Schuhhandel in der Schweiz

100 Jahre Spiess

Dieter Spiess, Ehrenpräsident schuhschweiz. (Foto: Fotolabor Spiess AG Liestal)
Dieter Spiess, Ehrenpräsident schuhschweiz. (Foto: Fotolabor Spiess AG Liestal)

1921 wurde im schweizerischen Gelterkinden unweit der deutschen Grenze ein Schuhhaus mit Werkstatt gegründet. Zum Jubiläum hat es die Weichen für die Zukunft gestellt.

Dieter Spiess ist entspannt. Seit Anfang März hat der Schuhhandel in der Schweiz geöffnet; die Umsätze seitdem sind gut. Besonders Outdoor- und Trekkingschuhe stünden bei den Kunden derzeit hoch im Kurs, berichtet der Schuhhändler: „Die Schweizer haben das Wandern für sich entdeckt.“ Trotzdem bleibe die Situation pandemie-bedingt schwierig. Große Jubiläumsfeiern plane er auch aus diesem Grund nicht, erklärt Spiess im Gespräch mit schuhkurier. 100 Jahre Unternehmensgeschichte, das könne zudem „verstaubt“ wirken. Und überhaupt richte er den Blick lieber in die Zukunft als in die Vergangenheit. Gleichwohl ist ein 100-jähriges Firmenjubiläum eine große Sache. Und Spiess ist stolz darauf, dass er das, was Großvater und Vater aufgebaut hatten, während der zurückliegenden 45 Jahre weiterentwickeln konnte.

Die Wurzeln der Spiess Schuhe Freizeit Lifestyle AG liegen, wie so oft in der Branche, im Schuhhandwerk. 1921 gründete Schuhmachermeister Jakob Spiess, Großvater des heutigen Inhabers, eine Werkstatt mit Geschäft in Gelterkinden unweit der Grenze zu Deutschland und verkaufte dort zunächst Militär- und Arbeitsschuhe. Während des 2. Weltkriegs arbeitete Sohn Paul bereits mit in dem kleinen Unternehmen. Enkel Dieter schlug nach der Schule zunächst einen anderen Weg ein und absolvierte eine Ausbildung als Laborant. Die folgenden drei Jahre Militärdienst am Stück hätten ihn verändert, sagt er. Er habe selbstständig sein und eigene Entscheidungen treffen wollen. 1976 stieg er in das Familienunternehmen ein und übernahm Verantwortung. Parallel engagierte er sich politisch und machte sich über viele Jahre im Schuhhandelsverband schuhschweiz für die Belange der Branche stark.  

Das Geschäft zog innerhalb Gelterkindens um, wurde weiterentwickelt und modernisiert. Eine Expansion sei allerdings nie in Frage gekommen, so Spiess. Damen-, Herren- und Trekkingschuhe sowie bis 2019 auch Kinderschuhe bilden das Sortiment, ergänzt um Taschen, mit denen man aktuell sehr erfolgreich sei. Die Entscheidung, Kinderschuhe aus dem Angebot zu streichen, sei nicht leicht, aber richtig gewesen, so Spiess. Kinderschuhe brauchten viel Platz, die Eltern seien sehr preissensibel. „Wenn sich die Nachfrage der Kunden verändert, muss sich auch ein Schuhgeschäft verändern“, ist Spiess überzeugt. Kundennähe, Emotion, Erlebnis, Sympathie und Vertrauen, das seien die wesentlichen Kriterien, die das Schuhhaus Spiess erfolgreich durch die Jahrzehnte kommen ließen. Daran habe sich bis heute nichts geändert – im Gegenteil: Gerade unter dem Eindruck der Pandemie suchten viele Menschen wieder das Besondere, Wertige, Echte. Nicht ohne Grund boomten Märkte und kleine Geschäfte derzeit. 

Dieter Spiess, Jahrgang 1948, tritt inzwischen im Unternehmen etwas kürzer, ist zwar noch verantwortlich, aber weniger operativ tätig. Mit Bauchgefühl und Balance habe er das Geschäft geführt, sagt er. Und die Zukunft der Spiess AG sei geregelt. Nach Abklingen der Pandemie werde eine langjährige Mitarbeitern die Geschicke des Schuhhauses lenken.

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Helge Neumann / 21.05.2021 - 08:51 Uhr

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