„Hersteller treiben Digitalisierung voran“

Lederwarenindustrie bricht 2020 ein

Manfred Junkert, Hauptgeschäftsführer des HDS/L (Foto: HDS/L)
Manfred Junkert, Hauptgeschäftsführer des HDS/L (Foto: HDS/L)

Keine Überraschung: Die deutsche Lederwarenindustrie hat 2020 heftige Umsatzrückgänge verzeichnen müssen. Das meldet der HDS/L.

Die Verkaufserlöse sind im Jahr 2020 um 22,2% von 597,7 auf 465,3 Mio. Euro gefallen. Das geht aus den Zahlen des Bundesverbandes der Schuh- und Lederwarenindustrie HDS/L hervor.

Dabei ist der Inlandsumsatz im Vergleich zu 2019 um 21,4% auf 322,7 Mio. Euro gesunken. Fast 70 Prozent ihres Umsatzes erzielen die deutschen Lederwaren- und Kofferhersteller in Deutschland. Auch das Auslandsgeschäft war mit einem Umsatz von 142,6 Mio. Euro stark rückläufig (-23,8%).

Laut amtlicher Statistik ist die Beschäftigung in 2020 mit 1.056 stabil geblieben, was einem leichten Rückgang von 0,3% entspricht. Die Angaben beziehen sich auf die Betriebe mit 50 und mehr Beschäftigten. Der HDS/L schätzt, das die tatsächliche Zahl der Beschäftigten in der deutschen Lederwaren- und Kofferindustrie mit rund 2.600 Personen weitaus höher lag. „Durch die Kurzarbeit können die Betriebe die Mitarbeiter noch halten.“

Die Verbraucherpreise für Reiseartikel und Täschnerwaren entwickeln sich laut HDS/L gegenläufig zu den Verbraucherpreisen insgesamt. Insgesamt sind in 2020 die Preise für Verbraucher über alle Güter hinweg um 0,5% gestiegen. Sowohl bei Handtaschen als auch für Geldbörsen sind die Verbraucherpreise um mehr als zwei Prozent gefallen. Auch bei Schulranzen und Rucksäcken (-0,4%) und Reisegepäck (-0,5%). Das liegt laut Verband „sicherlich an dem zeitweise geschlossenen Absatzkanal stationärer Fachhandel, wodurch Ware oft nur mit hohen Abschriften verkauft werden konnte“.

In 2020 wurden Lederwaren und Koffer im Wert von rund 1,9 Mrd. Euro aus Deutschland exportiert. Im Vorjahr betrug der Exportwert 2,1 Mrd. Euro. Dies entspricht einem Rückgang von 13,7%. Die wichtigsten Abnehmerländer waren Polen (207,1 Mio. Euro), die Schweiz (196,6 Mio. Euro) und Frankreich (180,6 Mio. Euro).

Die Statistik spiegelt das abrupte Ende der Reiseaktivitäten wider. So sind hohe Einbrüche bei Reisekoffern aus Aluminium (-40,5%), Vulkanfiber (-45,2%) sowie aus formgepresstem Kunststoff vor (-23,2% auf 103,5 Mio. Euro).

Im Vergleich zu 2019 ist in 2020 der Wert der gesamten Einfuhren von Lederwaren, Koffern und Reisegepäck um 17,4% auf 3,14 Mrd. Euro zurückgegangen. Rückgänge sind bei wichtigen Warengruppen wie Reisetaschen mit einer Außenseite aus Textil und Reisekoffern aus formgepresstem Kunststoff zu beobachten (Reisetasche mit Außenseite aus Spinnstoff: -14,2% auf 417,2 Mio. Euro; Reisekoffer aus formgepresstem Kunststoff: -35,2% auf 163,3 Mio. Euro).

China bleibt mit einem Anteil von 38,0% am gesamten Wert aller in Deutschland eingeführten Lederwaren das wichtigste Lieferland. Allerdings gingen die Importe im Jahr 2020 um 21,4% auf 1,19 Mrd. Euro zurück.

 

Lederwarenindustrie: Erwartungen für 2021

 

60% der an der HDS/L-Konjunkturumfrage teilnehmenden Betriebe rechnen mit Umsatzrückgängen in der Frühjahr/Sommersaison 2021 von mehr als 30% gegenüber der F/S-Saison 2019. In der Herbst/Wintersaison 2021/2022 gehen 40% der Lederwaren- und Kofferhersteller von Umsatzrückgängen zwischen 21 und 30% aus. Um den Rückgängen entgegenzuwirken, bauen die Hersteller ihre Onlinepräsenz aus und treiben die Digitalisierung im Betrieb voran, so der HDS/L.

Der Verband kritisiert die Politik hart. „Die aktuellen Maßnahmen der Politik verbunden mit unsäglicher Inkompetenz führen zu einem Ausbluten der Innenstädte, des stationären Fachhandels und der Lederwaren- und Kofferindustrie.“ Um dies aufzufangen, fordern die Lederwaren- und Kofferhersteller verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten von Saisonware für Hersteller und ein Nachsteuern bei finanziellen Hilfsmaßnahmen.

Auch wenn die Corona-Pandemie die Nachfrage nach anderen Arten von Taschen und ähnlichen Produkten generiere, entzögen die Corona-Maßnahmen und späten Auszahlungen bei den Überbrückungshilfen die Möglichkeiten in neue, innovative Produkte zu investieren.
 

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Tobias Kurtz / 29.03.2021 - 07:39 Uhr

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