Interview

Tom Tailor Shoes: „Stärke zeigen“

Christoph Gessner (Foto: Supremo)
Christoph Gessner (Foto: Supremo)

Wie kann Supremo den Ausfall der Expo Riva Schuh kompensieren? Wie geht es bei Tom Tailor Shoes weiter? Und wie lief die Kollektionsentwicklung? Fragen an Christoph Gessner, Mitglied der Geschäftsführung.

Wie ist die Lage aktuell bei Supremo?


Wir können die Gesamtsituation nicht ändern, daher müssen wir zufrieden sein. Natürlich ist die Umsatzentwicklung im stationären Handel nicht so, wie sie ohne Corona-Krise gewesen wäre. Die Wochen des Shutdowns fehlen und auch nach dem Re-Start Ende April ist eine deutliche Kaufzurückhaltung spürbar. Aber Jammern bringt uns nicht weiter. Unsere Marschrichtung ist ganz klar: Es wird ein Leben nach Corona geben – und Supremo wird Bestandteil dieses Lebens sein!

 

Am 8. Juni hat die Tom Tailor Holding Insolvenz angemeldet. Wie betrifft dies Supremo als Lizenznehmer?


Supremo ist von der Insolvenz nicht betroffen, da unser Lizenzgeber die Tom Tailor GmbH ist, die nicht insolvent ist. Vielmehr hat die Tom Tailor Holding Insolvenz angemeldet. Wir arbeiten daher wie gewohnt weiter. Es wird zu keinerlei Beeinträchtigung der Auslieferung der Herbst/Winter-Ware kommen und auch die Order für Frühjahr/Sommer läuft regulär. Wir werden die gute Zusammenarbeit mit Tom Tailor auch nach Abschluss des Insolvenzverfahrens fortsetzen, das haben wir mit den Verantwortlichen in Hamburg besprochen. Es ist sogar so, dass die Markenattraktivität von Tom Tailor durch gezielte Investitionen in Produktqualität weiter gesteigert werden soll.

 

Ohne Corona hätte sich die Branche Mitte Juni auf der Expo Riva Schuh getroffen. Wie kann Supremo den Ausfall der Messe kompensieren?


Die kommende Orderrunde wird in der Tat ganz anders, als wir es alle gewohnt sind. Um den Wegfall der Expo Riva Schuh zu kompensieren, haben wir erheblich in Technik und den Aufbau eines digitalen Ordertools investiert. Die Händler erhalten von uns einen Zugang und können die Kollektion umfassend sichten. Jedes Modell wird in mehreren Ansichten abgebildet; Order- und Musteraufträge können direkt über das Tool erstellt werden. Zusätzlich werden wir viele Videokonferenzen durchführen. Allerdings bin ich auch auf die Messen im Herbst gespannt. Wir haben uns bereits für die Micam in Mailand angemeldet und würden dort sogar gerne einen größeren Stand belegen. Wir sind gespannt, wie sich die Messe neu aufstellt.

 

Was erwarten Sie von der Orderrunde für Frühjahr/Sommer 2021? Werden die Gespräche mit dem Handel besonders „hart“?


Das bleibt abzuwarten. Bislang sind die harten Verhandlungen weitestgehend ausgeblieben. Vor allem die stationären Händler haben sich sehr gesprächsbereit gezeigt, während der ein oder andere Onliner zu Beginn der Corona-Krise vorgeprescht ist. Generell sind wir aber stets gemeinsam mit dem Handel auf der Suche nach fairen und partnerschaftlichen Lösungen.

 

Es wurde in den vergangenen Wochen vielfach eine Verschiebung des Saisonrhythmus gefordert. Wie bewerten Sie das?


Der Handel gibt den Rhythmus vor. Wir richten uns nach den inviduellen Wünschen der Kunden – so wie in der Vergangenheit auch. Einige wollen bereits jetzt ordern, andere lieber noch warten. Wir sind für alle Eventualitäten gerüstet und haben uns zuletzt mit Ingo Carbon auch nochmals personell verstärkt. Grundsätzlich rechnen wir mit einer etwas späteren Order. Dabei hilft uns, dass im kommenden Jahr das ’Chinese New Year’ einige Wochen später liegt als in diesem Jahr, als bereits ab Mitte Januar in den Fabriken die Bänder stillstanden. Wir stehen täglich im Kontakt mit unseren Partner in China und werden die Produktion bestmöglich planen. 

 

Wie hat Supremo die Kollektion für Frühjahr/Sommer 2021 ohne Reisen entwickelt?


Unser großer Vorteil ist, dass wir in China über einen eigenen Sample-Room verfügen, in dem unsere Kollektion entsteht. Vor Ort beschäftigen wir langjährige Mitarbeiter, die bestens mit unseren Anforderungen vertraut sind. So konnten wir auch ohne Reisen eine sehr gute Kollektion mit vielen Neuheiten entwickeln. Wir haben unsere Entwicklungen und Materialkombinationen nach China geschickt und per Videokonferenzen die Modelle besprochen. Anschließend wurden die Muster aus China nach Pirmasens geschickt, so dass wir den Schuhen den ’letzen Schliff’ geben konnten. Auch wenn es eine Herausforderung war, hat letztlich doch alles sehr gut funktioniert und wir sind mit der Kollektion sehr zufrieden.
 

Weitere Fragen an Christoph Gessner lesen Sie in der kommenden Ausgabe von schuhkurier

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Petra Steinke / 16.06.2020 - 15:58 Uhr

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