Hamm Market Solutions startet in die Orderrunde

„Der Handel braucht neue Schuhe“

Moritz Hamm (li.) und David Friedrich, Geschäftsführer der Hamm Market Solutions GmbH (Foto: HMS)
Moritz Hamm (li.) und David Friedrich, Geschäftsführer der Hamm Market Solutions GmbH (Foto: HMS)

Bei der Osnabrücker Hamm Market Solutions GmbH hat man sich auf die Saison F/S 2022 intensiv vorbereitet: mit neuen Kollektionen und personellen Veränderungen. Die Geschäftsführer Moritz Hamm und David Friedrich erklären, warum sie zuversichtlich auf die Orderrunde blicken.

Wir treffen Moritz Hamm und David Friedrich in Osnabrück. Das heißt, wir blicken via Teams in den Meetingraum von Hamm Market Solutions (HMS) in der niedersächsischen Stadt. Es ist Ende Mai. Das Unternehmen hat in den zurückliegenden Wochen einige Personalveränderungen kommuniziert. Zuletzt kam die Meldung, dass Claus Gese zum 1. Juli aus der Geschäftsführung ausscheiden und sich mit einer Vertriebsagentur selbstständig machen wolle. Die Verantwortung für das Unternehmen liegt damit künftig bei Moritz Hamm und David Friedrich als neuem Mitglied der Geschäftsführung. Gese hatte schon vor längerer Zeit den Wunsch geäußert, wieder mehr von seinem Lebensmittelpunkt Hamburg aus agieren und seinen Fokus auf den Vertrieb richten zu wollen. Er übernimmt daher künftig den Vertrieb für die Marke Camel Active im Norden Deutschlands und für Scotch & Soda in der Region Mitte/Nord. Zudem betreut Gese über die Ende 2017 gegründete HMS-Tochter Selected Footwear Concepts GmbH weiterhin den bundesweiten Vertrieb der Marke Mahony.

David Friedrich ist zwar Neuzugang in der Geschäftsführung, aber schon seit 2013 im Unternehmen und bringt als langjähriger International Sales Manager für die Marke Gant eine Menge Expertise mit. Er ist aus Sicht von Moritz Hamm eine „Idealbesetzung für die Gesamtverantwortung Vertrieb“ mit Blick auf alle Marken. Nun wolle man mit allen drei Brands die Expansion vorantreiben und hausintern eine stärkere Vereinheitlichung der Abläufe erreichen. In den zurückliegenden Monaten habe man den Stabwechsel vorbereitet und abgestimmt, ergänzt Friedrich. Zudem kam es in einigen Abteilungen zu Neubesetzungen. Der grundsätzlichen Struktur, bestehend aus Brand Manager/internationaler Vertriebsleiter, bleibe man aber treu, so Moritz Hamm. Hinzu kommt mit Carsten Schlüter ein neuer CFO (siehe Kasten). Der derzeitige Finanzverantwortliche verabschiedet sich in den Ruhestand.
In der Geschäftsleitung wird es im Zuge dessen eine Justierung bei der Aufgabenverteilung geben. Carsten Schlüter wird als CFO ab dem 1. Juli die Bereiche Finanzen, Administration und IT übernehmen. David Friedrich übernimmt als CSO die Verantwortung für den internationalen Vertrieb und die Vertriebssteuerung aller Marken. Vor allem die internationale Expansion hat er auf der Agenda. Diese sei bei Gant schon sehr weit fortgeschritten, soll aber auch bei Scotch & Soda und Camel Active forciert werden. Schlüter und Friedrich werden zudem gemeinsam für den Customer Service verantwortlich sein. Zusammen mit Moritz Hamm wird Schlüter darüber hinaus die Logistik und den Rechtsbereich verwalten. Hamm selbst will sich wie bereits in den zurückliegenden Jahren auf Produktentwicklung und Beschaffung konzentrieren und sich in die Selected Footwear Concepts stärker einbringen.
Schon seit längerem befassen sich die Osnabrücker mit der Optimierung ihrer Prozesse entlang der Supply Chain. „Wir haben klare Fortschritte machen können“, berichtet Moritz Hamm. So habe man die Entwicklungsprozesse der einzelnen Marken mit den Designteams stärker vereinheitlicht und auch im Logistikbereich einige Bereiche neu aufgestellt. Dann kam Corona und erschwerte weitere Optimierungen. Trotzdem will man den eingeschlagenen Weg weiter beschreiten. Nachgedacht werde, so Hamm, über einen neuen Logistikstandort in Osnabrück. Dies sei ein Projekt für die nächsten zwei Jahre.

