Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung

Konsum zieht 2022 an

Das Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hebt die Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft leicht an. Für 2022 erwarten die Experten einen deutlichen Konsumschub.

Nach langen coronabedingten Lockdowns erwache die deutsche Wirtschaft nach und nach aus ihrem Winterschlaf, heißt es in der aktuellen Konjunkturprognose des DIW Berlin. Da immer mehr Menschen geimpft seien und die Infektionszahlen fielen, könnten viele Branchen wieder auf einen normaleren Geschäftsbetrieb hoffen. Die Konjunkturforscher des DIW Berlin mit 3,2% für dieses und 4,3% für nächstes Jahr ein etwas höheres Wachstum der hiesigen Wirtschaftsleistung als noch im Frühjahr. Im kommenden Jahr treibe vor allem der Konsum die wirtschaftliche Erholung an. 

Dies sollte laut den DIW-Forschern aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Weg bis zur Bewältigung der Pandemiefolgen weit sei und immer wieder mit Rückschlägen gerechnet werden müsse.  Da die Eigenkapitaldecken vieler Unternehmen im Zuge der Pandemie ohnehin dünn geworden seien, drohten Insolvenzen. Vielerorts sei die Investitionstätigkeit zurückgeworfen worden, was die Innovationskraft und künftige Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtige. Ohnehin sei für die kommenden Monate mit mehr Insolvenzen und Geschäftsaufgaben zu rechnen. Im vergangenen Jahr war die Insolvenzmeldepflicht ausgesetzt und die Zahl der eröffneten Verfahren für eine Rezession untypisch gering. In den nächsten Monaten werden viele Unternehmen wohl doch noch den Weg zum Amtsgericht antreten müssen, so das DIW Berlin.

Marcel Fratzscher, DIW-Präsident: „Die deutsche Wirtschaft wird voraussichtlich einen guten Sommer erleben, aber sie ist noch nicht über den Berg. Rückschläge sind jederzeit möglich, vor allem ab dem Herbst. Die Politik muss sich jetzt vorbereiten, um vergangene Fehler wie eine unklare Kommunikation und eine teils nicht transparente Vorgehensweise dann nicht zu wiederholen. Diese Fehler haben viel Unsicherheit ausgelöst, und Unsicherheit ist Gift für die Wirtschaft. Der bevorstehende Wahlkampf und so manche Forderungen und Ansichten sollten nicht in die Irre führen. Es wäre beispielsweise nicht angemessen, jetzt auf einer schnellen Rückkehr zur schwarzen Null zu beharren. Und es ist unredlich, vor der angeblich großen Inflation zu warnen. Bislang gibt es keine Signale, dass die Inflation anders als von uns prognostiziert auch im nächsten Jahr überdurchschnittlich ausfällt.“

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Helge Neumann / 21.06.2021 - 08:39 Uhr

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