„Schutz der Marke muss schwerer wiegen als partnerschaftliche Aspekte“

Was sagt ein Rechtsexperte zur Birkenstock-Entscheidung?

Rechtsanwalt Dr. Jost Croll (Foto: Michael Jäger)
Rechtsanwalt Dr. Jost Croll (Foto: Michael Jäger)

Der Düsseldorfer Fachanwalt für gewerblichen Rechtschutz Dr. Jost Croll ist unter anderem Spezialist für Markenschutz und Patentrechte. schuhkurier sprach mit ihm über die Entscheidung Birkenstocks, die Zusammenarbeit mit den Verbundgruppen ANWR, SABU und GMS zu beenden. 

Herr Dr. Croll, wie bewerten Sie die Entscheidung von Birkenstock, nicht mehr mit ANWR, SABU und GMS zusammenzuarbeiten?

Dr. Jost Croll: Sofern es Birkenstock um die Durchsetzung berechtigter Marken- oder Designrechte geht, ist die Entscheidung als Markenartikelanbieter sicher richtig. Kritisch zu hinterfragen wäre das Verhalten von Birkenstock, wenn aufgrund einer herausragenden Marktstellung der Vertrieb von zulässigen Produkten im Wettbewerb unterbunden werden soll, die keine Schutzrechte von Birkenstock verletzen. Dies wissen aber letztendlich nur die beteiligten Parteien. In jedem Fall handelt es sich um eine mutige Entscheidung, die sich nur ein marktstarkes Unternehmen wie Birkenstock leisten kann.

 

Ist nicht der Schutz von Marke und Design Sache des Herstellers – und nicht der Verbundgruppen?

Primär muss sich natürlich der Hersteller um die Durchsetzung seiner Rechte kümmern. Es vereinfacht die Situation für den Hersteller wie Birkenstock aber enorm, wenn eine Einkaufsvereinigung auf Hausmessen Plagiate unterbindet. Allerdings treffen hier unterschiedliche Interessen aufeinander. Birkenstocks Interesse muss darin liegen, das eigene Produkt zu schützen. Einkaufsverbände müssen die Interessen ihrer Mitglieder berücksichtigen, die auch darin liegen können, die Preislage des Originals und der Kopie abzudecken oder auch nur die Kopie zu beziehen, wenn man mit dem Original nicht beliefert wird. Dann ist es für einen Einkaufsverband natürlich am einfachsten, sich nicht zu positionieren und alles zu regulieren und auf Hausmessen zuzulassen. Man muss dann aber auch die Konsequenz tragen, wenn dies ein marktstarker Anbieter wie Birkenstock nicht akzeptiert. Schwieriger ist die Situation für kleinere Hersteller, die hinnehmen müssen, dass auf ANWR Veranstaltungen möglicherweise Plagiate angeboten werden und der Einkaufsverband sich einen schlanken Fuß macht und darauf verweist, dass man dies „unter sich klären soll“.

 

Wiegt der Schutz der Marke schwerer als die partnerschaftliche Kooperation mit Verbundgruppen und Handel?

Bei einem begehrten Produkt muss der Schutz der Marke oder des Designs für den Hersteller schwerer wiegen als partnerschaftliche Aspekte. Birkenstock kann es sich gar nicht erlauben, Nachahmungen aus Gründen partnerschaftlicher Kooperation zu tolerieren. Letztendlich schützt Birkenstock ja auch die wirtschaftlichen Interessen der eigenen Kunden/Händler, indem Kopien unterbunden werden. Darüber hinaus braucht Birkenstock die ANWR vermutlich weniger als die ANWR Birkenstock.  

 

Halten Sie Kopien/Plagiate für ein Problem besonders der Schuhbranche?

Aus meiner beruflichen Erfahrung liegt die Nachahmungsintensität in der Schuhbranche weit über anderen Branchen wie Möbel oder Bekleidung. Letztendlich ergibt sich die aber aus der Natur der Sache, da eben sehr schnelllebige Trendprodukte verkauft werden. Die Hemmschwelle und das Unrechtsbewusstsein der Beteiligten sind gering, die Kopisten im Ausland oft schwer zu greifen und viele kleinere Anbieter, die sehr kreativ sind, scheuen die Kosten eines Designschutz bzw. einer konsequenten gerichtlichen Verfolgung von Nachahmungen. Gerade das Beispiel Birkenstock zeigt aber, dass eine konsequente Schutzstrategie bei einem begehrten Produkt wirtschaftlich enorm erfolgreich sein kann. Erfolgreiche Produkte oder Labels – aber auch wertiger Einzelhandel – können nach meiner Erfahrung nur durch konsequenten Schutz der Leistungsergebnisse am Markt bestehen.

 

Für den schnellen Überblick: Alle Meldungen zur Birkenstock-Entscheidung lesen Sie auf der schuhkurier-Themenseite in chronologischer Reihenfolge. 

Login für Abonnenten
Sie möchten alle Inhalte lesen?
  • Website-Login
  • E-Paper-Zugang
  • Alle Newsletter
Petra Steinke / 02.10.2020 - 08:23 Uhr

Weitere Nachrichten