„Ein katastrophales Jahr“

Handel zieht bittere Zwischenbilanz

Lockdown in Deutschland (Foto: Anastasiia Chepinska/Unsplash)
Lockdown in Deutschland (Foto: Anastasiia Chepinska/Unsplash)

Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat die Umsatzverluste im Zuge der Corona-Maßnahmen berechnet. Die betroffenen Branchen verlieren Milliarden. Fast zwei Drittel der Schuhhändler schweben in Existenzgefahr. 

Die von den Lockdowns und Geschäftsschließungen betroffenen Branchen im Nicht-Lebensmittelhandel verlieren in den ersten fünf Monaten des Jahres 2021 im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit bis zu 40 Mrd. Euro Umsatz. Nach einer aktuellen HDE-Umfrage unter knapp mehr als 1.000 Händlern, sieht sich deshalb mehr als die Hälfte der Bekleidungshändler ohne weitere staatliche Hilfen im Jahresverlauf in Existenzgefahr. Der Handelsverband Deutschland (HDE) fordert angesichts der dramatischen Zahlen weiterhin Anpassungen und mehr Tempo bei den staatlichen Corona-Hilfen. 

„Für den Lockdown-Handel war 2021 bis jetzt ein katastrophales Jahr. Die Umsätze liegen in den betroffenen Branchen bis Ende Mai voraussichtlich im Durchschnitt um rund 60% unter dem Vorkrisenniveau“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Das entspricht nach HDE-Berechnungen einem Minus von bis zu 40 Mrd. Euro im Vergleich zum Vor-Krisenjahr 2019. Dementsprechend schlecht fällt auch die aktuelle HDE-Umfrage für die vergangene Woche aus. So sehen sich im Bekleidungshandel für dieses Jahr ohne weitere staatliche Hilfen 53% der Händler in Existenzgefahr, im Schuh- und Lederwarenhandel sind es sogar knapp 60%. 

So wertvoll Signale wie eine Öffnung der Geschäfte mit Testpflicht oder Terminvereinbarung für die Stimmung seien, wirtschaftlich sei das für viele Geschäfte nicht, teilt der HDE mit. So sprechen die Händler, die mit Testpflicht geöffnet sind, in der HDE-Umfrage im Durchschnitt von Umsatzverlusten von beinahe 60%, beim Shoppen mit Terminvereinbarung liegen die Verluste bei knapp 50%. Und auch das Shoppen mit Begrenzung der Kundenzahl beschert den befragten Händlern mehr als ein Drittel weniger Umsatz als vor der Krise. „Die Lage im Nicht-Lebensmittelhandel ist vielerorts alarmierend schlecht. Deshalb müssen die Corona-Hilfen jetzt schnellstmöglich komplett ausgezahlt werden“, so Genth weiter. Bisher haben der HDE-Umfrage zufolge fast drei Viertel der betroffenen Händler seit Beginn der Krise staatliche Unterstützung bekommen. 60 Prozent jedoch warten noch auf ausstehende Zahlungen und 60% der Empfänger von Abschlagszahlungen erhielten weniger als die Hälfte der Auszahlungssumme.

Neben der Geschwindigkeit der Hilfe bemängelt der HDE schon seit Monaten zwei wesentliche Lücken. Für inhabergeführte Händler gebe es nach wie vor keine Möglichkeit zur Auszahlung eines Unternehmerlohns. Das zwinge die Unternehmer im Ergebnis, zum Sozialamt zu gehen, um ihren privaten Lebensunterhalt bestreiten zu können. Für größere Unternehmen fordert der HDE die Aufhebung der Deckelung auf Bundes- und EU-Ebene bzw. einen entsprechenden Schadensausgleich nach EU-Recht. „Größere Händler mit vielen Filialen haben höhere Fixkosten und brauchen mehr Unterstützung“, so Genth. Starre und viel zu niedrig angesetzte Höchstgrenzen für die Auszahlung von Coronahilfen pro Unternehmen sorgten im Ergebnis dafür, dass viele Handelsunternehmen keine Chance mehr hätten, die Krise zu überstehen.

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Helge Neumann / 11.05.2021 - 08:16 Uhr

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