Herausforderungen gab es für HMS – wie für alle Unternehmen der Branche – reichlich während der zurückliegenden Monate: „Die Warenflüsse veränderten sich, Container wurden knapp. Hinzu kam die Blockade des Suezkanals. Es gab einige problematische Situationen, die zu Verzögerungen führten und auf die wir reagieren mussten“, so Friedrich. „Aber wir haben das gut gemanagt und die Zeit auch genutzt, um uns strukturell so aufzustellen, dass wir mit Abklingen der Pandemie durchstarten können.“
Überhaupt fühlt man sich bei HMS gestärkt für die kommenden Monate. Nicht zuletzt auch, weil es viel Zuspruch aus dem Handel gab. „Die Pandemie hat gezeigt, dass unser Fokus auf Partnerschaft mit unseren Vertriebspartnern und Kunden richtig ist – und wichtiger denn je“, blickt Moritz Hamm zurück. „Es war richtig, nicht mit übergreifenden Standards zu arbeiten, sondern Kunde für Kunde dynamisch und lösungsorientiert zu arbeiten, sich nicht unbedingt an jedem Buchstaben des Vertrags festzuhalten, sondern flexibel zu reagieren.“ Man habe unter allen Umständen vermeiden wollen, dass der ohnehin durch die Pandemie sehr unter Druck geratene stationäre Handel noch weitere Schwierigkeiten zu bewältigen habe. „Unser Blick richtet sich langfristig in die Zukunft und nicht nur auf die nächsten drei Monate.“ Für Friedrich war auch wichtig, die Kollektionen trotz der Herausforderungen möglichst neu aufzustellen. „Wir wollten uns nicht auf Altbewährtes und Sicherheit fokussieren, sondern Innovationen zeigen.“ Die Pandemie sollte kein Vorwand sein, um sich kollektionsseitig nicht weiterzuentwickeln. Sowohl national als auch international habe man bei Bedarf Ware zurückgehalten, um die Kunden im Handel zu entlasten. Und im Einzelfall habe man flexible Lösungen im Zahlungsbereich gefunden. „Das ist auch für uns eine Gratwanderung. Es hat aber auch viel Zuspruch und Verständnis erzeugt. Und darauf lässt sich gemeinsam aufbauen“, so Friedrich. Gute Beziehungen zu den Kunden und auch zu den Partnern in Produktion und Logistik seien eine gute Basis, so Hamm, um in Zukunft gut voranzukommen.

 

Herausforderung Order F/S 2022


Die neue Orderrunde ist aus Sicht von David Friedrich eine Herausforderung, „jedoch sind wir aufgrund der vergangenen H/W 21-Order zuversichtlich für F/S 22.“ Einiges hänge von den Entwicklungen in der DACH-Region ab, da diese von der Pandemie besonders betroffen war, so Moritz Hamm. Insbesondere für den stationären Handel sei ein Teil der Verkaufsperiode in der aktuellen Saison bereits vorbei. Gleichzeitig könne man beobachten, dass bei den Verbrauchern ein gewisser Nachholbedarf spürbar sei, besonders dann, wenn im Handel die Testpflicht wegfalle. Damit sei F/S 21 „bestimmt keine Saison der großen Zugewinne, aber wenn jetzt eine vernünftige Bewegung kommt, eine gute Grundlage für die neue Orderrunde“, ist der Unternehmer überzeugt. Für Friedrich gibt es aktuell jedoch schon erste positive Indikatoren. Mit Gant und Scotch & Soda habe man eine Pre-Kollektion entwickelt und war vom Feedback positiv überrascht. „Der Fokus ist nach der Pandemie mehr auf Marken ausgerichtet. Der Handel braucht neue Schuhe. Wir zeigen in den Kollektionen neue Produktgruppen, frische Farben und lassen neue Innovationen einfließen.“ Daher glaube er an ein „gesundes Wachstum“, zumindest an ein Erreichen des Vorjahresniveaus. „Ob Handel, Industrie oder Endverbraucher – alle hätten gern einen klaren Schritt so nah wie möglich wieder an die Normalität heran“, so Moritz Hamm. Man wolle positiv in die Zukunft zu blicken. „Unternehmen, die die Krise meistern konnten, werden jetzt auch die Möglichkeit haben, sich auf die Zukunft auszurichten.“ Er hoffe, dass möglichst viele Unternehmen aus dem Schuhhandel über ausreichend Kraft und finanzielle Ressourcen verfügten, so der HMS-CEO. „Der Onlinehandel hat natürlich enormes Wachstum verzeichnet, aber auch viele stationäre Händler haben neue Perspektiven gesehen und den Mix aus offline und online stärker vorangetrieben.“ Oft seien Krisen auch Ideengeber. Es sei als positives Signal zu werten, dass sich die befürchteten Insolvenzen noch nicht bestätigt haben. „Ich hoffe, dass sich das in den nächsten Wochen so fortsetzt.“

