Interview

Hans-Jürgen Robers: „Der Druck ist enorm“

Hans-Jürgen Robers betreibt zehn Schuhgeschäfte im westlichen Münsterland und in den Niederlanden. schuhkurier sprach mit dem Unternehmer über die zurückliegenden Wochen.

Herr Robers, wie haben Sie die vergangenen Wochen erlebt?

Ab dem 8. März konnten wir unsere Geschäfte je nach Standort entweder ohne Einschränkungen oder mit Click & Meet öffnen. Die Umsatzentwicklung war wirklich positiv. Das galt natürlich vor allem für die Geschäfte, die regulär öffnen konnten, aber nach einer kurzen Phase der Eingewöhnung haben die Kunden auch Click & Meet gut angenommen. Das war sehr beruhigend und hat uns zunächst auch Hoffnung gemacht. 

Was kam dann?

Mit dem Überschreiten der landesweiten Inzidenz von 100 wurden die Öffnungen zum 29. März wieder rückgängig gemacht. Seitdem können wir nur noch Click & Meet mit vorherigem Schnelltest anbieten. In Coesfeld und Dülmen brauchen wir den Test noch nicht. Aber die Umsätze sind sofort zusammengebrochen.

Die Impfkampagne soll nun in den kommenden Wochen endlich Fahrt aufnehmen. Wird es dann auch wieder für den Handel aufwärts gehen?

Das hoffe ich sehr. Aber die große Frage ist, wie viele Unternehmen die aktuelle Situation überleben. Wie werden dann die Innenstädte aussehen und welche Folgen hat das für die Frequenz? Kurzfristig wünsche ich mir mehr Planungssicherheit. Wenn wir wüssten, dass wir bis zum Ende des Sommers wie im März Click & Meet ohne Schnelltest-Pflicht anbieten könnten, wäre das schon ein Fortschritt. Die Unsicherheit ist ein großes Problem.

Rechnen Sie für den weiteren Verlauf der Frühjahr/Sommer-Saison mit einer Rabattschlacht?

Der Warendruck ist enorm. In vielen Unternehmen ist das übrigens nicht nur eine Frage der Liquidität, sondern auch des Platzes. Besonders dramatisch wird es, wenn wir nicht bis Ende der Saison 50% der Ware abverkauft haben. Grundsätzlich gehe ich daher durchaus davon aus, dass preislich mit härteren Bandagen gekämpft werden wird. Allerdings ist die aktuelle Mode nicht so extrem, so dass wir einen Großteil der Ware auch für die kommende F/S-Saison einlagern können, bevor wir sie mit hohen Abschriften „verschleudern“.

Wie haben Sie für die Herbst/Winter-Saison eingekauft?

Wir haben radikal weniger gekauft. Die vergangene H/W-Saison haben wir mit einer Abverkaufsquote abgeschlossen, die etwa 15 Prozentpunkte unter dem normalen Niveau lag. Da mussten wir reagieren. Vor allem die Herrenschuhe hat es massiv getroffen, während wir etwa bei Kinderschuhen im üblichen Rahmen eingekauft haben.

Wie hat die Corona-Pandemie Ihr tägliches Arbeiten verändert?

Früher habe ich morgens zuerst auf die Umsätze des Vortages und die jeweiligen Bestseller geschaut, um diese dann möglichst noch nachzuziehen. Das ist heute anders: Wenn ein Modell gut läuft, ist das schön, aber Nachbestellungen verbieten sich aktuell. Wir haben alle zu viele Schuhe. Bis Ende der Saison muss ich mir über die Nachorder keine Gedanken machen. Wir haben nur ein Ziel: Das Lager einigermaßen im Rahmen zu halten. 

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Helge Neumann / 15.04.2021 - 14:44 Uhr

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