Kommentar von Petra Steinke

Kommentar: (zu) wenig

Petra Steinke, Chefredakteurin schuhkurier (Foto: Natalie Färber)
Petra Steinke, Chefredakteurin schuhkurier (Foto: Natalie Färber)

Der 3. März war ein langer Tag, an dessen Ende ein für unsere Branche unbefriedigendes Ergebnis stand: Lockdown mit Lockerungen. Für viele Händler bedeutet das: Das Bangen geht weiter, der Unmut steigt.

Die Politik öffnet dem Handel – im wahrsten Sinne des Wortes – eine Tür:„Click & Meet“ heißt der Kompromiss, mit dem viele Händler seit Beginn dieser Woche wieder für ihre Kunden da sein dürfen. Wenigstens ein bisschen. Die Unternehmerinnen und Unternehmer reagierten sofort. Schaufenster wurden plakatiert, Instagram- und Facebook-Kanäle mit neuen Motiven aktualisiert.

Tenor: Vereinbart Termine, kommt shoppen, wir dürfen öffnen, ruft an oder schreibt uns, wir sind für Euch da! Beeindruckend, wie kreativ und zupackend sich die Händler an die Arbeit machten, kaum, dass das Signal für „Click & Meet“ ertönt war. Vor allem kleinere Unternehmen im ländlichen Raum zeigten sich zuversichtlich, dass die Öffnung mit Terminvergabe einen ordentlichen Impuls geben dürfte. Viele dieser Händler haben eine treue Stammkundschaft, die im Lockdown nicht ins Internet „abwanderte“, sondern wartete, um jetzt bei ihrem Schuhhändler einzukaufen. Illusionen allerdings wären fehl am Platz: Ohne Gastronomie und Kultur ist Shopping keine Freizeitbeschäftigung. In den Fußgängerzonen und Centern dürften die Frequenzen weiter überschaubar bleiben. Die neuen Regeln werden zudem von der Sorge begleitet, dass viele Menschen die weiterhin geltenden Einschränkungen nun nicht mehr ernst nehmen könnten, die Fallzahlen wieder steigen und man in wenigen Wochen wieder zusperren muss – auch wenn der Schuhhandel kein Treiber des Infektionsgeschehens ist. Spürbar sind auch Wut und Enttäuschung. Denn die neuen Vorgaben bedeuten für Schuhhändler eine Fahrt im Schritttempo, während Discounter und SB-Märkte weiter mit Vollgas Schuhe und Mode verkaufen. Es bleibt eine bittere Erkenntnis. Einkaufen mit Termin ist besser als nichts. Aber trotzdem (zu) wenig.

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Petra Steinke / 11.03.2021 - 09:29 Uhr

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