Kommentar von Helge Neumann

Kommentar: Bruch

Helge Neumann, Redaktion schuhkurier
Helge Neumann, Redaktion schuhkurier

Marcus Diekmann nimmt kein Blatt vor den Mund. Der Digitalisierungsexperte empfiehlt dem Schuhhandel im Interview mit schuhkurier drastische Schritte. Hat er Recht?

Er gilt als Digitalisierungs-Guru. Als Innovator. Und Provokateur. Marcus Diekmann macht sich mit seinen oftmals schonungslosen Analysen zum Status quo des Handels nicht nur Freunde. Doch der CEO des Fahrradherstellers Rose Bikes will keineswegs nur wortgewaltig draufhauen. Diekmann will Denkanstöße liefern und seine Kollegen im Einzelhandel dazu anregen, Bestehendes kritisch zu hinterfragen. Das tut er auch im Interview in dieser Ausgabe, das im Rahmen der Serie zu 75 Jahren schuhkurier erscheint. Darin entwickelt der Westfale einige spannende Ideen zur Zukunft des stationären Handels. Und rät insbesondere den Verbundgruppen zu einem radikalen Schritt. „Ziel von ANWR und SABU müsste es sein, innerhalb der nächsten fünf Jahre die Zusammenarbeit mit allen Marken einzustellen und nur noch Eigenmarken anzubieten“, so Marcus Diekmann. Hersteller, die weiterhin im stationären Handel präsent sein wollten, müssten künftig Ausstellungsgebühren zahlen. Das übergeordnete Ziel: „Das Miteinander zwischen Handel und Industrie muss sich verändern, die Spielregeln müssen neu ausgehandelt werden.“ 

Mit seiner Forderung nach einem Bruch mit der Industrie schießt Marcus Diekmann über das Ziel hinaus. Das geht zu weit. Was bei Rose Bikes funktioniert hat, muss nicht zwangsläufig auch für den Schuhhandel der richtige Weg sein. Dennoch ist es in der Tat an der Zeit, das Verhältnis von Handel und Industrie auf den Prüfstand zu stellen. Die Rahmenbedingungen haben sich innerhalb der vergangenen zehn Jahre massiv verändert – gilt das auch im gleiche Maße auch für das Miteinander? Wenn Hersteller eigene Wege gehen, muss der Handel reagieren können. Gleiches Recht für alle.

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Helge Neumann / 23.04.2021 - 11:01 Uhr

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