„Mehr direkter Austausch mit den Kunden“

Bequemschuh-Branche zeigt sich zuversichtlich

Bequemschuh-Talk am 22. Juni
Bequemschuh-Talk am 22. Juni

Am 22. Juni diskutierten Branchenexperten beim „talk@Bequemschuh“ der Berkemann-Gruppe mit Prof. Andreas Kaapke über die aktuelle Lage und die Perspektiven des Bequemschuh-Marktes.

„Jeden Tag eine neue Welt“ habe man im Frühjahr 2020 erlebt, als die Corona-Pandemie auch Deutschland erreicht hatte und das öffentliche Leben weitgehend heruntergefahren wurde, blickte Thomas Bauerfeind, Chef der Berkemann-Gruppe aus Zeulenroda, zurück. In täglichen Meetings habe man sich im Unternehmen mit der Situation beschäftigt – „das war nichts für Menschen, die gern auf Bewährtem beharren“, so Bauerfeind. Die folgenden Monate seien für die Branche eine sehr schwierige Zeit gewesen, weil sie als „nicht systemrelevant“ gegolten habe.
Der Schuhhandel habe anfangs zu wenig Stimme in Berlin gehabt, schilderte Holger Knapp, Geschäftsführer der Sternefeld Medien GmbH aus Düsseldorf. Die Hilfen für das „Sonderopfer des Schuhhandels“ seien erst spät gekommen und die Politik habe zumindest zu Beginn der Pandemie nicht zwischen den Handelssparten differenziert. Während der Lebensmittelhandel erheblich profitiert habe, habe der Schuh- und Modehandel zunächst wenig Beachtung gefunden.
Zwar haben Geschäfte mit orthopädisch ausgerichtetem Sortiment auch während der Lockdowns öffnen können – aus Sicht von Thomas Bauerfeind seien hier aber vorwiegend Bedarfskäufe erledigt worden, „kein Shopping und kein umfangreiches Geschäft“. Inzwischen hat sich die Lage vielerorts wieder entspannt: Die am Branchentalk teilnehmenden Unternehmerinnen und Unternehmer hatten im Rahmen der Veranstaltung Gelegenheit, einige Fragen zur aktuellen Lage zu beantworten. Mit 46% gab dabei fast die Hälfte der Teilnehmer an, die schwierige Pandemiezeit „mit einem blauen Auge“ überstanden zu haben.

Aktuell sei, so Holger Knapp, eine Normalisierung im Markt spürbar: „Die Frequenzen steigen, spätestens seit Wegfall der Testpflicht.“ Trotzdem sei man noch nicht auf der sicheren Seite. Dem pflichtete Thomas Bauerfeind bei: „Aufbruchstimmung nehmen wir noch nicht wahr, aber immerhin eine positive Haltung.“

In Richtung Digitalisierung hat die Krise der Branche enormen Schub gegeben – darin waren sich die Teilnehmer des Talks einig. „Alle haben sofort versucht, einen Onlineshop einzurichten oder online zu verkaufen“, so Bauerfeind. Manchmal seien es aber auch nicht-digitale Lösungen, die überzeugt hätten, etwa die Präsentation des kompletten Sortiments im Schaufenster mit Nummerierung und Größenangabe – „das war für mich eine der schnellsten und einfachsten Methoden“, so der Unternehmer. Auch im Bereich Social Media sei in der Pandemie viel passiert, schilderte Holger Knapp. „Es führt an der Digitalisierung kein Weg vorbei. Jeder muss sich dabei überlegen, was er tun will.“ Das könne auch ein wöchentlicher Newsletter sein. Wichtig sei es, die „digitalen Hausaufgaben“ zu machen; dazu gehört unter anderem auch eine aktualisierte Homepage.

Für die Zukunft wünscht sich Thomas Bauerfeind „wieder mehr direkten Austausch mit den Kunden“. Zwar befürchte er durch Virus-Mutationen wieder neue Probleme, „trotzdem ist die Interaktion wichtig, auch bei einem möglichen erneuten Lockdown“. Die gezielte Terminvereinbarung habe sich gerade im Bequemschuh-Handel als sehr erfolgreich erwiesen. Die Kombination aus digitalen Lösungen und individuellem Service im Geschäft sei für einen Händler mit Schwerpunkt auf Orthopädie und Fußgesundheit elementar – „das kann kein Onlinehändler.“ Aus Sicht von Holger Knapp kann der Schuhhandel auch von anderen Formaten lernen, etwa vom Buchhandel, der im Lockdown schnell auf individuelle Lieferdienste umschaltete. Es sei wichtig, immer den Kontakt zu den Kunden zu halten. Das Komfortschuh-Segment habe schon allein aufgrund der demographischen Entwicklung „beste Aussichten“. Aufgabe eines jeden Händlers sei es, zum „Lieblingshändler“ seiner Kunden zu werden.

Die Herausforderungen und Perspektiven des Komfortschuh-Marktes werden auch beim nächsten physischen Bequemschuh-Symposium Thema sein. Vom 8. bis zum 10. Mai 2022 sind Interessierte nach Zeulenroda eingeladen. Es wird die zehnte Veranstaltung des Branchenforums sein.

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Petra Steinke / 24.06.2021 - 07:40 Uhr

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