Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie

Umsatzeinbruch der deutschen Schuhindustrie im ersten Halbjahr

Hauptgeschäftsführer HDS/L Manfred Junkert (Foto: HDS/L)
Hauptgeschäftsführer HDS/L Manfred Junkert (Foto: HDS/L)

Das Jahr hatte aus Sicht der deutschen Schuhindustrie gut angefangen. Dann kam der Lockdown des stationären Schuhhandels. Und damit einhergehend ein historischer Einbruch für die Industrie.

Der HDS/L-Hauptgeschäftsführer Manfred Junkert schilderte in einer Pressekonferenz anlässlich der Gallery Fashion + Shoes in Düsseldorf die Situation der Branche. Das erste Halbjahr 2020 brachte der deutschen Schuhindustrie demnach einen Umsatzeinbruch von 1,62 Mrd. Euro auf 1,28 Mrd. Euro – das entspricht einem Minus von 21,0%. Im Inland fiel der Umsatzrückgang mit -22,5% sogar noch stärker aus. Der Auslandsumsatz verringerte sich im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 269 auf 232 Mio. Euro.

Auf die Beschäftigungssituation der deutschen Schuhindustrie wirkte sich die Situation unterdessen nicht aus: Im ersten Halbjahr konnten die deutschen Schuhhersteller die Beschäftigung stabil halten. Die Branche beschäftigte im ersten Halbjahr 15.587 Mitarbeiter –  plus 0,7% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Mitarbeiter würden, soweit möglich, in den Unternehmen gehalten. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistete auch die Möglichkeit der Kurzarbeit. Eine Verlängerung der zurzeit bis 31. Dezember 2020 befristeten Maßnahme wird vom HDS/L begrüßt.

Der Anstieg bei den Erzeugerpreisen in der deutschen Schuhindustrie setzt sich nach den Worten Junkerts trotz der Corona-Pandemie fort. Insgesamt seien die Erzeugerpreise für Schuhe im ersten Halbjahr um 0,6% im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Es gebe jedoch Unterschiede zwischen den verschiedenen Schuhtypen. So wurden Sicherheitsschuhe teurer, während andere Schuhtypen um 0,5% günstiger wurden. Geringe Anstiege bei den Erzeugerpreisen sind für Textilien, Bekleidung und Lederwaren zu verzeichnen (Textilien: 0,2%, Bekleidung: 0,8%, Lederwaren: 1,2%). Insgesamt sind laut Junkert die Erzeugerpreise für gewerbliche Produkte im ersten Halbjahr 2020 um 1,1% gefallen.

Die Verbraucherpreise sind unterdessen von Januar bis Juni 2020 um 1,2% gestiegen. Für Schuhe insgesamt sei nur ein leichter Anstieg von 0,7% zu verzeichnen, so Junkert. Bei Herrenschuhen seien die Verbraucherpreise sogar um 0,5% im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 gefallen. Anstiege liegen bei Damenschuhen (+0,8%) und Kinderschuhen (+2,4%) vor.

 

Ausfuhren gehen teils deutlich zurück
 

Im ersten Halbjahr 2020 wurden 146,4 Mio. Paar Schuhe mit einem Gesamtwert von 3,2 Mrd. Euro aus Deutschland ausgeführt. Das entspricht einem paarzahlmäßigen Rückgang um 17,9%. Der Wert der exportierten Schuhe fiel um 14,5% von 3,7 auf 3,2 Mrd. Euro. Der Durchschnittspreis eines exportierten Schuhs betrug 21,79 Euro im ersten Halbjahr 2020 – das ist ein Anstieg von 4,2% gegenüber 2019.

In vielen wichtigen Exportländern sei die Ausfuhr zweistellig um 14 bis 36% zurückgegangen. Eine Ausnahme stellte Polen dar: Im wichtigsten Abnehmerland von Schuhen aus Deutschland hat sich die exportierte Zahl von 30,5 Mio. Paar Schuhen im ersten Halbjahr 2019 nur um 1,8% auf 29,9 Mio. Paar im Vergleichszeitraum 2020 verringert. Für andere wichtige Abnehmerländer seien dagegen zweistellige Rückgänge im Export zu verzeichnen (Frankreich -15,9% auf 17,8 Mio. Paar, Slowakei -22,5% auf 11,1 Mio. Paar, Italien -20,5% auf 9,1 Mio. Paar). Die Ausfuhren von Schuhen aus Deutschland nach Großbritannien sind in den ersten Monaten 2020 um 28,8% auf 6,5 Mio. Paar gesunken. Dies ist nach Überzeugung Manfred Junkerts nicht allein auf die Corona-Krise zurückzuführen, sondern auch auf die mit dem Brexit einhergehenden Unsicherheiten.
Während der europäische Binnenmarkt im ersten Halbjahr 2019 einen Anteil von 85,4% aller aus Deutschland ausgeführten Schuhe hatte, stieg dieser im ersten Halbjahr 2020 auf 88,0%. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden 128,9 Mio. Paar Schuhe aus Deutschland in die Länder der EU ausgeführt. Das sind laut HDS/L 17,4% weniger als im Vorjahreszeitraum.

 

Lieferkettengesetz „unverständlich“


Die größten Herausforderungen für die Schuhbranche liegen derzeit in der durch die Corona-Krise verursachten Unsicherheit in Bezug auf den weiteren Verlauf der Infektionszahlen, auf die Dauer der Krise und auf die noch notwendigen Maßnahmen auf nationaler und internationaler Ebene. Dies habe sowohl auf die Investitionsentscheidungen, auf die Gestaltung der Lieferkette, auf die zu erwartende Nachfrage und auf die Planung von Personal und Produktion erhebliche Auswirkungen.

Unverständnis zeigt der HDS/L vor diesem Hintergrund für das Lieferkettengesetz, das die Bundesregierung zeitnah verabschieden will. „Die deutsche Modeindustrie fordert, dass es keine zusätzlichen Belastungen für die Industrie geben darf, um die erhoffte und von allen angestrebte schnelle Erholung der Wirtschaft zu erreichen“, heißt es in einem Schreiben des HDS/L-Präsidenten Carl-August Seibel, das zur Pressekonferenz veröffentlicht wurde. Auch die deutsche Schuhindustrie sei uneingeschränkt für die Einhaltung der Menschenrechte, so Seibel. „Die Frage ist aber, ob es der deutsche Mittelständler in seinen Händen hat, dieses Ziel auf der ganzen Welt durchzusetzen, und zwar nicht nur bei seinen direkten Vertrabspartnern, sondern auch bei deren mitunter zahllosen Zulieferern. Was die Regierungen nicht schaffen, wie die jüngsten Beispiele Weißrussland, Hongkong, Iran oder Saudi-Arabien zeigen, sollen die Unternehmer sicherstellen. Und bei Verstößen haften.“ Hinzu komme, dass es sich um einen nationalen Alleingang handle. „Wenn es eine gesetzliche Regelung geben soll, muss diese zumindest auf europäischer Ebene gelten“, so Seibel.

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Petra Steinke / 31.08.2020 - 11:51 Uhr

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