„Deutlich mehr Zugriffe“

ANWR: schuhe.de soll mehr „PS“ bekommen

Michael Decker, Geschäftsführer der ANWR Media (Foto: ANWR)
Michael Decker, Geschäftsführer der ANWR Media (Foto: ANWR)

Michael Decker, Geschäftsführer der ANWR Media, und die beiden Produktmanager für schuhe.de sprachen mit schuhkurier über Retourenquoten, Page Impressions und Szenarien für die Zukunft. 

Was es konkret bedeutet, wenn die Pandemie die Digitalisierung vorantreibt, spürte das Team der ANWR Media unmittelbar im Frühjahr letzten Jahres. „Das war eine sehr intensive Zeit“, blickt Eike Höfer zurück, der gemeinsam mit Arlett Ruhtz das Produktmanagement für schuhe.de verantwortet. Das Duo – bereits seit mehreren Jahren in Mainhausen tätig – übernahm diese Aufgabe im April 2020. Für beide war es ein Karrieresprung in einer herausfordernden Zeit. Michael Decker, Geschäftsführer der ANWR Media, erklärte damals die feste Absicht, „die eigenen E-Commerce-Aktivitäten gegenüber dem Plattformgeschäft deutlich zu stärken.“
Dabei vereint die ANWR Media beide Sparten unter ihrem Dach, die eigene Plattform schuhe.de und das Steuerungstool Qualibet, welches externe Plattformen wie Zalando, Amazon, Ebay und weitere anbindet.
Mit Ruhtz und Höfer als neue Produktverantwortliche sollte die Schlagkraft von schuhe.de erhöht werden. Während sich Höfer vorrangig um Controlling, Monitoring, Daten- und Prozessmanagement kümmert, zeichnet Ruhtz für Marketing, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit bei schuhe.de verantwortlich.

Schub durch Digitalisierung
 

Dass die Pandemie eine einschneidende Erfahrung für den stationären Schuhhandel sein würde – und dass daraus nicht nur Aufgaben, sondern auch Chancen für schuhe.de erwachsen würden, war allen Beteiligten Anfang 2020 schnell klar. Zunächst sei es darum gegangen, Händler dabei zu unterstützen, ihr Schuhsortiment auf schuhe.de und parallel auf der eigenen Homepage sichtbar zu machen. Auf Wunsch auch mit Verkaufs- oder Click & Collect-Funktion, schildert Ruhtz rückblickend. Umsatzeinbrüche im stationären Handel sollten schließlich schnell durch Online-Aktivitäten kompensiert werden. Den Verantwortlichen der ANWR Media ging es aber noch um etwas anderes: „Der stationäre Handel sollte auch nach Corona seine Rolle für lebendige Innenstädte wahrnehmen können“, so Ruhtz. Daher wurden dem Handel auch Werbemittel für soziale Medien und die eigene Homepage sowie Fensteraufkleber für das Geschäft zur Verfügung gestellt.
Parallel investierte die ANWR Media in Performance-Kampagnen, etwa Google Shopping oder Werbung auf Social Media-Kanälen, um die Zahl der Bestellungen auf schuhe.de zu erhöhen.
Im November 2020 führte die ANWR zudem den Kauf auf Rechnung ein, was sich laut Eike Höfer als „Umsatztreiber“ erwies und wiederum neue Käufer auf die Plattform lockte. Allerdings habe man die Beträge gedeckelt, um einen Anstieg der Retourenquote zu verhindern. Sie  liegt aktuell bei 39% und wird „genau beobachtet“, so Höfer: „Umsatz vor Rentabilität ist nicht unser Ziel.“

Als Glücksfall erwies sich, dass die Plattform Ende 2019 neu gelauncht und im Hinblick auf Design, Layout und SEO-Struktur überarbeitet worden war. Dabei war der Relaunch unter der Maßgabe „mobile first“ erfolgt – aus gutem Grund: 70% der Zugriffe auf schuhe.de erfolgen aktuell vom Smartphone aus. Auch die gerade im Lockdown genutzte Click & Collect-Funktion zahlte sich laut den Verantwortlichen für schuhe.de aus. Während vor der Pandemie etwa 7 bis 10% der Käufe mit Click & Collect generiert wurden, waren es in Phasen der verordneten Ladenschließungen bis zu 25%.

