen Dekade als Head of Buying einen großen Beitrag dazu geleistet, das Snipes so gut dasteht. Jetzt gilt es, die nächsten Schritte einzuleiten und dafür strukturiert sich das Team neu. Für mich gilt es zunächst auch das Apparel- und Accessoire-Geschäft weiter auszubauen und mittelfristig einen ausgewogenen Markenmix in allen Produktkategorien und auf allen Plattformen zu erreichen.
 

Junge Konsumenten setzen auf die klassischen Sportmarken. Wie viel Raum gibt es für Newcomer wie Veja oder On?

Gerade junge Konsumenten erwarten einen zeitgeistgerechten Markenmix, der auch Platz für relevante Newcomer bietet. Mit ihrer Nachfrage entscheiden sie auch, wie viel Platz diesen Brands eingeräumt wird. Ich glaube, dass es in Zukunft tendenziell eher mehr als weniger Marken bei Snipes im Sortiment geben wird, um den neuesten Marktentwicklungen immer schnell Rechnung tragen zu können.
 

Eine vor Kurzem durchgeführte Studie von German Fashion brachte zutage, dass der Casualisierungs- und Sneakertrend seinen Peak erreicht haben könnte. Was würde das für Snipes bedeuten?

Interessante Annahme. Der Sneakerboom ist nach wie vor ungebrochen, wird sich aber sicherlich irgendwann auf einem hohen Niveau stabilisieren. Wir werden entsprechend weiterhin hart daran arbeiten, dass der Assortmentmix den Zeitgeist trifft und Snipes die wichtigste Instanz als Streetwear-Outfitter für trendige, junge Konsumenten bleibt.
 

Inwieweit brauchen Sie Messen für Ihre Arbeit? Und welche?

Früher habe ich mehrere Wochen pro Jahr auf Messen verbracht. Das ist heute – nicht erst seit 2020 mit all seinen Widrigkeiten – kaum mehr vorstellbar. Messen haben ihre Relevanz über die Jahre, insbesondere im Sneakerbusiness, leider eher verloren. Messen mit einem Innovationskonzept wie die Fashion Tech, bei der man fast von einem Bildungsanspruch sprechen könnte, finde ich persönlich genauso spannend wie große lokale Sneakermessen wie das „Sneakers Event“ in Paris, das es punktgenau schafft, die sneaker- und streetwear-affine Snipes-Community anzuziehen. So gibt es wirklich interessante Messekonzepte mit ganz vielfältigen Schwerpunkten, aber es ist schwierig zu sagen, welche der Messen in der Zukunft noch als Inspirationsquelle für den Einkauf dienen können.
 

In der Corona-Krise haben viele Marken ihr Direct-to-Consumer Geschäft ausgebaut. Was bedeutet das für Snipes?

Es ist das erklärte Ziel von Snipes, das DTC Business in den nächsten Jahren signifikant zu steigern. Langfristig sollte ein ausgewogener Share das Ziel für alle Departments sein. Ein wichtiger Schritt wurde z.B. gerade durch die Einführung der neuen Snipes App geleistet. Mit ihr bieten wir nicht nur die Verbindung von vollintegriertem Shoppingerlebnis, der Möglichkeit kulturelle Highlights, für die Snipes seit Jahrzehnten steht, zu erleben und mit der Community zu interagieren. Wir nutzen das neuen Loyalty Programm, die Snipes Clique, um unsere Kunden mit Rewards zu überraschen, die wir als „money can’t buy experience“ bezeichnen. Das stimmt uns sehr zuversichtlich für die Zukunft, ist aber sicher erst der Startschuss.
 

Wird die Corona-Pandemie den Retail langfristig verändern? Wenn ja, wie sieht der Handel der Zukunft aus?

Wir gehen davon aus, dass sich die Lage im Laufe des nächsten Jahres beruhigen wird, es aber bis dahin eine ganze Reihe unvorhersehbarer Wendungen geben kann. Die Pandemie hat sicherlich den Fokus noch mehr auf den Bereich Digital Sales verschoben. Abgesehen von einer durch Corona verstärkten Verlagerung von Shares in Richtung Digital, gilt für alle Plattformen die Consumer Experience als wohl wichtigster Erfolgsfaktor. Dafür ist insbesondere unsere Store-Fleet heute und auch in Zukunft ein zentraler Ankerpunkt.
 

Wie bewerten Sie das Kräfteverhältnis von Brands und Retail. Wer braucht den jeweils anderen mehr?

Beide Seiten sind aufeinander angewiesen. Der Retail braucht natürlich die Produkte der Brands, um Umsätze zu erwirtschaften. Die Brands werden weiterhin physische Showcases in den großen Städten benötigen, die helfen, die Brand erlebbar zu machen und insbesondere die Konsumenten zu inspirieren, die lieber in einem Multi-Brand Environment shoppen wollen. Es ist zu erwarten, dass es eine weitere Konsolidierung des Marktes geben wird und die großen Marken sich zunehmend auf wenige strategische Partner konzentrieren. Mit diesen wird es dann aber eine noch tiefere Partnerschaft geben.
 

Weitere Statements von Florian Pfeiffer lesen Sie in schuhkurier Ausgabe 47.

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Petra Steinke / 19.11.2020 - 12:15 Uhr

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