Corona im Schuh- und Modehandel

Timo Leinweber: „Rettet unsere Branche!“

Timo Leinweber, Schuhhändler aus Berlin (Foto: Domenik Broich)
Timo Leinweber, Schuhhändler aus Berlin (Foto: Domenik Broich)

In einem eindringlichen Appell wendet sich Schuhhändler Timo Leinweber an die Politik. Schuh-, Mode-, Sport- und Textilhandel seien besonders hart von der Corona-Krise betroffen. Leinweber fordert handfeste Unterstützung statt Krediten. Und eine gemeinsame Anstrengung aller Akteure.

Timo Leinweber aus Berlin will kämpfen und sucht Mitstreiter. In einem eindringlichen Appell wendet er sich an Branchenmitglieder und politische Akteure: „Unsere Branchen haben mit vergänglicher, saisonaler Ware zu tun, die weit vor Corona in gutem Glauben geordert wurde – vieles davon schon in 2019. Jetzt stehen unsere Geschäfte voll mit neuer Ware, die bereits bezahlt ist bzw. zum Teil noch bezahlt werden muss. Und nach Öffnung der Geschäfte wird weitere Ware in großen Mengen eintreffen. Mit jedem Tag sinkt ihr Wert! Keiner weiß, wie lange die Gesamtsituation noch anhält. Nichts von dem, was wir planen und uns überlegen, kann aktuell umgesetzt werden. Unsere Branche steht mit dem Rücken zur Wand und braucht dringend Gehör von der Politik!
 

„Kredite aufnehmen – das wäre Wahnsinn!“

Wir zählen zwar zum Einzelhandel, aber wir sind mit unserem Problem der Saisonware und den langen Vorläufen bei der Beschaffung mit am meisten benachteiligt. Wir können die Ware nicht mal eben stoppen oder stornieren und sind diesem massiven Kostenblock – neben Mieten, Personal und weiteren Aufwendungen – vollumfänglich ausgesetzt. Das nimmt uns täglich mehr Luft zum Atmen. Hierfür Kredite aufzunehmen oder eine Saisonlinie zu beanspruchen mit bis zu 5% Zinsen, das wäre ein Wahnsinn und ebenfalls der vorprogrammierte Untergang. Wieviel sollen wir denn die kommenden Jahre zusätzlich verdienen, um die Tilgung zu bedienen und gleichzeitig unsere Unternehmen wirtschaftlich gesund zu halten? Von dringend nötigen Investitionen mal ganz zu schweigen.
 

„Wir Händler müssen Alarm schlagen!“

Unabhängig davon, ob die Warenlieferungen vorerst gestoppt wurden, es sind alle zehn Tage massive Dekadenrechnungen bereits gelieferter Ware fällig. Wir haben Null Einnahmen und neben der Ware natürlich noch weitere Kosten wie z. B. jetzt zum Monatsende die Personalkosten voll vorzustrecken, da so schnell kein Kurzarbeitergeld fließt. Mieten jetzt auszusetzen ist auch keine echte Hilfe, denn auch diese werden zeitnah zurückgefordert.
Wir Händler müssen geschlossen aufstehen und Alarm schlagen! Textil-, Mode und Schuhbranche machen doch 70% der Innenstädte und Einkaufscenter im gesamten Land aus, wenn nicht sogar mehr!

 

Krise nicht mit Ladenöffnung beendet

Die Probleme haben mit der jetzigen Schließung der Geschäfte begonnen, aber sie werden nicht enden, wenn wir wieder öffnen können. Wir brauchen einen Fahrplan, der uns aufzeigt, dass wir auch über mehrere Monate danach weiter planen können. Nur so haben wir eine Chance! Denn auch wenn die Geschäfte wieder öffnen dürfen, wird es Monate dauern, bis sich alles wieder halbwegs eingespielt hat. Zudem fehlt dann vielen Bürgern durch Kurzarbeit Geld im Portemonnaie.

Wenn wir weiter abwarten und hoffen, dass irgendwas beschlossen wird, dann geht einem nach dem anderen die Luft aus. Das kann niemand wollen: Vermieter nicht, Lieferanten nicht, Städte nicht und Bundesregierung nicht. Ich spreche von einer jahrhundertealten Branche, von tausenden Arbeitsplätzen! Generationen von Unternehmen, Vermietern, Dienstleistern und Mitarbeitern und auch der Staat haben von dieser Handelssparte immer sehr gut gelebt.

Wir müssen aufstehen und die Stimme erheben und aufzeigen, dass es uns gibt. Dass es sich lohnt, für diese Branche zu kämpfen! Jeder Händler, jeder Unternehmer sollte die eigenen, aber auch die Anliegen der gesamten Branche platzieren und vertreten. Keiner sollte jetzt untätig bleiben!“

   
Petra Steinke / 25.03.2020 - 16:56 Uhr

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