Gallery Fashion & Shoes

BTE optimistisch für das zweite Halbjahr

In einer gemeinsamen Pressekonferenz im Rahmen der Gallery Fashion & Shoes hat der Handelsverband Textil auf das vergangene Corona-Jahr geschaut und eine vorsichtige Zukunftsprognose für das zweite Halbjahr 2021 gewagt.

Unter der Leitung von Ulrike Kähler (Igedo Company) fand zum Auftakt der aktuellen Ausgabe der Gallery Fashion & Shoes die gemeinsame Pressekonferenz der Deutschen Bekleidungsbranche statt. Den Auftakt machte Thomas Lange vom German Fashion Modeverband, der aus Sicht der Industrie von den vergangenen Corona-Monaten berichtete. Durch die Pandemie-Einschränkungen habe die Branche ein Umsatzminus von rund 20% erlitten, so Lange. „Das Jahr 2020 kann finanziell nicht wett gemacht werden, doch gut aufgestellte Unternehmen haben das Tal durchschritten, so dass wir mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft sehen“, resümierte Thomas Lange. 

Auch der Handelsverband Textil (BTE) schaut vorsichtig optimistisch auf die kommenden Monate. Man habe jedoch im vergangenen Jahr flächendeckend Umsatzeinbußen von annähernd 25% verbuchen müssen, so Dr. Siegfried Jacobs, stellvertretender Hauptgeschäftsführer BTE. Insgesamt ging der Verkauf von Bekleidung und Schuhen in den Fachgeschäften und Warenhäusern im vergangenen Corona-Jahr um rund 12 Mrd. Euro auf nunmehr 42. Mrd. Euro zurück (zu Endverbraucherpreisen). Auch im ersten Halbjahr 2021 haben laut Jacobs rund drei Viertel der Bekleidungsgeschäfte unter dramatischen Umsatzeinbrüchen gelitten. Für die ersten vier Monate lagen die Umsätze im stationären Handel erneut rund 50% unter dem Niveau des Vorjahres. „Das Eigenkapital der Unternehmen ist stark angegriffen worden“, erklärte Siegfried Jacobs. Einzig der Onlinehandel habe in der Zeit ein starkes Wachstum verbuchen können, so der BTE. Dabei war besonders in den Lockdown-Monaten ein starker Shift zum E-Commerce zu verzeichnen. Bei Bekleidung erreichte der Onlinehandel etwa 40%, bei Schuhen 35% Marktanteil. Mit den Lockerungen und den damit verbundenen Öffnungen habe sich jedoch gezeigt, dass die Kunden zurück in den stationären Handel drängen. Die Zeit von Mai bis Juli habe nicht nur den erhofften Nachholeffekt mit sich gebracht, sondern auch gezeigt, dass die Kunden das Erlebnis Einkauf vor Ort zu schätzen wüssten. Jedoch fehle es weiterhin an Frequenz, was auch dem Wegbleiben der Touristen sowie der Messebesucher in den Großstädten geschuldet sei. Insgesamt erwartet der BTE dennoch einen positiven Geschäftsverlauf für das zweite Halbjahr. Dies zeige unter anderem eine noch nicht abgeschlossene BTE-Befragung der Unternehmen.

BTE: Innenstädte in Gefahr

Mahnende Wort fand der BTE in seiner Pressekonferenz für die Wirtschaftshilfen von Bund und Ländern, die dringend notwendig und willkommen seien, jedoch häufig nur einen Teil des entstandenen Schadens abdecken würden. Nach Kenntnissen des BTE werde bislang im Durchschnitt nur etwa zwei Drittel des Verlustes entschädigt. Man fordere deshalb nach wie vor dringend eine Nachbesserung der bisherigen staatlichen Hilfsprogramme. 

Sorge bereitet dem BTE die Zukunft der Innenstädte. Der Lockdown habe die Situation mancherorts dramatisch gespitzt. Ohne weitere Wirtschaftshilfen drohe ein größeres Ladensterben, das insbesondere die Innenstädte stark beschädigen wird. Der BTE fordere deshalb Förderungsprogramme, die dem Innenstadthandel wieder auf die Beine Hilfe. Besonders der Spagat zwischen Kredittilgung und Investitionen in die Zukunft seien oftmals nicht alleine stemmbar, so Jacobs. Die Finanzmittel in den Kommunen müssten für mehr eingesetzt werden, als den Ausbau des ÖPNV und der Radwege. 

Dem schloss sich auch John Cloppenburg (Fashion Council Germany) an. Man müsse Wege finden, wie die Kunden wieder in die Innenstädte kämen, denn: „Shoppen per Radschnellweg ist nicht möglich.“ Auch die Digitalisierung und nachhaltige Konzepte gehören zu den Themen der kommenden Saisons. Man habe mit dem Lieferkettengesetz eine extrem komplexe Entwicklung, die die Industrie und den Handel vor neue Herausforderungen stelle. Nachhaltigkeit sei eine „Riesen-Challenge“, bekräftigte Gerd Müller-Thomkins vom DMI. Mit Corona habe man sowohl einen Brandbeschleuniger als auch einen Geburtshelfer in einem. Die Branche müsse in Zukunft noch stärker auf Digitalisierung und vernetzte Kommunikation setzen. Branchenevents wie die Gallery Fashion & Shoes seien die geeigneten Plattformen für einen gemeinsamen Austausch.  
Roland Schweins, Geschäftsführer Styleranking warf einen Blick auf die Marketingarbeit der Unternehmen. „Viele haben den Onlinezug verbummelt“, so Schweins. Doch besonders bei mittelständischen Unternehmen läge ein unausgeschöpftes Potential, insbesondere beim Influencer-Marketing. „Viele Mittelständler können dort ein gutes Ergebnis erzielen – wenn sie ihre Zielgruppe kennen. Denn Influencer-Marketing ist Daten-Arbeit.“

Ein Plädoyer für mehr Nachhaltigkeit setzte Konstantin Krayer (Influencer auf Instagram/Tiktok), der bei Styleranking unter Vertrag ist. Man müsse sich die Frage stellen, ob die hohe Taktung der Kollektionen dringend notwendig seien, so Krayer.


Veränderte Kundenwünsche

Einen Blick auf die modische Entwicklung durch Corona war Carl Tillessen (Mitglied des DMI Trendboard/Autor). Seit der Nachkriegszeit habe es keine so einschneidende Veränderungen in der Mode gegeben, wie durch Corona. „Immer wenn sich unser Lebensalltag ändert, ändert sich unsere Mode“, erklärte Tillessen. Jedoch sei bislang unklar, in welche Richtung es gehen werde. 

Die aktuelle Ausgabe der Gallery Fashion & Shoes läuft vom 24. - 26. Juli, parallel dazu findet vom 22. Juli bis 26. Juli das Showroom Concept statt. Flankiert werden die Veranstaltungen durch die Düsseldorf Fashion Days (DFD), die auch die Endverbraucher mit ins Boot holen wollen. 
 

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Laura Klesper / 22.07.2021 - 17:18 Uhr

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