Christian Bode über 2G im Schuhhandel

„Es ist ein großes Experiment“

Christian Bode (Foto: ANWR)
Christian Bode (Foto: ANWR)

Was bedeutet 2G für den Schuhhandel? Wie geht es in den kommenden Wochen weiter? Fragen an Christian Bode, Geschäftsführer des Filialisten Schuh Bode aus Wentorf.

Herr Bode, würden Sie sagen, dass im September und Oktober die Situation in Ihren Standorten wieder einigermaßen „normal“ im Sinne von „vor Corona“ war?

Nach Ende des zweiten Lockdowns haben wir in jedem Monat einen spürbaren Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr erreicht, teilweise sind wir auch an die Umsätze aus 2019 herangekommen. Das hat mich sehr hoffnungsfroh gestimmt. Die Menschen sind freudig in die Geschäfte gekommen, obwohl vielfach befürchtet worden war, es 
werde nur noch online gekauft.

Wie erleben Sie die Situation seit Anfang November, als zunehmend über schärfere Regeln diskutiert wurde?

Die Nervosität nahm täglich zu. Trotzdem ist der November für uns besser gelaufen als der Vorjahresmonat. Der Lockdown Light im November 2020 hat uns hart getroffen, unsere Umsätze gingen um 30% zurück. Dieses Jahr hätten wir uns rund um den Black Friday etwas mehr erhofft, können aber noch zufrieden sein.

Es gilt 2G im Handel des nicht-täglichen Bedarfs. Was bedeutet das für Sie?

Wir haben Standorte in fünf Bundesländern. Für uns beginnt jetzt erst einmal die Sichtung der unterschiedlichen Verordnungen. Während wir in Berlin schon seit vergangenen Samstag den 2G-Nachweis jedes Kunden prüfen müssen, sieht es in Schleswig-Holstein 
nach einer Stichproben-Regelung aus. Damit müssen wir uns auseinandersetzen. Wir sehen uns als Gastgeber und müssen nun Kontrolleure sein. Ich habe den Eindruck, dass der Handel 
herhalten muss, um Druck auf Impf-
unwillige auszuüben. Und das, obwohl es in Geschäften des Mode- und Schuhhandels erwiesenermaßen kein erhöhtes Infektionsrisiko gibt.

Was erwarten Sie von den kommenden Wochen?

Es ist ein großes Experiment, und ich bin gespannt auf dessen Ergebnis. Wir können davon ausgehen, dass unsere Umsätze bei Einführung von 2G um mindestens 10 bis 15% sinken werden. Es gibt aber auch positive Stimmen zu diesem Thema: Eine große Mehrheit in Deutschland spricht sich für konsequente Maßnahmen aus. Vielleicht kommen mehr Kunden als wir jetzt erwarten, weil sie sich durch die 2G-Kontrollen sicher 
fühlen und sie gut finden.
Was mich auch noch umtreibt: Es wurde nun entschieden, 2G im Handel und weitere Einschränkungen einzuführen. Was ich nicht gehört habe, ist ein Hinweis darauf, wann diese Einschränkungen wieder enden werden: Hängt diese Entscheidung an der Inzidenz? An der Hospitalisierungsrate? Oder an der Impfpflicht, die möglicherweise im Februar 2022 eingeführt wird? Letzteres wäre für uns eine Katastrophe.

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Helge Neumann / 08.12.2021 - 09:17 Uhr

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