Corona-Bilanz

So leidet die italienische Lederwarenindustrie

Tiefrote Zahlen: Die italienische Lederwarenindustrie hat ein katastrophales erstes Halbjahr hinter sich. Die Branche hofft auf eine Erholung im Jahr 2021.

Der Umsatz der italienischen Lederwarenindustrie ist im ersten Halbjahr 2020 um 43,2 Prozent (1,9 Mrd. Euro) zurückgegangen. Das gab der italienische Lederwarenverband Assopellettieri anlässlich der Lederwarenmesse Mipel (20. bis 23. September 2020 in Mailand) bekannt. Die befragten Unternehmer gaben im zweiten Quartal einen drastischen Umsatzrückgang von 49,2 Prozent bekannt. Sechs von zehn Unternehmen in der Stichprobe büßten mehr als 50 Prozent ein.

 

Italienische Lederwarenindustrie: Export brechen ein

 

Die Exporte gingen in den ersten sechs Monaten des Jahres knickten um 30,6% gegenüber Vergleichszeitraum 2019 ein. Die Expansion der letzten Jahre wurde damit gestoppt.
Betroffen war laut Verband nicht nur das mittlere Segment, sondern auch der Luxusmarkt, die im Allgemeinen widerstandsfähiger gegen wirtschaftliche Schwankungen sei. Wertmäßig fielen die Exporte unter das Niveau der ersten sechs Monate des Jahres 2017. Das Wachstum der letzten Jahre sei damit abrupt „verbrannt“ worden.
Der Talfahrt habe sich auch nach der Wiedereröffnung der Fabriken im Mai (- 49,7 Prozent im Wert) und im Juni (-20 Prozent) fortgesetzt und ließ die Hoffnung auf eine rasche Rückkehr zur Normalität schwinden.

Alle Hauptprodukttypen weisen signifikante Abnahmen auf. Handtaschen (mit einem Anteil von 65 Prozent am Auslandsumsatz das mit Abstand am meisten exportierte Produkt) weisen einen Wertverlust von -26 Prozent auf. Koffer um -30 Prozent. Produkte aus Leder, die fast drei Viertel des Gesamtwerts ausmachen reduzierten sich um ein Drittel.

Die Rückgänge betreffen fast alle Märkte. Nur Südkorea (+ 1,1 Prozent) und Polen (+ 6,8 Prozent) unter den Top-25-Export-Ländern weisen einen Anstieg gegenüber Januar bis Juni 2019 auf.). Die Europäische Union (nach dem Brexit als 27 Länder betrachtet) weist insgesamt einen Wertverlust von -18 Prozent auf. Die Exporte nach Deutschland gingen um 23 Prozent zurück.

 

Schwache Inlandsnachfrage

 

Die Inlandsnachfrage bezeichnet der Verband als „sehr schwach“. In Italien blieben die Einzelhandelsverkäufe von „Lederwaren und Schuhen“ auch nach dem Lockdown in den Monaten März bis April auch im Mai (-35,1 Prozent und Juni (-12,8 Prozent) unbefriedigend, so die Zahlen von Istat. Für die ersten sechs Monate 2020 ergibt sich damit ein Rückgang von -32,7 Prozent.

Besorgniserregend sein die Kleinteiligkeit der Produktionsstruktur: 70 Prozent der Hersteller haben nicht mehr als fünf Mitarbeiter. Sie bildeten das Rückgrat von Lederwaren „ Made in Italy“.

Die Zahl der Unternehmensaufgaben spiegelt die Ergebnisse der Corona-Krise von nicht wider: Laut Infocamere Movimprese ging die Anzahl der aktiven Lederwaren-Unternehmen im Vergleich zu Ende Dezember 2019 nur um 1,5 Prozent zurück. Aber: „Diese Daten, die bislang nicht besonders alarmierend sind, werden sich in den kommenden Monaten leider erheblich verschlechtern.“ Bestellungen wurden storniert, und der Zahlungsausfall ist hoch. Vier von zehn Teilnehmern der Confindustria Moda-Umfrage klagen über 40 Prozent ausstehender Zahlungen. Die Einnahmen gingen stark zurück, während die Ausgaben für Mitarbeiter, Lieferanten, Steuerbehörden und Banken gleich geblieben seien.

Für das Jahr 2020 rechnen 44 Prozent der Lederwarenunternehmer mit einem Umsatzrückgang zwischen 20 und 50% an. Im Schnitt beläuft sich das geschätzte Minus auf 40 Prozent.

Die italienische Lederwarenbranche hofft auf eine Erholung im kommenden Jahr, die 2022 abgeschlossen sein könnte.

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Tobias Kurtz / 21.09.2020 - 12:51 Uhr

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