Kommentar von Petra Steinke

Kommentar: Ratlos

Petra Steinke, Chefredakteurin schuhkurier (Foto: Natalie Färber)
Petra Steinke, Chefredakteurin schuhkurier (Foto: Natalie Färber)

Vor und zurück. Hin und her. Öffnen und wieder schließen. Die Nerven liegen blank. Nicht nur in Berlin.

„Wir sind ein föderaler Staat. Es ist keinem Oberbürgermeister und keinem Landrat verwehrt, das zu tun, was in Tübingen und Rostock getan wird.“ Dies sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am 25. März in ihrer Regierungserklärung vor dem Deutschen Bundestag. Es wäre falsch, alle Städte und Regionen mit einem Maßstab zu belegen. „Das widerspiegelt auch unser Öffnungskonzept“, so die Kanzlerin. Dieses Statement machte all jenen Mut, die sich in ihrer Stadt oder ihrem Landkreis um Öffnungen bemühen. Es gab Projekten Auftrieb, im Rahmen derer Shoppen weiter erlaubt bleiben soll, wenn es durch eine Teststrategie begleitet wird. Quer durch die Republik wurde am Wochenende diskutiert und vorbereitet, was machbar sein könnte.

Wenige Tage später klang die Bundeskanzlerin im Lichte weiter steigender Inzidenzen ganz anders: Modellprojekte, die bei hohen Inzidenzen ansetzen, würden nicht helfen, die dritte Welle zu brechen, sagte sie am 28. März in der ARD. „Eigentlich soll das Testen der Senkung der Fallzahlen dienen. Es wird aber immer mehr zu einem Instrument, um Öffnungen zu erlauben.“ Auch in den Modellstädten Tübingen und Rostock seien inzwischen steigende Fallzahlen zu beobachten.

Das ließ viele ratlos zurück. Was ist zu tun? Weiter die regionale Öffnungsstrategie vorantreiben? Oder lieber nicht? Konsequent die Notbremse ziehen? Oder mit einer Teststrategie Alternativen auf den Weg bringen? Kommt ein harter Lockdown? Oder nicht? Die Verbraucher sind verunsichert. In die Stadt fahren zum Testen, um danach womöglich nur ein T-Shirt zu kaufen? Besser nicht. Wir befinden uns in einem Schwebezustand; die Abwägung von Chancen und Risiken ist kompliziert. Der Tunnel, an dessen Ende das Licht erkennbar ist, ist länger als gedacht. Aber es hilft nichts: Wir müssen weiter durchhalten. Und dürfen die Hoffnung nicht verlieren.

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Laura Klesper / 01.04.2021 - 09:20 Uhr

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