„Wir haben Freudentänze aufgeführt“

2G-Urteil: Das sagt der Schuhhandel

Wie reagiert der Schuhhandel in Niedersachsen auf das Aus für die 2G-Regel im Einzelhandel? (Foto: Unsplash)
Wie reagiert der Schuhhandel in Niedersachsen auf das Aus für die 2G-Regel im Einzelhandel? (Foto: Unsplash)

Der Einzelhandel in Niedersachsen atmet auf. Das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg hat die 2G-Regel im Einzelhandel gekippt. Wie reagieren Schuhhändler auf die Entscheidung? schuhkurier fragte nach. 

Carsten Obermeier ist erleichtert. Der Geschäftsführer von Schuh Neumann in Hannover hat „Freudentänze aufgeführt, als wir von dem Urteil erfahren haben.“ Die Richter in Lüneburg hätten im Sinne des Handels entschieden. „Mit ihrem Urteil haben sie die Ungleichbehandlung des Schuhhandels gegenüber anderen Einzelhandelssparten aufgehoben, die wir seit Beginn der Corona-Krise wie so viele in der Branche nie nachvollziehen konnten“, so Obermeier. „Wir können nun auf die Kontrollen am Eingang verzichten, das ist eine wichtige Entlastung für die Mitarbeitenden. Und ich erwarte auch, dass die Frequenz in der Innenstadt aufgrund des Urteils einen Schub bekommen wird.“

Mit Blick auf die Anzahl der Passanten in der Oldenburger Innenstadt zeigt sich Mark Schütte von Schuh Schütte dagegen zurückhaltender. „Ich gehe nicht davon aus, dass in den kommenden Tagen deutlich mehr Menschen in der Stadt unterwegs sein werden“, so der Händler, der direkt nachdem er von der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts erfahren hatte, die Hinweis-Schilder im Geschäft entfernt hatte. „Das Urteil freut mich für die Mitarbeiterinnen, für die die Kontrollen eine erhebliche zusätzliche Belastung waren. Die Maßnahmen der Politik müssen sinnvoll und verhältnismäßig sein – und das waren sie in Niedersachsen nach Ansicht des Gerichts nicht“, so Schütte.

Cornelius Uphoff von Schuh Bockstiegel in Leer begrüßt die Entscheidung der Richter in Lüneburg. Der Kontrollaufwand für die Mitarbeitenden sei enorm gewesen und habe die Kunden genervt, auch wenn die meisten die Maßnahme mitgetragen hätten. „Ich habe allerdings die Befürchtung, dass das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. In Teilen der Bevölkerung herrscht eine Panikstimmung. Viele Kunden werden daher auch weiterhin nicht Shoppen gehen.“ Darüber hinaus sei er verärgert über das Vorgehen der Landesregierung, die zum Teil fehlerhafte Verordnungen mit sehr kurzem Vorlaufzeiten erlassen würde. „Das ist handwerklich einfach schlecht“, so Uphoff.

Auch Philipp Niemann vom Schuhhaus Niemann in Bückeburg-Cammer an der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen bewertet das Vorgehen des Landes Niedersachsen kritisch. „Ich kann die Entscheidung des OVG nachvollziehen. Es gibt eine klare Datenlage zum äußerst niedrigen Infektionsrisiko im Einzelhandel und somit auch keine Grundlage für die 2G-Regelung im Handel. Dass diese Maßnahme dennoch so beschlossen wurde, passt zu einer ganzen Reihe von Fehlentscheidungen der Landesregierung in der Pandemie. Die Bürokratie in Hannover lernt offenbar nicht dazu. Das ist nicht nachvollziehbar und absolut ernüchternd. Die niedrige Impfquote in Deutschland ist enttäuschend, aber das gilt ebenso für das Agieren der politisch Verantwortlichen“, so der Schuhhändler, der nun mit einer verschärften FFP2-Maskenpflicht rechnet. „Wenn jetzt eine FFP2-Maskenpflicht eingeführt wird, könnte das für das Geschäft schädlicher sein als 2G, da es einfach sehr unangenehm ist, unter einer solchen Maske shoppen zu gehen.“

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Helge Neumann / 17.12.2021 - 14:03 Uhr

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