„Die Digitalisierung hat das Ruder nicht vollständig herumgerissen, aber sie hat dazu geführt, dass eine gewisse Liquidität da war und bestimmte Produktgruppen gut abfließen konnten. Einige Händler haben auch deutliche Umsatzsteigerungen erreicht, vor allem im Kinderschuh-, aber auch im Sport- und Outdoorbereich“, resümiert Eike Höfer. Untermauern lässt sich das auch durch die Zugriffszahlen: „Wir haben zwischen März und Juni 2020 deutlich mehr Zugriffe gezählt“, so Arlett Ruhtz. Auch im zweiten Lockdown ab Herbst habe es einen erneuten, wenngleich etwas geringeren Anstieg gegeben. Während schuhe.de 2019 im Jahresdurchschnitt 3,5 Mio. Page Impressions pro Monat gezählt hatte, waren es 2020 4 Mio. Und  in diesem Jahr erreichte schuhe.de kumuliert bis Mai 5 Mio. Page Impressions im Monat. „Wir wachsen weiterhin sehr gut, und das nicht allein aufgrund des Lockdowns“, ist Arlett Ruhtz überzeugt. Weitere Angaben, etwa im Hinblick auf der Zahl der Besucher und der Bestellungen, zum Durchschnittspreis und zur Conversion Rate, macht die ANWR Media gegenüber schuhkurier nicht.

Kampagnen mit „bemerkenswerten Erfolgen“


Mehr Zugriffe, mehr Onlinekäufe – mehr Umsatz. Für 2021 geht die ANWR Media von einem Bruttoumsatz (schuhe.de + Qualibet) in Höhe von 160 Mio. Euro aus. Im Zeitraum Januar bis April seien die Umsätze allein von schuhe.de um 140% im Vergleich zum Vorjahr gestiegen; die Umsätze von Qualibet (ohne schuhe.de) stiegen im gleichen Zeitraum um 40%. Welche Anteiligkeiten schuhe.de und Qualibet am Gesamtumsatz haben, dazu äußert sich die ANWR Media nicht.
Bei geschätzten 2,3 Mrd. Euro Außenumsatz (2019) der ANWR-Mitglieder insgesamt ist den Verantwortlichen von schuhe.de klar, dass hier das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist. „Deshalb, und weil wir glauben, dass Menschen auch nach der Pandemie weiter online Schuhe kaufen werden, müssen wir schneller wachsen und mehr Marktanteile gewinnen“, stellt Michael Decker klar. Auch aus diesem Grund habe man zu Beginn des Jahres eine Gebührenanpassung vorgenommen. Diese hatte bei vielen Händlern für Unmut gesorgt. Aus Sicht von Michael Decker gibt es jedoch triftige Gründe für die Gebührenerhöhung. „Wir verzeichnen mit schuhe.de zu etwa 60% organisches Wachstum, indem der Kunde von allein auf die Seite kommt. Daneben wird aber auch Umsatz gekauft, etwa durch SEO (Suchmaschinen-Optimierung)- und SEA (Suchmaschinenwerbung)-Maßnahmen. Die Gebührenerhöhung fließt vor allem in diese Bereiche ein.“ Die Kampagnen und Investitionen haben laut den Verantwortlichen bei der ANWR Media zu bemerkenswerten Erfolgen geführt. Im Bereich SEO sei man, so Arlett Ruhtz, aktuell mit 79.000 Keywords unter den ersten zehn Platzierungen, davon 8.700 auf dem ersten Platz. Es habe gerade von 2020 auf 2021 einen „Riesenschub“ gegeben. Und während man in den zurückliegenden Jahren für die Leistungen rund um schuhe.de und Qualibet fast gar keine Gebühren eingefordert habe, sei es nun an der Zeit, den weiteren Wachstumskurs solide zu finanzieren. „Alle Transaktionsgebühren kommen unmittelbar der Entwicklung von schuhe.de zugute“, so Decker. Auch die ANWR will ihrerseits weiter in die eigene Plattform investieren. Allein in diesem Jahr sollen 2 Mio. Euro für Performance-Kampagnen ausgegeben werden – laut Michael Decker zehnmal so viel wie im vergangenen Jahr.

 

„Herr der Daten“


Ein weiterer Ausbau von schuhe.de birgt aus Sicht des Teams der ANWR Media viele Vorteile – auch für die teilnehmenden Händler. So sei man bei der eigenen Plattform Herr über die Kundendaten – anders als etwa bei Zalando oder Amazon. Zugleich zeige die ANWR-Plattform die meisten Schuhe, laut Arlett Ruhtz mehr als jeder andere Anbieter: „Das ist ein USP, es bedeutet Vielfalt! Diese PS jetzt auf die Straße zu bringen, das ist unsere Aufgabe. Der Marktanteil unserer Plattform soll wachsen und wir wollen unabhängiger von externen Plattformen werden – daran arbeiten wir jeden Tag.“
Auch der Idee einer branchenweiten Plattform als „Antwort“ auf Zalando & Co., wie sie derzeit diskutiert wird, steht man in Mainhausen offen gegenüber. „Das Thema hat zweifellos Charme, ist aber nicht einfach in der Umsetzung“, erläutert Decker. Aktuell bestünden bereits Kooperationen, etwa mit Tamaris. „Das kann ein erster Schritt sein. Wir würden das Vorhaben gern weiter diskutieren.“

   
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Petra Steinke / 01.07.2021 - 08:41 Uhr

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