Interview

Stephan Krug: „Wir müssen nachhaltiger handeln!“

Stephan Krug (Foto: Sabu)
Stephan Krug (Foto: Sabu)

Wie sieht eine Verbundgruppe die Thematik Nachhaltigkeit? Was muss in Industrie und Handel geschehen? Fragen an SABU-Geschäftsführer Stephan Krug.

Das Thema Nachhaltigkeit wird derzeit intensiv diskutiert, quer durch alle Branchen. Wie sehen Sie das Thema mit Blick auf Schuhe?

Wir als Verbundgruppe und damit Teil der Gesellschaft halten die Sensibilisierung für unsere Umwelt für wichtig, richtig und essentiell. Viele Schuhhersteller stellen sich schon heute diesen Anforderungen und reagieren mit ersten Konzepten zu nachhaltigen Materialien, innovativen Produkten und transparenten Produktions- und Arbeitsbedingungen. Wir schaffen für diese Lieferanten eine Plattform, indem wir ihnen einen Stand auf unserer Messe anbieten und diesen gesondert bewerben sowie die Informationen über die jeweiligen Nachhaltigkeitsbemühungen an unsere Mitglieder in unseren Newslettern regelmäßig weitergeben.
Während sich schon einige Hersteller mit den wichtigsten Nachhaltigkeitsstandards beschäftigen, gilt es noch weitere hierfür zu sensibilisieren. Vor allem bei den Produktionsbedingungen, beim Thema Gift- und Schadstoffe, bei der Verarbeitung, der Kreislauffähigkeit, bei der sozialen Verträglichkeit, beim Klimaschutz und dem Erhalt der Umwelt ist teilweise noch viel Luft nach oben, die Bedeutung dieser Themen wird aber immer mehr erkannt.

Verbraucher scheinen im Hinblick auf Schadstoffe und ökologische Aspekte anspruchsvoller zu werden. Andererseits sind auch viele falsche Informationen in den Köpfen. Was raten Sie Händlern im Umgang mit Kunden?

Durch ihr Kaufverhalten üben viele Verbraucher in Sachen Klima- und Umweltschutz Druck auf Politik und Wirtschaft aus. Der Handel merkt es täglich in den Geschäften: Die Fragen nach verwendeten Materialien und fairen Produktionsbedingungen nehmen laufend zu. Unseren Händlern raten wir, offen und proaktiv mit dem Thema Nachhaltigkeit umzugehen. Das bedeutet konkret, in der Warenpräsentation auf nachhaltige Schuhe gezielt hinzuweisen und die Mitarbeiter im Verkauf speziell zu nachhaltig produzierten Artikeln bzw. Sortimenten mit den richtigen Argumenten zu schulen. In der Außenwirkung sollte der stationäre Händler außerdem das Argument „vor Ort gekauft“ aktiv spielen. Denn das Bestellen von Schuhen bei Versand- und Onlinehändlern belastet die Umwelt zusätzlich. Hier sind die jeweiligen Stadtmarketing-Organisationen gefordert, den Gedanken bei gemeinsamen Aktionen in den Vordergrund zu stellen.

Wie sollten sich Händler dem Thema Nachhaltigkeit in ihrem Sortiment nähern?

Indem sie Schuhe, die umweltverträglich und nachhaltig produziert wurden, bei der Disposition berücksichtigen und im Geschäft entsprechend herausstellen. Viele Lieferanten haben mittlerweile spezielle Informations- und Marketingmaterialien, mit denen Endverbraucher gezielt informiert werden. Dieses, richtig platziert und eingesetzt, kann den Abverkauf entscheidend unterstützten. Der Händler sollte außerdem auch selbst hinter dem Gedanken, nachhaltige Produkte zu verkaufen, stehen. Denn gelebte Authentizität ist gut und glaubwürdig.

Werden Verbraucher langfristig nachhaltig handeln und für das „bessere“ Produkt auch den ggf. höheren Preis zahlen?

Wir alle als Verbraucher werden langfristig nachhaltiger handeln müssen! Solange es allerdings „billiger“ ist, Produkte nicht zu pflegen oder zu reparieren, sondern sich diese neu zu kaufen, wird sich das Umdenken nur schwer durchsetzen können. Wir leben glücklicherweise in einer Zeit der Veränderungen, die Ästhetik mit Nachhaltigkeit umgesetzt fördert. Die Verbraucher müssen Qualität, die durch den Massenkonsum verloren gegangen ist, neu lernen und schätzen. Das geht dann, wenn wir gute, ansprechende und nachhaltige Produkte mit Wertigkeit schaffen. Schuhe, die dann auch ihren ggfs. höheren Preis haben. Schuhe, die man nicht einfach wegwirft und mit denen man deshalb auch gut umgeht und diese schätzt. Denn gute (und nachhaltige) Schuhe machen glücklich.

Glauben Sie, dass sich der derzeit vieldiskutierte Konsumverzicht durchsetzt?

Leben heißt in gewissem Maße natürlich Konsum. Und der Konsum von Dingen löst bei uns häufig Glücksgefühle aus.Konsumverzicht, also die Überlegung, ob man wirklich etwas Neues braucht oder eine Sache nicht reparieren kann, etwas Gebrauchtes kauft, mietet oder tauschen möchte, ist ein anderes Lebenskonzept. Die Wahrheit wird wahrscheinlich in der Mitte liegen und das richtige Maß muss jeder selbst für sich selbst finden. Zum Konsumverzicht gibt einen passenden Spruch aus dem Film „Fight Club“: „Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, von Geld, das wir nicht haben, um Menschen zu beeindrucken, die wir nicht mögen.“
Wer seinen Konsum jedoch kritisch hinterfragt und für sich beschließt, auf unnötige Anschaffungen zu verzichten bzw. bewusster zu konsumieren, hat dies für sich erkannt. Dieses gesellschaftliche Umdenken ist ein erster Schritt in Richtung bewusst-kritischen Konsums nachhaltiger Produkte. Das kann jeder durch sein ureigenes Handeln für sich selbst entscheiden.

Die Modebranche ist ein Klimakiller. Was kann man dagegen tun?

Die Schuhbranche wird die Welt nicht verändern. Sie kann jedoch ihren Teil dazu beitragen: durch nachhaltige, kreislauffähige Produkte, die sozialverträglich hergestellt werden. Unser aller Ziel muss es sein, über alle Stufen der Produktions- und Vertriebskette hinweg das Bewusstsein zu schaffen und durchzusetzen, dass uns nur bewusster Konsum in allen Bereichen langfristig glücklich macht und unsere Erde auch für künftige Generationen lebenswert bleibt.

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Helge Neumann / 12.02.2020 - 15:45 Uhr

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