Schuhmesse in Mailand

Wie läuft die Micam?

Die Micam im September 2020 (Foto: Micam)
Die Micam im September 2020 (Foto: Micam)

Eine internationale Schuhmesse in Corona-Zeiten: Am 23. September endet die Micam in Mailand. schuhkurier sprach mit Ausstellern über ihre Eindrücke.

Es war abzusehen: Die Micam im September 2020 würde anders verlaufen als alle Ausgaben zuvor. Der italienische Schuhherstellerverband als Veranstalter der internationalen Schuhmesse hatte bereits im Vorfeld erklärt, es wäre einfacher gewesen, die Messe zu verschieben. „Wir haben uns aber entschieden, Ihnen allen, Ausstellern und Einkäufern, zuzuhören, bevor eine hastige Entscheidung getroffen wird“, heißt es in einem offenen Brief von Micam-CEO Tommaso Cancellara.
Nur Zusammenhalt und Synergien ermöglichten es, gemeinsam stark zu sein. Man habe sich daher allen Mut zusammengenommen und die Messe für den 20. bis 23. September bestätigt – wohl wissend, dass es keine mit Vor-Corona-Zeiten vergleichbare Messe werden würde. Man habe aber das Signal von Ausstellern und Einkäufern vernommen, dass es wichtig sei, voranzuschreiten und möglichst keine Saison zu verlieren. 

Inzwischen läuft der letzte Messetag. Unter dem Eindruck von Corona machen Aussteller und Besucher das Beste aus der Situation.

Ralf Grossmann, der die Dockers by Gerli-Kollektion an einem kleinen Stand auf der Micam präsentiert, war auf einen außergewöhnlichen Messeverlauf vorbereitet und zeigt sich angesichts der Umstände zufrieden. Sowohl italienische Händler als auch Einkäufer aus Russland, der Ukraine, Estland und Belgien seien vor Ort gewesen, um die neue Kollektion zu sichten, erklärt der Unternehmer auf schuhkurier-Nachfrage.

Giovanni Lacatena ist für die Wortmann-Gruppe auf der Mailänder Messe. „Die Micam ist nicht annähernd so, wie wir sie kennen. Das habe ich auch so erwartet“, erklärt der Branchenkenner. „Diverse Aussteller fehlen und zahlreiche – vor allem internationale – Händler und Einkäufer haben die Teilnahme noch kurzfristig abgesagt.“ Bedauerlich sei zudem, dass fast alle Verbundgruppen aus allen Ländern Europas der Micam ferngeblieben seien.
Was den Auftritt der Wortmann-Gruppe in Mailand angeht, zeigt sich Lacatena zufrieden. „Jeder Branchenteilnehmer muss für sich entscheiden, was er für richtig hält. Wir haben uns entschieden, auf der Micam Flagge zu zeigen. Und das war für unsere Gruppe auch richtig“, so der CSO des Detmolder Unternehmens. „Auch an unseren Ständen ist weniger Betrieb. Wir haben jedoch kontinuierlich Kunden begrüßen dürfen“, darunter Händler aus Belgien, Spanien und Osteuropa sowie einige aus Deutschland. Die meisten Kunden seien erwartungsgemäß aus Italien gekommen.

Karim Choukair (Melvin & Hamilton) zieht eine ernüchternde Bilanz: „Eine solche Messe hat es bislang noch nie gegeben: Menschenleere Gänge und kaum Besucher.“ Es sei ein „Bild des Schreckens“ für eine normalerweise recht international besuchte und gut frequentierte Messe, so der Unternehmer aus Heidelberg. Bedauerlich sei, dass nach kurzfristigen Absagen die Hallengestaltung nicht angepasst worden sei. „Hier hätten wir uns ein Krisenmanagement gewünscht und einen Plan B für eine kurzfristige Umgestaltung der Hallen“, erklärt Choukair. Zudem mangele es an Kommunikation und unterstützenden Maßnahmen besonders für Aussteller, die nicht aus Italien kommen. Sich allein auf ein adäquates Hygiene-Konzept zu berufen, sei kein Alleinstellungsmerkmal mehr, so Choukair. „Das ist inzwischen zum Standard geworden.“ 

Für Stefan Frank von Peter Kaiser ist die Micam „enttäuschend, aber mit Ansage.“ Es seien sehr wenige Besucher da; zudem hätten etliche Aussteller ihre Stände noch kurzfristig storniert. „Die größte Besuchergruppe waren Kunden aus Italien“, so Frank auf schuhkurier-Nachfrage. 

Zum Start der Orderrunde befragte schuhkurier Industrie-Vertreter zu den von ihnen präferierten Messen. Mit ersten Stimmen erklärten die Unternehmen, welche Veranstaltung aus ihrer Sicht sinnvoll sind. 

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Petra Steinke / 23.09.2020 - 09:09 Uhr

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