Interview

„Dass alles zukünftig rein digital ist, ist schwer vorstellbar“

Mirko Ostendörfer (Foto: Buffalo)
Mirko Ostendörfer (Foto: Buffalo)

Vor kurzem launchte Buffalo London seinen ersten rein digitalen Sneaker. schuhkurier sprach mit Mirko Ostendörfer, Managing Director bei Buffalo über Digitalisierung von Design und die Frage, ob Mode zukünftig nur noch im Internet getragen wird.

Wo und zu welchem Anlass soll der digitale Schuh getragen werden? 
Unser digitaler Sneaker ist eine 3D-Neuinterpretation des berühmten Classics mit Plateausohle, der ausschließlich in der digitalen Welt getragen werden kann und entwickelt wurde, um unseren jungen, technisch versierten Kunden eine neue Form von Markenerlebnis zu bieten. Die Buffalo London-Kunden/innen, die wir mit unserem digitalen Schuh erreichen wollen, sind überwiegend digitale Pioniere aus der Kreativszene, die bereits die virtuelle Welt in ihren Alltag integrieren oder sich mit 3D-Entwicklung auskennen; sie nutzen bzw. tragen den „Classic BurningFor“ auf ihren Social-Media-Kanälen als Ausdruck ihres kreativen Modestils ohne sich von physischen Grenzen einschränken zu lassen.
 
Worin bestehen die Herausforderungen, einen digitalen Schuh zu designen und zu vertreiben? Welche technischen Voraussetzungen muss der Käufer erfüllen?
Das Spannende an dem Design eines 3D-Sneakers war vor allem die Zusammenarbeit mit einem 100% digital agierenden Unternehmen. Bei diesem Projekt waren bei der Produktion keine physischen Grenzen gegeben, was der Kreativität und der Designentwicklung völlig neue Möglichkeiten eröffnete. Wir haben unseren digitalen Sneaker extra so konzipiert, dass es keinerlei technischer Voraussetzung beim Käufer bedarf. Die Kunden können einfach über unsere Seite, in Partnerschaft mit Dress-X (einem digitalen Mode-Retailer) den Schuh erwerben, dabei laden sie beim Kauf ein Foto von sich selbst hoch, und dieses Bild erhalten sie dann, gestylt mit ihren 3D-Sneakers, zurück.
 
Wie lange „besitzen“ die Käufer das digitale Produkt?
Der Besitz des Schuhs ist zeitlich unbegrenzt.

Wer ist die Zielgruppe für den digitalen Sneaker?
Es sind sowohl unsere Buffalo London-Kunden/innen, die wir mit dem 3D-Sneaker erreichen wollen, aber vor allem auch digitale Pioniere und Kreative, die bereits in der virtuellen Welt zu Hause sind und sich durch digitale Mode ohne die Limitierung physischer Grenzen ausdrücken möchten.
 
Wird die Modebranche in Zukunft ausschließlich digital arbeiten? Welche Sortimente sind für digitales Design besonders interessant?
Mode wird sicherlich weiterhin eine haptisch geprägte Branche bleiben, jedoch ist es durchaus denkbar, dass innovative Ansätze aus AR/VR und Gaming vermehrt unsere Branche beeinflussen werden. Allein im Designprozess können wir durch die digitale Design- und Produktentwicklung Prozesse beschleunigen und vereinfachen.
 
Wenn alles nur noch digital ist, was tragen dann die Menschen?
Dass alles zukünftig rein digital ist, ist schwer vorstellbar – es ist vielmehr wahrscheinlich, dass die Einflüsse aus der virtuellen Welt unseren Design-Anspruch verändern und uns hinsichtlich Kreativität völlig neue Möglichkeiten öffnen.
 
Ist digitales Design eine Abkehr von traditionellen Handwerksberufen?
Auch hier ist dieser Trend vielmehr als eine Art Erweiterung und Modernisierung des Handwerks zu sehen. Zukünftig könnten traditionelles Handwerk und 3D-Entwicklung vermehrt Hand in Hand gehen, da das traditionelle Wissen weiterhin die Basis für die 3D-Entwicklung eines physischen Schuhs darstellt. 
 
Ist digitales Design wirklich nachhaltiger? Immerhin sind Speicherorte und -medien auch kostspielig bzw. eines der größten Probleme der Digitalisierung ist die nachhaltige Sicherung von Dateien, da die Speichermedien regelmäßig veralten. 
3D-Produkte sind nur ein Ansatz von vielen hinsichtlich nachhaltigen Konsums, wir bei Buffalo versuchen uns in allen Bereichen kontinuierlich weiter zu entwickeln und uns um einen verantwortungsbewussten Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen, Umwelt- und Tierschutz zu bemühen. Einen weiteren Ansatz, den wir gerade verstärkt angehen, ist der Ausbau unserer veganen Kollektion, inzwischen sind über 80% unserer Sneaker bei Buffalo PETA-approved vegan. 
 
Sind die digitalen Vorlagen dazu geeignet, als physisches Produkt, beispielsweise per 3D-Druck, hergestellt zu werden? Ist es geplant, den Schuh auch als physisches Produkt zu einem späteren Zeitpunkt zu launchen?
Gerade bei der Entwicklung unseres jetzigen „Classic BurningFor“ war es uns wichtig einen Schuh zu schaffen, der physische Grenzen sprengt und niemals in Realität so umgesetzt werden könnte. Das ist das Tolle an diesem digitalen Produkt, wie sonst sollten unsere Kunden jemals ein Paar Classics tragen können, die aus lodernden Flammen bestehen, so etwas könnte es in der Realität niemals geben.

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Laura Klesper / 25.01.2021 - 16:21 Uhr

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