Key Note von Stefan Genth bei der SABU-Generalversammlung

HDE: „Die Krise ist noch nicht vorbei“

Stefan Genth (Foto: HDE/Hoffotografen)
Stefan Genth (Foto: HDE/Hoffotografen)

Im Rahmen der SABU-Generalversammlung sprach HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth über die aktuellen Herausforderungen und Perspektiven für den Handel.

Blick zurück: Mit intensiver Lobbyarbeit und mehreren Kampagnen
engagierte sich der Handelsverband Deutschland (HDE) mit Beginn des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 für die Belange des Einzelhandels. „Man kann ein Buch darüber schreiben, was wir erlebt haben“, so Genth beim SABU in Berlin. Neben der reinen Ausgestaltung der Hilfen, die vor allem in den Händen von Wirtschaftsminister Peter Altmaier gelegen habe, sei auch die Höhe der Leistungen von größtem Interesse gewesen – hier habe man insbesondere mit Finanzminister Olaf Scholz diskutiert. Gerade bei den Teilwertabschreibungen sei man auf eine „Politik des Verhinderns“ gestoßen, habe sich aber letztlich im Sinne des Non-Food-Handels, besonders auch des Mode- und Schuhhandels durchsetzen können.

Aus Sicht des HDE war nicht alles schlecht: Die temporäre Senkung der Mehrwertsteuer, der Kinderbonus, die Senkung der EEG-Umlage und die Anrechnung der Mieten und Pachten bei der Gewerbesteuer seien hilfreiche Instrumente gewesen. Aber: „Was wir als absolut negativ sehen, ist, dass die Regierung Maßnahmen getroffen hat, um die Pandemie einzudämmen und uns alle zu schützen, dass aber der Preis, den der Non-Food-Handel dafür zahlen musste, zu hoch war.“ Die erwirkten Maßnahmen seien vor allem in den letzten Phasen der Pandemie nicht mehr verhältnismäßig, der lange Lockdown nicht gerechtfertigt gewesen. „Die Sicherheitskonzepte im Handel waren da. Es gab keine erhöhten Krankenzahlen im Einzelhandel, auch nicht im Lebensmittelhandel“, so Genth. Erschwerend komme hinzu, dass zwar mehr als 120 Mrd. Euro Hilfen bereitgestellt, diese aber zum Großteil nicht ausgezahlt worden seien. „Die Zugangsvoraussetzungen waren zu eng. Man hätte nachbessern müssen.“
Trotzdem gelte es jetzt, nach vorne zu schauen. Der HDE hat sich im Sinne eines nachhaltigen Re-Starts für den Handel auch mit einer Impfkampagne engagiert, bei der mehr als 130.000 Impfungen binnen weniger Wochen durchgeführt wurden. Wichtig sei es nun, die Interessen des Einzelhandels bei der (neuen) Regierung bestmöglich zu vertreten. „Die Marktbedingungen entwickeln sich positiv, die Gesamtwirtschaft hat sich erholt. Natürlich gibt es Lieferengpässe, das wird uns beschäftigen. Aber das Weihnachtsgeschäft als solches ist nicht gefährdet, auch wenn die Medien gerade ein Riesenthema ausgemacht haben.“
Die Prognosen des HDE sind insgesamt optimistisch. Man gehe davon aus, dass es keine „galoppierende Inflation“ geben wird, sondern dass sich die Geldentwertung um die 2% einpendeln werde. Auch glaube man, so Genth, dass es keinen erneuten Lockdown geben werde. „Trotz der aktuellen Umsatzerholung ist die Krise für viele Unternehmen nicht vorbei, auch weil das Eigenkapital angegriffen wurde“, analysiert der HDE-Hauptgeschäftsführer.
„Dennoch sehen wir für das Gesamtjahr wiederum einen Zuwachs im Einzelhandelsvolumen, wenn auch stark differenziert. Stationär wird weiter verlieren. Online wird 20% über alles zulegen.“

Wie sich das Kundenverhalten ändert

In Zusammenarbeit mit der GfK hat der HDE Untersuchungen zur Zukunft des Shoppens angestellt. Laut den Ergebnissen wird das Einkaufsverhalten nach Corona neu justiert; die Markentreue wird sinken und Preisüberlegungen werden stärker im Vordergrund stehen. Auch der Anspruch an Service und Erlebnis dürfte demnach zunehmen. Hinzu kommt ein neues Umweltbewusstsein, dass sich in bewussterem Konsum und auch im Wunsch nach regionalen oder lokalen Produkten ausdrückt – oder auch im Verzicht aufs Shoppen. „Die Menschen haben höhere Ansprüche. Und der Handel hat eine soziale Funktion als Ort der Begegnung – deshalb ist es wichtig, nicht die falschen Maßnahmen zu ergreifen“, so Stefan Genth. Innenstädte müssten Erlebnisräume werden. Dazu gehörten Mobilität und gute Erreichbarkeit, ausreichend Parkplätze und der Ausbau von digitalen Services in so genannten
Smart Cities.

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Petra Steinke / 28.10.2021 - 08:34 Uhr

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