Interview mit Sonja Balodis

„An erster Stelle steht immer die Qualität“

Sonja Balodis verantwortet unter anderem die Kollektionen des Modeunternehmens Marc Cain. (Foto: Joris Haas/Marc Cain)
Sonja Balodis verantwortet unter anderem die Kollektionen des Modeunternehmens Marc Cain. (Foto: Joris Haas/Marc Cain)

Sonja Balodis, Geschäftsführerin Design, technische Entwicklung, Fertigung, Beschaffung & Marketing bei Marc Cain, spricht über ihre Erfahrungen in der Corona-Pandemie und die Frage, wie nachhaltig Mode tatsächlich sein kann.

Wie erleben Sie derzeit die „Stimmung“ im Markt?

Wir haben es bei Marc Cain als „lässig aber nicht nachlässig“ in Bezug auf die Kollektionen beschrieben. Die Lust an Mode und an neuen Styles ist definitiv da und die Anlässe sind auch nach und nach zurückgekehrt. Die allgemeine Stimmung ist in diesem Jahr, mit Fortschritt der Impfquote und damit einhergehenden Lockerungen, ebenfalls eindeutig besser als in 2020.

Welche Entwicklung erwarten Sie für F/S 2022 und die dann folgende Saison? Wird es Nachholeffekte geben?

Ja, gewisse Nachholeffekte wird es immer noch geben, viele Events und Reisen werden in 2022 endlich wieder stattfinden können.

Glauben Sie in modischer Hinsicht an die Roaring Twenties?

Nach einer längeren Phase, in der Jogginghosen und Sweater hoch im Kurs standen, wird es sicher auch den Wunsch nach einer Rückkehr zu edleren bzw. feminineren Styles geben.

Wie haben Sie Corona erlebt, speziell auch mit Blick auf Lieferengpässe?

Corona hat als ein Brandbeschleuniger auf sehr viele Bereiche gewirkt, auch auf die Modeindustrie. Viele Firmen hatten Schwierigkeiten mit Lieferengpässen durch die weltweite Pandemie. Unser Vorteil ist, dass wir einen eigenen Strickmaschinenpark direkt im Headquarter in Bodelshausen haben und durch diese Produktion am Standort schnell auf aktuelle Trends und Nachfragen reagieren konnten.

Wird Corona die Nachfrage verändern, indem Menschen beispielsweise bewusster Mode kaufen, vielleicht weniger Teile, dafür aber wertigere?

Das wäre auf jeden Fall wünschenswert.

Wie nachhaltig kann Mode sein?

Unternehmen sind heutzutage mehr als jemals zuvor gefordert, sich zu wichtigen gesellschaftlichen Themen klar zu positionieren, eine eindeutige Haltung zu zeigen und sich zu ihren Werten zu bekennen. Bei Marc Cain verfügen wir mit unserer Produktion und Ausrüstung vor Ort über ein traditionsreiches Engagement im Bereich Nachhaltigkeit am Standort Deutschland. Hier werden unter anderem die „100% Made in Germany“ Artikel gefertigt. Außerdem sorgen wir an unserem Headquarter in Bodelshausen für Wärmerückgewinnung und betreiben eine Photovoltaikanlage sowie eine Regenwasserzisterne. Alles Maßnahmen, die bereits seit vielen Jahren oder seit der Gründung umgesetzt werden und die Basis für ein weitreichendes Verständnis von Nachhaltigkeit in allen Unternehmensbereichen bilden. 
Mit der Entwicklung unseres Nachhaltigkeits-Labels „Rethink Together“ im Jahr 2020 haben wir das Thema Nachhaltigkeit auch in unser Markenversprechen eingebaut. Von Saison zu Saison wird die Produktgruppe mit „Rethink Together“-Label stetig erweitert. An erster Stelle steht dabei immer die Qualität, denn als maßgebliche Aufgabe betrachten wir es, unseren hohen Qualitäts- und Designanspruch auch bei der Verwendung nachhaltigerer Materialien zu halten. Dabei ist ein enger Austausch mit den Lieferanten der Schlüssel zum Erfolg. Auf partnerschaftliche Geschäftsbeziehungen mit den Lieferanten legen wir großen Wert, genauso wie auf ein klares Verständnis über die Herkunft und Herstellungsweise der Kleidung.

Modetrends sind das eine – Materialien das andere. Wie wichtig ist für Marc Cain das Experimentieren mit unterschiedlichen, auch neuen Materialien?

Wir experimentieren gerne mit neuen Materialien und schätzen vor allem die Mischung aus natürlich nachwachsenden Materialien und High-Tech Garnen, die gemeinsam, gerade im Bereich Strick, für ein exzellentes Tragegefühl und eine herausragende Optik sorgen.

Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang das Thema Nachhaltigkeit?

Unser Ziel ist es, die hohen Ansprüche an unsere Design-Produkte mit weiteren essenziellen Aspekten der Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen. Dies beinhaltet auch das kontinuierliche Streben nach innovativen und umweltfreundlichen Rohmaterialien. Besonders am Herzen liegt uns hier: das klare Verständnis darüber, wo unsere Materialien herkommen und wie sie gewonnen werden. Ein ganzheitliches Verantwortungsbewusstsein, ohne dabei Abstriche in punkto Hochwertigkeit und Design zu machen – das ist die Basis unseres Handelns.

Wie stark sind die Einflüsse von TV-Serien, Social Media-Kanälen und anderen Formaten auf die Mode?

TV-Serien oder Social Media-Kanäle können definitiv einen Einfluss auf modische Trends haben – das hat mit „Frühstück bei Tiffany“ 1961 angefangen, ging über die 2000er-Looks aus „Sex and the City“ weiter und findet sich heute bei vielen verschiedenen Social Media-Kanälen wieder, zum Beispiel bei der deutschen Top-Influencerin Leonie Hanne.

Häufig entsteht der Eindruck, man könne alles tragen. Brauchen wir eigentlich noch Trends?

Mode ist ein Kulturphänomen, das immer auch ein Stück weit die Gesellschaft und aktuelle Stimmungen und Strömungen widerspiegelt. Die Frage, ob wir Trends brauchen, stellt sich daher eigentlich nicht, da diese sich daraus entwickeln. 

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Christopher Mastalerz / 19.11.2021 - 11:20 Uhr

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