Ein Kommentar von Petra Steinke

Kommentar: Ideen

Petra Steinke, Chefredakteurin schuhkurier (Foto: Natalie Färber)
Petra Steinke, Chefredakteurin schuhkurier (Foto: Natalie Färber)

Wenn Sie die aktuelle schuhkurier-Ausgabe aufmerksam lesen, werden Sie in gleich zwei Artikeln auf ein spannendes Thema stoßen, das derzeit in der Branche diskutiert wird.

Die Idee lautet wie folgt: eine branchenweite Plattform, die Handel und Industrie vernetzt und ein riesiges Angebot an Schuhen präsentiert; alle Warengruppen, alle Preislagen. Wer dort als Verbraucher shoppt, bestellt mit Hilfe eines Algorithmus beim geographisch nächstgelegenen Händler. Das spart CO2 ein. Und der Händler weiß am Ende, wer bei ihm eingekauft hat. Es ist ein demokratischer Ansatz, von dem alle profitieren können – auch die über ihre eigenen Onlineshops angebundenen Schuhhersteller.
Sowohl aus Mainhausen als auch aus Heilbronn ist zu hören, dass man einem solchen Konzept offen gegenübersteht – nachzulesen in der aktuellen Ausgabe von schuhkurier. Und es gibt mit www.schuhe.de eine Plattform, die geeignet wäre, in die beschriebene Richtung weiterentwickelt zu werden: ein eingängiger Name, ein großes Warenangebot, bereits bestehende Kooperationen mit Industriemarken. Und zuletzt ordentliches Wachstum – dank Corona und verstärkter Investitionen. Wenn man also eine branchenweite Plattform aufbauen wollte, dann wohl diese.
Zweifellos, der Gedanke ist smart und hat eine Menge Charme: Der Handel würde auf einer gemeinsamen Plattform tatsächlich handeln und nicht nur Pakete verschicken. Wer liefert, wäre Herr der Kundendaten. Und die Botschaft an die Verbraucher lautete: Wenn du hier kaufst, stärkst du den stationären Fachhandel und sorgst für vitale Innenstädte.

Die Idee kommt allerdings zu spät. Denn über die zurückliegenden Jahre haben Plattformen mit gigantischem Warenangebot, Service und enormem Marketing-Budget den Markt erobert. Dem etwas wirklich Kraftvolles entgegenzusetzen, dürfte ein Ding der Unmöglichkeit sein. Und ob den Verbraucher der Loyalitäts-Gedanke am Ende wirklich interessiert, darf bezweifelt werden. Leider.

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Petra Steinke / 01.07.2021 - 08:36 Uhr

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