„Die Branche ist zwiegespalten“

HDE will Tarifkonflikt lösen

Die Tarifrunde 2021 im Einzelhandel stecke in einem Dilemma, so der Handelsverband Deutschland (HDE). Er schlägt daher eine differenzierte Lösung vor. 

„Während ein Teil der Handelsunternehmen gut durch die Pandemie gekommen ist, hat ein anderer Teil massiv unter monatelangem Lockdown und Geschäftsbeschränkungen gelitten. Während Erstere eine kurzfristig umsetzbare Tariferhöhung tragen können, müssen Letztere vor Kostenbelastungen - insbesondere in 2021 - geschützt werden“, so Steven Haarke, HDE-Geschäftsführer für Arbeit und Soziales. Die Gewerkschaft Verdi müsse einsehen, dass vor allem der nicht systemrelevante Nonfood-Handel bis heute stark unter der Corona-Krise leide. Das zeigten auch aktuelle HDE-Umfragen, nach denen die Nonfood-Händler und vor allem die stationären Textilhändler um ihre wirtschaftliche Existenz bangen müssen. „Die Branche ist zweigespalten. Es ist sehr bedauerlich, dass Verdi offenkundig nach wie vor nicht zu einem Abschluss mit entsprechender Differenzierung bereit ist. Dabei geht es hier auch um die Sicherung zahlreicher Arbeitsplätze in den vielen Nonfood-Handelsunternehmen. Man sollte doch meinen, dass dies ein Kernanliegen der Gewerkschaft sein müsste“, so Haarke weiter. Am Ende einer möglicherweise verlängerten Laufzeit fielen ohnehin alle dauerhaften Entgeltkomponenten des Abschlusses für alle Händler gleich aus. So würde sich lediglich bei den Effekten des jeweiligen Tarifjahres eine zeitlich befristete Differenzierung ergeben. Es gehe also um eine kurzfristige Entlastung, die keine dauerhaften Folgen für die Entlohnung in der Branche hätte. „Angesichts der mangelnden Verhandlungsbereitschaft der Gewerkschaft wollen die Unternehmen, die gut durch die schwierige Corona-Zeit gekommen sind, ihre Beschäftigten nicht noch länger auf eine unabsehbare Tarifeinigung warten lassen. Deshalb haben wir uns im tarifpolitischen Ausschuss des HDE als zuständigem Gremium dazu entschlossen, einen Ausweg zu organisieren“, so Haarke. 

So gibt es für diese Handelsunternehmen nun einen freiwilligen Orientierungsrahmen, der Folgendes vorsieht:

1. Nach zwei Nullmonaten nach Ende der Laufzeit der Entgelttarifverträge im jeweiligen Tarifgebiet Erhöhung der bisherigen tariflichen monatlichen Grundvergütung um 2% (in NRW bspw. rückwirkend zum 01.07.2021, in Ba-Wü bspw. rückwirkend zum 01.06.2021). Auch die tariflichen Auszubildendenvergütungen sollen von diesen Unternehmen zum Beginn des jeweiligen tariflichen Ausbildungsjahres 2021 im Tarifgebiet freiwillig um 2% angehoben werden (in NRW bspw. zum 01.09.2021 und in Ba-Wü bspw. zum 01.08.2021). Diese freiwilligen Leistungen sind auf einen späteren Tarifabschluss anrechenbar. Soweit übertarifliche Entgeltbestandteile gewährt werden, können diese auf die freiwilligen Leistungen angerechnet werden.

2. Zusätzlich zu Ziffer 1 besteht die Option, dass Beschäftigten zu einem von den Unternehmen frei zu wählenden Stichtag - möglichst bis Ende des 3. Quartals 2021 - eine nicht tabellenwirksame Einmalzahlung in Höhe von 300 Euro brutto (Vollzeit) gezahlt werden kann. Die Unternehmen können die Einmalzahlung zum Beispiel bezüglich der anteiligen Berücksichtigung von Teilzeitkräften im Rahmen der rechtlichen Vorgaben individuell ausgestalten. Den Auszubildenden gewähren diese Unternehmen ebenfalls zu diesem Stichtag oder zum Start des tariflichen Ausbildungsjahres 2021 (in NRW bspw. zum 01.09.2021, in Ba-Wü bspw. zum 01.08.2021) zusätzlich eine nicht tabellenwirksame Einmalzahlung in Höhe von 150 Euro brutto. Diese Einmalzahlungen können vorbehaltlich einer vom Unternehmen durchgeführten steuerrechtlichen Prüfung als steuerlich begünstigte Corona-Beihilfe gezahlt werden. Sofern diese Zahlung nicht als Corona-Beihilfe gezahlt wird, kann sie auch als eine zusätzliche freiwillige und auf einen späteren Tarifabschluss anrechenbare Leistung ausgestaltet werden.

Login für Abonnenten
Sie möchten alle Inhalte lesen?
  • Website-Login
  • E-Paper-Zugang
  • Alle Newsletter
Helge Neumann / 07.07.2021 - 08:41 Uhr

Weitere Nachrichten

Dr. Ralf Herbrich ist nicht mehr für Zalando tätig. (Foto: Zalando)

Zalando verliert KI-Experten

Personalie

Dr. Ralf Herbrich hat Zalando verlassen. Der Experte für Künstliche Intelligenz war seit Anfang 2020 als Senior Vice President Data Science und Machine Learning für den Onlinehändler tätig.