Interview

Heinrich Deichmann: „Es geht dem Handel dramatisch schlecht“

Heinrich Deichmann
Heinrich Deichmann

Im Interview mit dem Handelsblatt fordert Heinrich Deichmann ein Ende des Lockdowns zum 8. März. Die Lage im Non-Food-Handel sei „nicht mehr erträglich“, die Unterstützung durch die Politik „völlig unzureichend“. 

„Dem Handel geht es, abgesehen vom Lebensmittel- und Onlinehandel, dramatisch schlecht – vor allem für die Modehändler wird die Situation immer bedrohlicher“, so Heinrich Deichmann im Gespräch mit dem Handelsblatt. Deichmann beteiligt sich an der Initiative „Das Leben gehört ins Zentrum“, das die Öffnung des Handels zum 8. März fordert. 50.000 Unternehmen und 250.000 Arbeitsplätze seien in Gefahr, so Heinrich Deichmann weiter. „Das ist die Realität. Das kann keinen Politiker kaltlassen. Es ist nicht mehr erträglich.“ Die Entschädigungen durch den Staat seien „völlig unzureichend“. Der Non-Food Einzelhandel habe in der Krise bis einschließlich Januar 2021 52 Mrd. Euro Umsatz verloren, die Unternehmen hätten im Gegenzug aber lediglich Hilfszahlungen in Höhe von 90 Mio. Euro erhalten.

Eine kluge Öffnungspolitik für den Handel dürfe nicht nur von Inzidenzwerten abhängig machen, sondern müsse auch andere Kennziffern wie die Belegung der Intensivbetten und die Todeszahlen mit betrachten. Zudem würden immer mehr ältere Menschen geimpft. „Und wenn die Politik dafür sorgt, dass man sich überall testen lassen kann und über Kampagnen dafür wirbt, dann können wir diesen Lockdown am 8. März beenden“, so Deichmann weiter. Als Christ unterstütze er die Zielsetzung der Politik, alles für den Schutz des Lebens zu tun. Allerdings habe es die Bundesregierung im Verlauf der Krisenbekämpfung versäumt, frühzeitig alternative Öffnungsperspektiven für alle Branchen zu schaffen. Der Handel erbringe ein Sonderopfer, sei aber genauso wichtig für die deutsche Wirtschaft wie die Industrie.

Generell habe er, so räumt der Deichmann-Chef ein, nicht mit einem zweiten Lockdown gerechnet. „Wir sind im Handel alle auf dem falschen Fuß erwischt worden – und dass der Inzidenzwert nun auf 35 festgelegt wurde, war auch nicht denkbar. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass sich die Politik in einem solchen Maße über die Interessen des Handels hinwegsetzt.“ Das Unternehmen Deichmann habe 2020 in Deutschland 20% Umsatz verloren.

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Helge Neumann / 01.03.2021 - 10:13 Uhr

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