„Ship me, if you can“

Frachtraten bleiben hoch

Der internationale Warentransport ist unter Druck. (Foto: Unsplash/Dominik Luckmann)
Der internationale Warentransport ist unter Druck. (Foto: Unsplash/Dominik Luckmann)

Der Kreditversicherer Euler-Hermes rechnet nicht mit einer raschen Entspannung auf dem globalen Logistikmarkt. Die Schiffskapazitäten würden weiterhin knapp bleiben.

Im bisherigen Jahresverlauf hat sich der Welthandel schneller und stärker als erwartet erholt, insbesondere beim Wert der gehandelten Waren und Dienstleistungen. Für das Gesamtjahr 2021 dürfte sich dies fortsetzen und beim Volumen der gehandelten Waren und Dienstleistungen ein sattes Plus von 7,7% zu Buche stehen (2020: -8%), beim Wert sogar ein Zuwachs um +15,9 % (2020: -9,9%). Zu diesem Schluss kommt die aktuelle Studie „Ship me, if you can“ des Kreditversicherers Euler Hermes. „Der prophezeite Nachhol-Boom nach dem Lockdown hat längst eingesetzt, und Unternehmen versuchen händeringend, ihre Lagerbestände aufzufüllen“, sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Das ist aktuell allerdings kein Selbstläufer: Angesichts der anhaltenden Engpässe in der Versorgungskette, insbesondere bei den Schiffscontainern selbst, und den längsten Verspätungen seit einem Jahrzehnt steigen die Preise und damit Kosten des Welthandels im Galopp auf neue Rekordhöhen. Hamsterkäufe sind aktuell in im globalen Handel. Die USA haben im Rennen um die Waren dabei allerdings klar die Nase vorne – unter anderem aufgrund der früheren Wiedereröffnung.“

Schiffskapazitäten: Engpässe auch 2022

Der Einbruch bei Angebot und Nachfrage war der maßgebliche Treiber hinter dem Einbruch des Welthandels 2020. Für den diesjährigen Anstieg des Werts der gehandelten Waren und Dienstleistungen macht die Normalisierung der Angebots- und Nachfragebedingungen allerdings nur etwa 15 % aus – die Aufstockung der Lagerbestände hingegen etwa 50%. Auch die knappen Schiffskapazitäten mit den damit verbundenen hohen Preisen machen rund 35% des Anstiegs aus. „Schiffskapazitäten dürften kurzfristig auch weiterhin knapp bleiben“, sagt Van het Hof. „Gründe dafür sind neben dem regional sehr ungleichmäßigen Aufschwung die unzureichenden Investitionen der letzten Jahre in der Seeschifffahrt. Auch die Tatsache, dass es wenige Alternativen zur Seefracht gibt und neue Kapazitäten nur langsam in Betrieb genommen werden können, tragen nicht zu einer schnellen Entspannung bei. Der Bau eines neuen Schiffes dauert in der Regel anderthalb Jahre, so dass es auch 2022 noch zu Engpässen und in der Folge zu hohen Frachtraten kommen dürfte.“

„Lieferketten können brechen“

„Die meisten europäischen Länder, insbesondere Deutschland, haben aktuell Mühe, ihre ohnehin niedrigen Lagerbestände wieder aufzufüllen“, sagt Van het Hof. „Unterbrechungen von Lieferketten sind also auch 2021 an der Tagesordnung – obwohl viele Unternehmen bereits im vergangenen Jahr zahlreiche Maßnahmen eingeleitet haben, um ihre Lieferketten zu stabilisieren. Es ist definitiv an der Zeit, das Thema anzugehen, denn auch in den kommenden Jahren ist mit weiteren Schocks für die Versorgungsketten zu rechnen. Unternehmen haben es daher selbst in der Hand, zu den Gewinnern zu gehören.“ 2020 mussten 94% der im Zuge einer Euler Hermes Studie zu Lieferkettenunterbrechungen befragten Unternehmen in Deutschland, den USA, Großbritannien, Frankreich und Italien zeitweise Unterbrechung ihrer Lieferketten verkraften (Deutschland 95%), jedes fünfte Unternehmen davon verzeichnete sogar schwerwiegende Beeinträchtigungen (Deutschland 16%). Mehr als die Hälfte (52%) hatte damals bereits Maßnahmen ergriffen, um ihre Versorgungskette für die Zukunft robuster aufzustellen. Auch Re-Shoring wurde teilweise diskutiert – allerdings erwägten nur etwa 10 bis 15 % der Unternehmen, ihre Produktion tatsächlich nach Deutschland zurückzuholen. „Lieferketten können brechen, egal ob sie global sind oder lokal“, sagt Van het Hof. „Das hat die Corona-Pandemie gezeigt – aber auch die aktuelle Flutkatastrophe, bei der auch Lieferketten im eigenen Land unterbrochen wurden. Eine Garantie für eine robuste Versorgungskette gibt es nie – letztlich geht es vielmehr darum, Notfallpläne für verschiedene Szenarien in der Tasche zu haben, um schnell und flexibel handeln zu können. Zudem dürfte die Beziehungsqualität mit den eigenen Lieferanten für die Zukunft eine immer größere Rolle spielen, unabhängig davon, wo diese geografisch ihren Sitz haben. Eine partnerschaftliche Beziehung zu Lieferanten dürfte sich langfristig eher auszahlen als aus diesem bei Liefervereinbarungen den letzten Cent herauszupressen.“

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Helge Neumann / 23.08.2021 - 12:53 Uhr

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