ANWR-Garant Swiss

Wie Schweizer Händler den Shutdown erlebten

Die Coronavirus-Krise stellte auch den stationären Non-Food-Handel in der Schweiz vor große Herausforderungen. Die ANWR-Garant Swiss AG, die in den Bereichen Sport-, Schuh- und Fahrradfachhandel tätig ist, unterstützte ihre Händler. Jetzt bereiten sich die Unternehmen schrittweise wieder auf den Alltag vor.

Die Verbundgruppe unterstützte ihre Mitgliedsunternehmen nach eigenen Angaben auf vielfältige weise. Händler konnten Musterschreiben zur Mietminderung, Factsheets zur Mehrwertsteuer oder auch Informationen zu Kurzarbeit und rechtlichen Themen auf dem digitalen Händlerportal einsehen und herunterladen. Im Interview erzählen zwei Fachhändler der Verbundgruppe, wie sie die Zeit während des Shutdowns erlebten und was dies für die nahe Zukunft des Handels bedeutet.

Der Schuhfachhändler Thomas Tiefenbacher ist Inhaber und Geschäftsführer des Schuhunternehmens Tiefenbacher AG. Die Zusammenarbeit mit den langjährigen Partnern aus der Industrie funktionierte seiner Einschätzung nach sehr gut: „Unsere Lieferanten gewährten großzügig zusätzliche Valuten, teilweise sogar Stornomöglichkeiten.“ Einige wenige beharrten jedoch zu 100% auf dem erteilten Auftrag, was in Anbetracht der jetzigen Liquiditätssituation im Handel für den Schuhhändler nicht ganz nachvollziehbar war. Thomas Tiefenbacher nutzte verschiedene Dienstleistungen der ANWR-Garant Swiss AG.
Sein Unternehmen war wie viele aus der Branche ebenfalls von Kurzarbeit betroffen. Die Mitarbeiter konnten ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen. Falls etwas Dringendes im Shop anstand, wurden die Filialleiter und die Auszubildenden dafür eingesetzt. Nicht nur die Mitarbeitenden der Filialen, sondern auch die Verwaltung war von Kurzarbeit betroffen. Thomas Tiefenbacher versuchte jedoch gleich zu Beginn der Krise so schnell wie möglich und der Situation entsprechend zu reagieren. Bereits in den ersten Tagen wurde eine Online-Verkaufsplattform errichtet und auch per Mail oder Telefon wurden Bestellungen gerne entgegengenommen. „Damit konnten wir Umsatz im Volumen einer kleinen Filiale generieren. Das war aber leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, meint Tiefenbacher.

Zurzeit sind die Mitarbeiter damit beschäftigt, die Läden für die Wiedereröffnung vorzubereiten. Die Shops werden mit allen notwendigen Schutzmaterialen, Desinfektionsmitteln, Plakaten und Konzepten ausgestattet und zudem werden die Verantwortlichen vor Ort instruiert. „Wir fiebern dem Re-Start entgegen. Unsere Mitarbeitenden freuen sich riesig, ihre Kundinnen und Kunden endlich wieder bedienen uns beraten zu dürfen, so Tiefenbacher.

Hansruedi Buri ist Geschäftsführer und Inhaber zweier Sportgeschäfte in Wädenswil. „Die Vermieter des einen Fachgeschäfts waren sehr tolerant und haben uns zwei Monatsmieten erlassen. Beim zweiten Standort wurde die Frist für die Mietzahlung verschoben“, erklärt Buri. Eine Herausforderung während des Shutdowns war zudem die Zusammenarbeit mit den Lieferanten. Oftmals wurde die bestellte Frühlingsware durch die Lieferanten ohne Absprache mit dem lokalen Händler storniert, auch wenn Buri-Sport AG die Ware gerne gehabt hätte. Falls die Fachhändler dennoch auf die Lieferung der Ware bestanden, verlangten die Lieferanten aufgrund der Situation teilweise eine Vorauszahlung.
Während dieser außerordentlichen Lage war Buri-Sport AG telefonisch trotzdem für seine Kunden erreichbar. Buri hatte das Geschäftstelefon auf sein privates Mobiltelefon umgeleitet und konnte somit fast immer erreicht werden.
Der Sporthändler hatte bereits vor der Krise einen Online-Shop und während des Shutdown wurde dieser mit weiteren Artikeln wie Wanderschuhe oder Schuhe der Marke On ergänzt. Während des gesamten Lockdowns übernahm Buri-Sport AG die Lieferkosten für die bestellte Ware: „Unsere Kunden haben sehr positiv reagiert, dass diverse Produkte trotzdem erhältlich waren. Pro Tag gab es während des Lockdowns ungefähr zwei bis drei Bestellungen.“ Generell sei die Solidarität aus der Bevölkerung zur lokalen Händlerunterstützung sehr groß gewesen, das Sportgeschäft habe sogar einige Neukunden gewonnen.

Die Wiedereröffnung steht nun kurz bevor und Hansruedi Buri und sein Team blicken sehr positiv in die Zukunft. Er sieht gute Chancen für seine zwei Geschäfte, da die Nachfrage bei den Endkonsumenten spürbar ist. Insbesondere Kinder-Wanderschuhe sowie ON-Schuhe seien zurzeit sehr gefragt. Der Geschäftsführer erhofft sich einen fairen Wettbewerb unter den Händlern: „Ich hoffe, dass die Mitkonkurrenten die Preise bei der Wiedereröffnung stabil halten und nicht alles verschleudern.“

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Petra Steinke / 11.05.2020 - 10:46 Uhr

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