„Wir haften mit allem, was wir haben.“

Händler mahnen passende Corona-Hilfen an

Online-Pressekonferenz mit BLE-Präsidentin Nina Kiesow. (Foto: Screenshot)
Online-Pressekonferenz mit BLE-Präsidentin Nina Kiesow. (Foto: Screenshot)

Der Schuh-, Mode- und Lederwarenhandel im Winter-Lockdown: Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz von BLE, BTE und BDSE gaben vier Fachhändler einen Einblick in ihre Situation. Mit dabei: BLE-Präsidentin Nina Kiesow.

BTE-Hauptgeschäftsführer Rolf Pangels und vier Fachhändler aus dem Schuh-, Mode- und Lederwarenhandel erläuterten am 19. Januar, warum die „völlig unzureichenden Hilfen“ den Textil-, Schuh- und Lederwarenhandel „in den Ruin treiben“.

Mark Rauschen, Geschäftsführer von L&T Lengermann & Trieschmann in Osnabrück, zum Beispiel gehört zu den Händlern, die bisher keinen Euro der Corona-Hilfen in Anspruch nehmen konnten. Das Osnabrücker Modehaus setzt 75 Mio. Euro um und beschäftigt über 600 Mitarbeiter. Damit falle es durch alle Raster der Förderinstrumente, erläuterte Rauschen. Zu groß für die Überbrückungshilfen, aber eben auch „keine Tui“. Erst jetzt werde man die Politik für die spezifischen Probleme des Modefachhandels sensibilisiert.

BLE-Präsidentin Nina Kiesow vom Fachgeschäft Kiesow Lederwaren in Kleve verdeutlichte, wie mittelständische Unternehmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung und als Arbeitgeber gerecht würden. Sie etwa engagiere sich für die Menschen vor Ort und ehrenamtlich im Stadtmarketing. „Wir sehen uns als Motor vor Ort.“ Gleichzeitig böten sie ihren Kunden erfolgreich das gesuchte Einkaufserlebnis. Auch die sozialen Netzwerke habe man nicht erst in der Corona-Pandemie, sondern schon lange vorher entdeckt.

Wir die gesamte Branche trifft die Corona-Pandemie auch den Lederwarenhändler von Niederrhein hart. Allein im Dezember brachen die Umsätze, wie branchenüblich, um 40 Prozent ein. Besonders dramatisch sieht die Situation bei Reisegepäck aus: Um 85 Prozent gingen die Umsätze im Jahr 2020 zurück. Die Konsequenzen waren auch für die Teilnehmer an der Pressekonferenz sichtbar. „Hinter mir stapeln sich die Koffer. Wir müssen Büroräume als Lager nutzen“, führte Nina Kiesow aus.

 

Liquidität schrumpft

 

Und der Lagerdruck wird weiter zunehmen. In diesen Tagen würden die neuen Kollektionen für Frühjahr/Sommer geliefert. „Aber unsere Liquidität schrumpft“, so die Fachhändlerin weiter. Als „Steuerzahler im Mittelstand“ fühle sie sich in dieser unverschuldeten Notlage vom Staat alleine gelassen und in einer zunehmend existenzbedrohlichen Situation. „Wir haften mit allem, was wir haben.“

Auch bei Thomas Zumnorde-Mertens vom Schuhhaus Zumnorde in Münster wird es so langsam eng: „Wir stehen an der Klippe und davor, unser Tafelsilber zu verkaufen.“ Allein die Mieten der Filialen summierten sich auf 800.000 Euro pro Monat. Der Fachhändler warnte vor „Museumsdörfern“, wenn jetzt keine Hilfe im Handel ankomme. Die Banken würden zunehmend nervös.
Nach Meinung von Zumnorde wirkt sich der Lockdown außerdem über den Zeitpunkt der Wiedereröffnung der Geschäfte aus. Er rechnet dann mit einer „nie dagewesenen Preisschlacht“.

Login für Abonnenten
Sie möchten alle Inhalte lesen?
  • Website-Login
  • E-Paper-Zugang
  • Alle Newsletter
Tobias Kurtz / 20.01.2021 - 09:41 Uhr

Weitere Nachrichten