Euler Hermes

Studie: 13.000 Unternehmen in europäischer Modeindustrie gefährdet

Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes (Foto: Euler Hermes)
Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes (Foto: Euler Hermes)

Die Umsätze der europäischen Mode- und Schuhindustrie werden im Jahr 2020 im Zuge der Covid-19-Pandemie deutlich zurückgehen. Laut dem Kreditversicherer Euler Hermes sind rund 13.000 Unternehmen in ihrer Existenz gefährdet.

„Nicht alle Unternehmen werden es schaffen, sich durch die Krise zu retten“, sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Wir gehen davon aus, dass trotz der zahlreichen Unterstützungsmaßnahmen etwa 13.000 Unternehmen in Europa bis Ende 2021 verschwinden und damit rund 158.000 Jobs in der europäischen Textilindustrie in Gefahr sein dürften. Damit kommt die Covid-19-Pandemie auch in der Herstellung an – im textilen Einzelhandel hat sie längst ihren Tribut gefordert, mit vielen großen Insolvenzen bereits im ersten Halbjahr 2020.“

Das entspricht in etwa 8% der Gesamtbeschäftigung in der Industrie und 6% der Unternehmen in Europa. Der Anteil der kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) am Gesamtumsatz der europäischen Textilindustrie ist doppelt so hoch wie der Durchschnitt des verarbeitenden Gewerbes, was sie insgesamt anfälliger macht. „Wir gehen aber davon aus, dass sich der Umsatz der Branche im Jahr 2021 wieder etwas erholt und um etwa +15% zulegen dürfte“, sagt Aurélien Duthoit, Branchenexperte bei der Euler Hermes Gruppe. „An das Vorkrisenniveau dürfte er aber wohl nicht vor 2023 anknüpfen – vorausgesetzt, dass es zu keiner zweiten Welle kommt, sich die Situation mit Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen allmählich normalisiert und die Wirtschaft weiterhin finanziell und monetär erheblich unterstützt wird.“

Deutschland: Textilhersteller kommen glimpflicher davon als in Nachbarstaaten

In Deutschland dürften die Umsatzeinbußen mit -12% im Jahr 2020 geringer ausfallen als beispielsweise in Italien (-22%) oder Frankreich (-17%). Die Gründe dafür sind zum einen der wesentlich kürzere und weniger strikte Lockdown und die vergleichsweise schnellere Wiedereröffnung der textilen Einzelhandelsgeschäfte. Zum anderen spielt aber auch der höhere Anteil an industrieller Textilherstellung eine Rolle. Durch die stärkere Diversifizierung und zahlreiche Nischenhersteller ist die Abhängigkeit vom textilen Einzelhandel hierzulande etwas geringer.

„Nichtsdestotrotz ist die Abhängigkeit der Textilhersteller vom Einzelhandel und Konsum auch in Deutschland nicht unerheblich“, sagt Van het Hof. „Viele Unternehmen im textilen Einzelhandel hängen seit Jahren am seidenen Faden. Es überrascht daher wenig, dass dort im ersten Halbjahr 2020 überproportional viele Unternehmen die Segel streichen mussten – mit drastischen Auswirkungen auf die Lieferketten. Mit den Aussichten, dass sich möglicherweise längerfristiger ein Plateau bei 80-90% der normalen Umsätze bilden könnte, werden dies nicht die letzten gewesen sein. Viele Unternehmen sind Spitz auf Knopf finanziert und erzielen nur geringe Margen – da reicht ein solches Niveau nicht aus, wenn es länger anhält.“

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Helge Neumann / 29.07.2020 - 08:44 Uhr

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