Corona-Krise

So lief das erste Shopping-Wochenende nach dem Shutdown

Das erstes Shopping-Wochenende nach dem Ende des Shutdowns verlief vielerorts ruhig. Es waren deutlich weniger Menschen in den Fußgängerzonen unterwegs als üblich.

Trotz des Neustarts im Einzelhandel fiel die Frequenz in den deutschen Innenstädten am vergangenen Wochenende niedrig aus. Das geht aus den Daten des Analyseunternehmens Hystreet hervor, über die die „Bild“ berichtet. Hystreet hatte die Anzahl der Passanten in den zehn umsatzstärksten Fußgängerzonen ausgewertet. Demnach waren auf der Kölner Schildergasse am Samstag rund 74% weniger Menschen unterwegs als am Vorjahrestag. Auf der Spitaler Straße in Hamburg betrug der Rückgang 65% und auf der Frankfurter Zeil ging die Besucherfrequenz um 63% zurück. Der höchste Rückgang wurde von Hystreet für die Saarbrückener Bahnhofsstraße verzeichnet, hier brach die Frequenz im Vergleich zum Vorjahrestag um 79% ein. „Die Befürchtungen der Bundesregierung waren unbegründet, die Menschen halten sich an die Vorgaben. Die Einschränkungen für den Einzelhandel sollten deshalb schnellstmöglich aufgehoben werden“, sagte Andreas Mattner vom Spitzenverband der deutschen Immobilienwirtschaft gegenüber der „Bild“.

Händler zeigten sich vielerorts enttäuscht. Zwar sei es einerseits sinnvoll, dass die Menschen nicht in Scharen in die Städte geeilt seien, so ein Händler gegenüber schuhkurier. „Aber mehr Kunden in unseren Geschäften wären trotzdem dringend nötig gewesen.“ Man sei gut vorbereitet gewesen; Abstandsmarkierungen, Masken und Schutzscheiben im Kassenbereich seien vorhanden. Man habe auch Vorkehrungen getroffen, um nicht zu viele Besucher gleichzeitig ins Geschäft zu lassen. Trotzdem sei das Interesse der Verbraucher sehr gering gewesen. 

Schuhhändler in Hamburg, Bremen und Leipzig waren sehr unzufrieden mit Frequenz und Nachfrage. Kleinere Standorte schnitten vielfach etwas besser ab. Dennoch wurde der Umsatzrückgang zwischen 30 und 40% im Vergleich zum Vorjahr beziffert. 

Der Rostocker Schuhhändler Michael Höppner ist froh, überhaupt wieder öffnen zu dürfen. „Das ist für uns ein wichtiger Schritt. Nun haben wir wieder eine Perspektive“, so der Unternehmer gegenüber schuhkurier. Gleichwohl sei von einer allmählichen Entwicklung auszugehen, die sich erst in den kommenden Wochen steigern wird. Die Frequenz in der Stadt sei am ersten Samstag nach dem Lockdown in Ordnung gewesen. „Es waren Menschen unterwegs, die Leute wollten einfach wieder raus und das schöne Wetter genießen.“ DIe Umsätze im Schuhhandel waren aber schwach und erreichten vielfach keine 50% des Vorjahres. 

Ingo Hänel, Schuhhändler aus Römerstein, erklärte: „Die prä-coronialen Top-Filialen sind jetzt auch gut und sehr zufriedenstellend – und die Standorte, die vorher schon keine Hochfrequenzstandorte waren, sind jetzt die Schlusslichter. Generell sind wir im Moment auf der grünen Wiese bzw in Fachmarktzentren viel zufriedener als in den Innenstädten. Auch die Oberzentren, zumindest aber die Mittelzentren, in denen wir vor Ort sind, haben eine weitaus schwächere Frequenz.“  Anders sehe es bei Standorten rund um Nahversorger aus: „Hier kommt durchaus eine solide Grundfrequenz zustande“, so Hänel.
Bei den Kunden sei zu beobachten, dass konkret etwas gesucht werde. Unverbindliches Bummeln finde eher nicht statt. „Wir verkaufen querbeet; auch Mode geht gut. Im Moment verkaufen wir vor allem noch alle Arten von Sneakern. Offene Ware geht nur im modischen Pantoletten-Bereich, z.B. von Birkenstock. Kinderschuhe sind nach wie vor gut nachgefragt –und die Herren sind das Schlusslicht“, so Hänel.
Die Kunden seien überwiegend sehr diszipliniert, berichtet der Händler aus Süddeutschland. „Auch begegnen die Kunden uns zumeist mit viel Verständnis, was die "Beratung auf Distanz" angeht. Die Leute wissen, wir würden gerne mehr tun, gerne näher am Kunden sein – aber es geht halt nur mit Distanz“, erklärt Ingo Hänel.

Der Pfälzer Schuhhändler Peter Bödeker hat die ersten Tage nach dem Lockdown als "gemischt" erlebt. Nachdem erste Geschäfte am vergangenen Montag bereits öffnen durften, sei die Frequenz zunächst "super" gewesen, dann aber im weiteren Wochenverlauf abgeflacht. Der Freitag sei dann wieder etwas besser verlaufen und der Samstag wurde von dem Händler – gemessen an den Umständen - als "gut" bezeichnet. 

Schuhe 24 analysiert Wiedereröffnung

Die Online-Plattform Schuhe24 hat die erste Verkaufswoche nach dem Ende des Shutdowns in vielen Bundesländern analysiert.  „Wir konnten erkennen, dass vor allem Center stark betroffen sind. Der Rückgang lag hier im Schnitt bei -61%, was zeigt, dass die Kunden Angst haben, in die Center zu gehen. Auf dem Land hingegen sind die Zahlen vergleichsweise stabil“, so Dr. Dominik Benner. Der Gesamtrückgang habe im Durchschnitt 41% betragen. Ebenfalls stark betroffen seien touristische Regionen wie die Nordsee oder Ostsee gewesen, hier seien Rückgänge bis 80% verzeichnet worden. Neben der geographischen Verteilung war laut Schuhe24 ebenfalls das Sortiment entscheidend: „Kinderschuhe waren extrem nachgefragt, hier gab es einen Nachholeffekt aus den Schließungswochen. Auch Komfortschuhe liefen besser als der Durchschnitt. Zudem liefen Sportgeschäfte besser, aber normale Warengruppen im Schuhbereich waren durchgängig negativ, auch Herrenartikel“, so Benner. Die Online-Umsätze seien trotz der stationären Wiedereröffnung weiter gestiegen. „Derzeit sind wir auf die Auswirkung der Maskenpflicht gespannt, dies wird erneut die Verbraucher verunsichern. Man kann nur an die Politik appellieren, dass bald wieder eine Normalität forciert wird.“

 
Helge Neumann / 27.04.2020 - 09:26 Uhr

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