„Keine große Schließungswelle“

BLE hofft auf kommende Monate

Axel Augustin anlässlich einer früheren ILM-Pressekonferenz (Foto: Redaktion)
Axel Augustin anlässlich einer früheren ILM-Pressekonferenz (Foto: Redaktion)

Die Umsätze im Lederwarenhandel ziehen an. BLE-Geschäftsführer Axel Augustin hofft noch auf ein Pari zum Jahresende.

Seit Anfang Juni habe das Geschäft mit Ende des Lockdowns zwar merklich angezogen, berichtete BLE-Geschäftsführer Axel Augustin auf der Pressekonferenz im Vorfeld der ILM in Offenbach. Die Umsätze hätten zum Teil sogar wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht und übertroffen.

Doch die verlorenen Umsätze des ersten Halbjahres seien noch lange nicht aufgeholt. Nach Schätzungen des BLE dürfte die Mehrzahl der Lederwarenspezialisten beim Umsatz aufgelaufen per Ende August etwa 20 bis 30 Prozent unter dem Vorjahr liegen. Dabei basiert das Umsatzminus bereits auf einem katastrophalen Umsatzrückgang von rund 20 Prozent aus 2020. Augustin glaubt gleichwohl, dass der Lederwarenhandel bis Ende des Jahres vielleicht noch das Niveau von 2020 schaffen kann.

Extrem schwierig sei nach wie vor das Geschäft mit Reisegepäck. 2020 habe es in diesem Segment Einbrüche von bis zu 80 Prozent und mehr gegeben. Die Umsätze der Vorjahre dürften erst dann wieder zu erreichen sein, wenn die Zahl der Flugreisen wieder auf Vor-Corona-Niveau steigt. Lichtblicke habe es dagegen bei Freizeitartikeln und Schulranzen gegeben.

Der Online-Handel habe vom Lockdown profitiert. Für 2020 schätzt der BLE den Zuwachs im Online-Handel mit Lederwaren auf rund 25 Prozent, in diesem Jahr könnten das Plus aufgrund des längeren Lockdowns aktuell sogar bei mehr als 30 Prozent liegen. Im letzten Jahr dürfte damit der Marktanteil des Online-Handels auf rund 30 Prozent gestiegen sein. 

Dennoch dürften nach BLE-Schätzungen bislang nur wenig Lederwarengeschäfte als Folge der Corona-Pandemie aufgeben haben. Augustin: „Ich sehe keine große Schließungswelle.“ Seit Jahren verliere die Branche 40 bis 50 Händler pro Jahr. Dieser Abschmelzungsprozess werde jetzt ein bisschen beschleunigt. Für die Händler stelle sich auch die Frage der Alternative. „Sie können ja nicht Gehirnchirurgen werden.“ Auch eine Vermietung der eigenen Immobilie können je nach Lage schwierig sein.

Nach BLE-Berechnungen wurden im Jahr 2019 Taschen, Koffer, Schulranzen und Kleinlederwaren im Wert von rund 2,7 Milliarden Euro an die Kunden abgegeben. Diese Zahl umfasst alle Vertriebswege – vom Fachgeschäft über den Online-Handel bis zu den Lebensmitteldiscountern. In 2020 dürfte das Marktvolumen nach BLE- Schätzungen um mindestens eine halbe Milliarde Euro gesunken sein.
 

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Tobias Kurtz / 05.09.2021 - 15:03 Uhr

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