Otto-Trendstudie

Ethischer Konsum ist Mainstream

Die fünfte Otto-Trendstudie zeigt: Ethischer Konsum ist im Mainstream der Konsumenten angekommen. Nachhaltigkeit verliert auch in Corona-Zeiten nicht an Bedeutung. 

Für die Otto Trendstudie wurden die Ergebnisse einer Befragung von 1.149 Deutschen zwischen 14 und 74 Jahren aus dem Oktober 2020 mit Perspektiven aus der Trendforschung kombiniert. Alexander Birken, Vorstandsvorsitzender der Otto Group: „Die Frage, ob unsere Art zu leben und zu wirtschaften korrigiert werden muss, wird immer lauter gestellt. Dies zumindest bestätigen die Ergebnisse der vorliegenden fünften Trendstudie.“

70% der Befragten der aktuellen Trendstudie geben demnach an, dass ethische Kriterien zum festen Bestandteil ihrer Kaufentscheidung geworden sind. 82% sprechen sich für eine längere Produktnutzungsdauer und höhere Materialeffizienz aus. Und 63% sind inzwischen sogar bereit, die Mehrkosten für klimaneutrale Produkte zu tragen. Dies hat für Unternehmen inzwischen tatsächlich spürbare Konsequenzen, denn wer durch seine Wirtschaftstätigkeit Umwelt und Natur nachweislich schädigt, hat es im Wettbewerb zunehmend schwer. Wer die Werte seiner Kunden, an die diese selbst glauben und an denen sie festhalten, nicht teilt, dem wird das Vertrauen schnell entzogen. Und wer sich seiner Verantwortung für das Gemeinwohl entzieht, der wird mitunter sogar boykottiert. „Die Forderungen nach nachhaltigen Veränderungen in unserem Wirtschaftssystem an Politik und Unternehmen und die Bereitschaft, selbst Verantwortung zu übernehmen, haben die Mitte der Gesellschaft erreicht,“ erläutert der Leiter der Studie, Prof. Peter Wippermann vom Trendbüro. „Nachhaltigkeit wird zum Leuchtturm in einer unübersichtlichen Welt.“ 

Die wichtigsten Ergebnissen der Otto-Trendstudie 2020 

Ethischer Konsum wird zum Mainstream

Für 70% der Deutschen sind ethische Kriterien fester Bestandteil der Kaufentscheidung geworden. 20% der Befragten geben an, seit der Corona-Krise noch bewusster nach ethischen Kriterien einzukaufen. Corona hat bei vielen Menschen zu einem Umdenken geführt, Kaufentscheidungen werden besser durchdacht, auf Notwendigkeit überprüft, und sie scheinen eine andere Tragweite zu bekommen.

Die Wegwerfgesellschaft wird zum Auslaufmodell

82% der Befragten sind bereit, den Weg von der Wegwerfgesellschaft zur Kreislaufwirtschaft mitzugehen, und sie sprechen sich für eine längere Produktnutzungsdauer und höhere Materialeffizienz aus. Darüber hinaus würden 63% die Mehrkosten für klimaneutrale Produkte tragen. Auch hier zeigt sich ein Wandel in der Haltung der Konsumenten, die zunehmend bereit zu sein scheinen, auch für die Emissionen zu bezahlen, die sie verursachen.

Sharing und Second Hand liegen bei den Konsumenten im Trend

Aus der Studie geht hervor, dass 73% der Befragten es gut finden, gebrauchte Dinge wie getragene Mode oder alte Möbel zu kaufen bzw. zu verkaufen. 54% der Befragten planen sogar, in Zukunft mehr zu leihen. Waren 2013 noch 52% der Befragten bereit, öfter Sachen zu teilen, zu tauschen, zu leihen oder gebraucht zu kaufen, so sind es 2020 bereits 64%.

Die Konsumenten erkennen zunehmend die Grenzen ungezügelten Wachstums

70% der Befragten sehen ernsthafte Schwierigkeiten auf Mensch und Umwelt zukommen, wenn wir weiter ungezügelt konsumieren. 77% der Deutschen sind dafür, dass Industrieländer mehr Verantwortung im Kampf gegen den Klimawandel übernehmen und die ärmeren Länder mehr unterstützen sollten. 60% können sich inzwischen vorstellen, beim Einkauf die wahren Kosten für Umweltbelastung und Klimawandel zu bezahlen. Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass die Bedeutung des ethischen Konsums nicht nur in den Köpfen der Menschen angekommen ist, sondern zunehmend auch die Bereitschaft besteht, dafür tiefer in die Tasche zu greifen.

Die Politik soll den Rahmen für einen ethischeren Konsum setzen

Auch in der Frage, wer für mehr ethischen Konsum sorgen soll, gibt es eine Trendwende. 41% der Deutschen erachten die Politik als Impulsgeber in puncto ethischer Konsum, 23% die Wirtschaft und 22% jeden Einzelnen. In den Jahren 2011 und 2013 waren lediglich 27% der Befragten der Meinung, die Politik müsse hier mehr in die Pflicht genommen werden.

Auch interessant ist, dass das Thema Eigenverantwortung der Konsumenten weiter zunimmt: 70% aller Befragten sagen, dass ethische Kriterien inzwischen fester Bestandteil ihrer Kaufüberlegungen sind. 2013 waren es noch 63%. Vor allem die Babyboomer (bis Jahrgang 1964) treiben dabei den Kauf der ethischen Produkte voran. Waren es 2013 noch 65%, die häufiger ethische Produkte kauften, so kauften 2020 bereits 79% häufiger nach ethischen Kriterien ein. Auch interessant: 68% der Befragten würden einen Anbieter boykottieren, der ein unfaires Verhalten gegenüber seinen Mitarbeitern an den Tag legt und schlechte Arbeitsbedingungen schafft.

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Helge Neumann / 28.01.2021 - 09:25 Uhr

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