Kommentar von Petra Steinke

Kommentar: Betroffen

Petra Steinke, Chefredakteurin schuhkurier (Foto: Natalie Färber)
Petra Steinke, Chefredakteurin schuhkurier (Foto: Natalie Färber)

Der Lockdown wurde verlängert. Mehr denn je braucht der Handel nichts dringender als eine Perspektive.

Seit Anfang der Woche haben Mode- und Schuhhändler in Rheinland-Pfalz zumindest zeitweise das Gefühl, überhaupt wieder Händler zu sein. Sie dürfen ihre Geschäfte mit Terminvergabe öffnen und nacheinander Kundinnen und Kunden empfangen und bedienen. Die Vermutung, dass es sich hierbei um ein Geschenk im Vorfeld der anstehenden Landtagswahlen handeln könnte, liegt nahe und mag wohl zutreffen. Und ein Tag mit zehn, vielleicht fünfzehn Kundenterminen ist keinesfalls vergleichbar mit einem „normalen“ Verkaufstag zu Beginn einer neuen Saison, wenn das Wetter passt und ordentlich frische Ware in den Schaufenstern lockt.

Trotzdem zeigten sich viele der Unternehmerinnen und Unternehmer erleichtert, dass sie – wenn auch mit angezogener Handbremse und enormem organisatorischen Aufwand – ihren Beruf endlich wieder ausüben können. Händler wollen wieder Händler sein. Sie wollen ihre Geschäfte aufsperren, Ware anbieten, Kunden bedienen und eine wirtschaftliche Perspektive sehen. Sie wollen, so brachte es Michael Busch, Chef der Buchhandelskette Thalia, Anfang der Woche in einer Talk-Show auf den Punkt, nicht mehr „betroffen, sondern beteiligt“ sein. Nicht länger das Gefühl haben, politischen Entscheidungen hilflos ausgeliefert und zu Passivität verdammt zu sein. Sondern aktiv einen positiven Beitrag zu einer „neuen Normalität“ in der Pandemie leisten.

Nach Monaten im Lockdown haben es die Händlerinnen und Händler unserer Branche verdient, wieder Verantwortung übernehmen zu dürfen. Sie werden beweisen – und haben das bereits –, dass sie kluge Sicherheitskonzepte umsetzen können. Dass sie, auch im eigenen Interesse und dem ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für Hygiene und ausreichend Abstand sorgen.  Sie wollen endlich etwas bewegen, raus aus der Tatenlosigkeit. Und raus aus der Angst. 

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Laura Klesper / 05.03.2021 - 09:20 Uhr

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