Dass die Rückkehr zur Normalität mit Blick auf die Abläufe in der Schuhbranche noch nicht erfolgt ist, zeigt sich im Messegeschehen. Die gelaunchten Pre-Kollektionen wurden dem Handel überwiegend digital vorgestellt, berichtet Friedrich. „Wir kennen digitale Kollektionspräsentationen aus der letzten Herbst/Winter-Saison. Das hat erstaunlich gut geklappt. Wir haben unseren Kunden jeden Schuh so nah gebracht wie möglich. Für alle drei Marken wird die Saisoneröffnung digital für alle internationalen Märkte abgehalten.“ Trotzdem wünsche er sich, dass die Branche bald wieder zu den gewohnten physischen Messen zurückkehren kann. „Wir sind Schuh-Menschen, wir wissen, dass ein Schuh in die Hand genommen werden und man möglichst mit dem Vertreter von Angesicht zu Angesicht sprechen sollte. Denn es geht ja nicht nur um die Ware, sondern auch um die Zusammenarbeit, Marketingaktivitäten, Visual Merchandising und vieles mehr. Wir wünschen uns, dies bald wieder in vertrauter Weise zu tun. Wir können uns auch ein hybrides Modell vorstellen, wenn der Handel das wünscht.“ Seit Anfang Juni werden die Kollektionen von Gant, Scotch & Soda und Camel Active dem Handel in den internationalen Märkten präsentiert. Die Orderrunde geht dann bis in die zweite Septemberhälfte. Der Handel wolle neue Themen so früh wie möglich im Geschäft, so Friedrich. „November oder Dezember diesen Jahres oder auch Januar 2022 – in jedem Fall wünschen sich viele Kunden neue Styles zum frühen Zeitpunkt am PoS. Neuheiten sind uns bei der Kollektionsentwicklung wichtig“, erläutert Moritz Hamm. „Bei ca. 50% der Modelle handelt es sich um komplett neue Konstruktionen und neue Designs.“
Präsentiert werden sollen die Kollektionen in der neuen Orderrunde, wo möglich, physisch. Dafür peilt man die beiden Gallery-Veranstaltungen sowie die Order-Events der Verbundgruppen an. Zur Frankfurt Fashion Week hatte man sich mit Scotch & Soda angemeldet; nach der Absage soll diese Premiere im Januar 2022 stattfinden. Die Expo Riva Schuh ist traditionell die Plattform für Camel Active und soll ebenfalls im Januar wieder als Messe-Plattform dienen.

Das Thema Nachhaltigkeit nimmt bei der HMS einen immer höheren Stellenwert ein. Bereits seit einigen Saisons habe man dafür Konzepte entwickelt und Standards definiert. „Das ist aus unserer Sicht für die nächsten Jahre eine ganz wesentliche Überschrift“, erklärt Moritz Hamm. „Grundsätzlich folgen wir den globalen Nachhaltigkeitszielen unserer Marken. Hieraus entwickeln wir Strategien und Konzepte, die für unsere Schuhkollektionen umsetzbar sind. Das Produkt steht im Fokus und wir konzentrieren uns vor allem auf den Einsatz von umweltschonenden Materialien für die Schäfte, Innenfutter und Sohlen.“ Die enge Kooperation mit den Textilmarken und gegebenenfalls die gemeinsame Entwicklung im Bereich nachhaltiger Materialien, beispielsweise rund um das Thema Organic Cotton, recycelte und innovative Materialien sowie internationalen Organisationen wie der Leather Working Group und Better Cotton Initiative schaffe Synergien und ein fundiertes Wissen in diesem komplexen Bereich. „Wir möchten die Lieferkette insgesamt nachvollziehbar machen und in allen Bereichen mit nachhaltigeren Materialien arbeiten – in Zusammenarbeit mit den Textilmarken quasi von Kopf bis Fuß“, so Hamm.

 

Neuer CFO für HMS


Carsten Schlüter als CFO übernimmt die Bereiche Finanzen, Administration & IT.  Er wird zudem gemeinsam mit David Friedrich den Bereich Customer Service verantworten. Moritz Hamm leitet als CEO die Bereiche Development & Purchasing sowie die Aktivitäten im Eigenmarkenbereich und Mahony der Selected Footwear Concepts GmbH. Gemeinsam mit Carsten Schlüter verantwortet er die Aufgabengebiete Operations & Logistics ebenso wie den Bereich Legal Affairs. David Friedrich leitet als CSO den gesamtheitlichen Vertrieb der Lizenzmarken Gant Footwear, Camel Active Footwear sowie Scotch & Soda Footwear.

 
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Petra Steinke / 21.06.2021 - 08:58 Uhr

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