Wirtschaftexperten zu Corona

Wie der Re-Start in Deutschland aussehen könnte

Führende Ökonomen haben Pläne für den Ausstieg aus dem Shut-Down entwickelt. Ein schnelles Hochfahren der Wirtschaft ist demnach nicht zu erwarten. Aber es gibt einen Vorschlag für den Einzelhandel.

Zu den Experten, die sich zum Thema Re-Start nach dem Corona-bedingten Shut-Down äußern, gehören Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts und Christoph M. Schmidt, Präsident des RWI-Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung. Im Magazin „Der Spiegel“ erläutern sie, wie das Ende der Zwangspause für die Wirtschaft aussehen könnte. Laut Clemens Fuest ist es ein Fehler anzunehmen, „wir könnten jetzt das Wirtschaftsleben einfach so wie der öffnen, während das Coronavirus grassiert, und dieser Epidemie ihren Lauf lassen.“ Zugleich brauche das Land eine funktionierende Wirtschaft – auch, damit das Gesundheitssystem funktionieren könne.

Daher machen sich die Wirtschaftsexperten für eine Öffnung stark, die aber unter strengen Bedingungen und vor allem langsam ablaufen müsse. Für eine laut Schmidt „wachsame“ Normalisierung brauche es mehr Testkapazitäten für Corona-Infektionen, die Einführung immunologischer Tests und die Entwicklung eines Impfstoffs. Die Infektionsrate müsse beherrschbar bleiben. Denn bei einer explosionsartig steigenden Zahl von Neuansteckungen sei der Ausstieg aus dem Shutdown nicht durchzuhalten.

Zwischen 150 und 260 Mrd. Euro Kosten verursacht laut Ifo-Institut ein Monat Stillstand von Industrie, Handel und Dienstleistungen.

Ifo-Präsident Fuest hat sich gemeinsam mit Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen mit Bedingungen und Szenarien des Ausstiegs beschäftigt. Ihre Erkenntnisse sind in einem Papier mit dem Titel „Die Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie tragfähig gestalten“ zusammengefasst. Als Voraussetzungen für einen Ausstieg werden darin ausreichend Schutzkleidung für Ärzte und Pfleger, erweiterte Testkapazitäten und das Tragen von Masken für weite Teile der Bevölkerung genannt. Die Studie will bei einer Öffnung nach dem Shut-Down schrittweise vorgehen:
 

1. Sektoren mit niedriger Ansteckungsgefahr (z.B. hochautomatisierte Fabriken, aber auch Einrichtungen mit „weniger vulnerablen Personen“ wie Schulen und Kindertagesstätten sowie Betriebe mit hoher Wertschöpfung, z.B. aus dem verarbeitenden Gewerbe. Auch Einzelhändler sollen wieder öffnen dürfen, wenn sie sicherstellenkönnen, dass Mitarbeiter und Kunden ausreichend Abstand zueinander halten.
 

2. Sektoren mit höherer Ansteckungsgefahr: Schüler und Lehrer, die zu Risikogruppen zählen, sollen demnach vorerst zuhause bleiben. Auch Unternehmen, deren Mitarbeiter gut in Home Offices arbeiten, haben geringere Priorität beim Exit. Viele Restaurants können ggf. angesichts der weiter geltenden Abstandsregeln nicht profitabel arbeiten. Und Sektoren mit hoher Ansteckungsgefahr, wie Veranstaltungen mit vielen Zuschauern, Bars, Diskotheken und Klubs sollten vorerst geschlossen bleiben.

Wann genau der Re-Start beginnen könnte, ist noch nicht entschieden. Die Bundesregierung will gemeinsam mit den Ländern am 8. April dazu beraten. 

Den Artikel des „Spiegel" lesen Sie hier

   
Petra Steinke / 08.04.2020 - 08:56 Uhr

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