Kommentar von Petra Steinke

Kommentar: Angst

Petra Steinke, Chefredakteurin schuhkurier (Foto: Natalie Färber)
Petra Steinke, Chefredakteurin schuhkurier (Foto: Natalie Färber)

Mit Fassungslosigkeit reagierten Vertreter der Schuh- und Modebranche auf die Ergebnisse des Corona-Gipfels vergangene Woche. Frisieren geht und Schuhe verkaufen mit Sicherheitskonzept, das geht nicht?


Die Hoffnung, wenigstens ab Anfang März die Geschäfte wieder öffnen zu dürfen – dahin. Stattdessen muss wohl mindestens bis zum 7. März gewartet werden oder bis zu einer stabilen Inzidenz unter 35. Was genau „stabil“ bedeutet, ist dabei weitgehend unklar. Als wäre das nicht schon schlimm genug, wurde die Öffnung der Friseure bereits für Anfang März angekündigt. Das ist, vorsichtig formuliert, den Schuh- und Modehändlern nicht mehr vermittelbar. Frisieren geht und Schuhe verkaufen geht, trotz ausgefeilter Sicherheits- und 
Hygienekonzepte, nicht? Obwohl sich Studien mit dem Infektionsrisiko im Handel auseinandergesetzt haben und dieses als sehr gering bewerten?

Die Situation könnte verfahrener nicht sein. Weiterhin fehlt die Öffnungsperspektive. Das 
ist angesichts der noch unübersichtlichen Verbreitung der Virus-Mutationen nachvollziehbar. Virologen mahnen gar, dass die 35-er-Inzidenz durch die Verbreitungsgeschwindigkeit der neuen Varianten womöglich überhaupt nicht erreicht werden könnte. Zugleich werden weiterhin munter diverse Grenzwerte diskutiert. Peilen wir die 35 an? Oder die 10? Oder gar die Impfquote als neue Größe? Die Kommunikation ist diffus und intransparent. Wie soll man als Händler den Eingang der Frühjahrsware takten, wenn man nicht weiß, wann geöffnet werden kann? Wie sollen Hersteller die 
Belieferung des Handels planen?

Damit nicht genug: Vor der Frühjahrsware liegt ein Berg unverkaufter Winterkleidung und -schuhe. Was damit passiert, wenn erst einmal geöffnet werden kann, hat Rolf Pangels, Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband des Textileinzelhandels (BTE) skizziert: Er fürchtet Rabatte um 80 bis 90%. Preisnachlässe solchen Ausmaßes werden ihr Publikum finden. Und wenn die Schnäppchenjagd vorbei ist, kehrt wieder Ruhe ein in den Innenstädten. Und zwar solange Gastronomie und Kulturstätten geschlossen bleiben. Und dann sind da noch die vollmundig angekündigten Hilfen, die – bestenfalls – schleppend und verspätet fließen. Das ist (zu) viel zu ertragen für einen Unternehmer. Die Angst, dem Virus als „pandemischer Kollateralschaden“ zum Opfer zu fallen, ist groß.

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Helge Neumann / 18.02.2021 - 09:07 Uhr

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