„Wir haben uns an der geltenden Verordnung orientiert“

Hannover: Polizei schließt Schuh- und Lederwarengeschäfte

Am 13. März rückte die Polizei in Hannover aus, um zwei Geschäfte in der Innenstadt zu schließen. schuhkurier sprach mit den beteiligten Händlern. 

Wie die „Hannoversche Allgemeinen Zeitung“ berichtet, hatten am vergangenen Samstag in der Innenstadt von Hannover ein Schuhhaus und ein Lederwaren-Händler für Terminshopping geöffnet, obwohl dies nicht gestattet gewesen sei. Die lokale Inzidenz in der niedersächsischen Landeshauptstadt liegt bei über 100, Shoppen mit Termin ist jedoch nur in Regionen mit einer Sieben-Tages-Inzidenz unterhalb von 100 erlaubt. Laut dem Bericht handelte es sich um das Schuhhaus Gisy sowie Horstmann + Sander. Nachdem sie einen Hinweis eines anderen Einzelhändlers erhalten habe, sei die Polizei ausgerückt. Nach längeren Gesprächen hätten sich die Inhaber bereit erklärt, die Geschäfte zu schließen. Es sei unklar, ob den Unternehmen Strafen drohen.

„Wir haben kein Terminshopping durchgeführt“

Auf Anfrage von schuhkurier erklärt Reinhard Sander von Horstmann + Sander die Vorgänge vom vergangenen Samstag: „Die Polizei war in der Tat da und es befanden sich auch einige wenige Kunden in unserem Laden. Tatsache ist aber, dass wir keinesfalls ein ’Terminshopping‘ durchgeführt haben. Wir haben die Kunden lediglich mit Termin auf die Ladenfläche gelassen, damit sie sich umschauen können und beispielsweise Schuhe anprobieren können. Die Abholung und Bezahlung fanden nach dem Besuch und außerhalb des Ladens statt. Das sogenannte ’Bemustern und Anprobieren‘ war laut Verordnung vom 8. März auch in einer Hochinzidenzkommune ausdrücklich nicht ausgeschlossen worden. Ein Passus zum ’Bemustern & Anprobe‘ wurde erst am Samstagnachmittag in einer ’Korrekturverordnung‘ konkretisiert, so dass dies jetzt für Schuhhändler nicht mehr erlaubt ist. Wir haben uns lediglich an der geltenden Verordnung orientiert – was bleibt uns denn auch anderes übrig?“

„Entscheidungen sind nicht mehr nachvollziehbar“

Auch Michael Schenkemeyer, Geschäftsführer von Gisy-Schuhe, bewertet die Vorgänge im Gespräch mit schuhkurier kritisch. „Was in der vergangenen Woche in Hannover passiert ist, ist eine Katastrophe für den Handel. Gemäß der Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen in der Fassung vom 8. März waren die sogenannte Bemusterung und Anprobe nicht ausdrücklich untersagt. An dieser Vorgabe haben wir uns orientiert und entsprechend in sehr geringem Umfang Kunden das Geschäft betreten lassen. Am vergangenen Samstag wurde dann jedoch einem Eilantrag der Stadt Hannover stattgegeben und die Bemusterung und Anprobe z.B. für Schuhe untersagt. Eine knappe Stunde nach dieser Entscheidung stand die Polizei vor unserer Tür und durch die Berichterstattung werden wir in ein schlechtes Licht gerückt. Dieser Vorgang setzt den vergangenen Wochen und Monaten die Krone auf. Wir haben immer alle Maßnahmen berücksichtigt und haben ein sehr umfassendes Hygienekonzept entwickelt, aber zugleich sind die Entscheidungen der Politik nicht transparent und einfach nicht mehr nachvollziehbar. Warum ist eine Buchhandlung plötzlich systemrelevant, aber ein Schuhgeschäft nicht? Dachpfannen können gemustert werden, aber das Vermessen von sensiblen Kinderfüßen ist nicht möglich – wer soll das noch verstehen? Das kann niemand plausibel erklären, weil es schlicht keine Erklärung gibt. Es ist kein Wunder, dass der Frust in der Bevölkerung steigt.“

 
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Helge Neumann / 15.03.2021 - 12:05 Uhr

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