Analyse des Statistischen Bundesamtes

Warenhäuser verlieren in 20 Jahren fast die Hälfte des Umsatzes

In den vergangenen 20 Jahren haben die Warenhäuser in Deutschland fast die Hälfte ihres Umsatzes verloren. Gewinner ist laut einer Analyse des Statistischen Bundesamtes der Onlinehandel.

Vor 20 Jahren eröffnete der heute weltgrößte Onlinehändler Amazon sein erstes Warenlager in Deutschland, und etwa um dieselbe Zeit begann der Online-Marktplatz Ebay Deutschland seine Dienstleistungen einem größeren Publikum anzubieten. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, ging der Boom des Onlinehandels von 1999 bis 2019 mit dem Niedergang der Kaufhäuser einher: Diese büßten in diesem Zeitraum 42,1% ihres realen Umsatzes ein. Der stationäre Einzelhandel erhöhte seine realen Umsätze im Betrachtungszeittraum um 11,2%, blieb mit diesem Zuwachs aber deutlich unter dem der Onlinekonkurrenz.

Bekleidung, Sportartikel und Schuhe waren 2019 beliebteste Waren bei den Onlineshoppern

Eine Ursache für die rückläufigen Umsätze der großen Warenhausketten dürfte laut Destatis deren Sortiment sein, das letztlich nicht mit der Vielfalt und den Preisen der Angebote im Internet mithalten könne. So machten die Kaufhäuser einen Großteil des Geschäfts mit Mode und Kosmetik, hinzu kämen Haushalts- und Spielwaren. Doch schon seit vielen Jahren würden immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher eben diese Produkte über das Internet beziehen, teilt Destatis mit.

  • 68 % der Onlinekäuferinnen und -käufer ab 10 Jahre kauften im Jahr 2019 Bekleidung, Sportartikel und Schuhe über das Internet. Das waren 19 Prozentpunkte mehr als noch 2006. Diese Warengruppe war 2019 das beliebteste Onlineprodukt.
  • In Deutschland bestellte 2019 fast jede dritte Onlinekäuferin beziehungsweise jeder dritte Onlinekäufer (29 %) Produkte der Kategorie Lebensmittel, Kosmetika und Drogerieprodukte im Web, 2006 war es erst jede oder jeder elfte (9 %).
  • Insgesamt ist die Zahl der Internet­nutzerinnen- und -nutzer ab 10 Jahren, die online einkaufen, im Betrachtungszeitraum von gut 35 Mio. auf rund 55 Mio. Personen gestiegen.

Abwärtstrend des stationären Bekleidungshandels durch Corona-Krise verstärkt

Am Beispiel der Modebranche werde der Niedergang des stationären Handels und der Boom des Onlinehandels nochmals deutlich, so die Experten von Destatis. Zwischen 1999 und 2019 stiegen die realen Umsätze im Onlinehandel mit Bekleidung um 90,6%, während die stationären Modehändler nur einen geringfügigen realen Umsatzzuwachs (+0,3 %) zu verbuchen hatten. In der Corona-Krise gehörte der stationäre Bekleidungshandel – anders als beispielsweise der Lebensmittel-Einzelhandel oder die Baumärkte – nicht zu den Gewinnerbranchen. Im August 2020 setzte der stationäre Einzelhandel mit Bekleidung real 11,4% weniger um als im Vorjahresmonat. Dagegen konnte der Onlinehandel mit Bekleidung seine realen Umsätze um 23,0% zum August 2019 steigern.

Login für Abonnenten
Sie möchten alle Inhalte lesen?
  • Website-Login
  • E-Paper-Zugang
  • Alle Newsletter
Helge Neumann / 05.10.2020 - 15:13 Uhr

Weitere Nachrichten