„Stimmung ist angespannt“

Lederwarenindustrie verzeichnet auch 2021 Minus

China bleibt der wichtigste Lieferant für Lederwaren. (Grafik: HDS/L, Quelle: Stat. Bundesamt)
China bleibt der wichtigste Lieferant für Lederwaren. (Grafik: HDS/L, Quelle: Stat. Bundesamt)

Schlechtes erstes Halbjahr 2021 für die deutsche Lederwarenindustrie: Die Branche erzielte geringere Umsätze als im Vorjahreszeitraum.

„Die Stimmung ist angespannt und von Unsicherheit geprägt“, berichtete HDS/L-Hauptgeschäftsführer Manfred Junkert anlässlich der Pressekonferenz im Vorfeld der ILM vom 4. bis 6. September. Der Lockdown bis weit in das erste Halbjahr 2021 ermöglichte keine spürbare wirtschaftliche Erholung gegenüber 2020. Die Verkaufserlöse der Branche gingen noch einmal um 3,5% auf 273,2 Mio. Euro zurück.

Ein Großteil der Verkaufserlöse der Lederwaren- und Kofferhersteller wird in Deutschland erwirtschaftet. Im Zeitraum von Januar bis Juni 2021 ist der Inlandsumsatz gegenüber dem ersten Halbjahr 2020 um 5,1% auf 193,9 Mio. Euro gesunken. Stabil entwickelten sich die Auslandsmärkte. Bei vielen Herstellern habe die existenzbedrohende Situation durch Kurzarbeit und die Sonderabschreibungsmöglichkeit für Saisonware für Hersteller im Rahmen der Überbrückungshilfe III abgewendet werden können.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sind die Erzeugerpreise für Lederwaren um 1,5 Prozent gesunken. „Das zeigt, wie die Branche betroffen war“, so Junkert. Denn die Erzeugerpreise des verarbeitenden Gewerbes insgesamt sind im ersten Halbjahr 2021 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2020 um 4,5 Prozent gestiegen.
 

Lederwarenindustrie: „Chancen im Ausland“

„Die Hertsteller sehen Chancen im Ausland“, so Junkert weiter. Der Export kletterte um 11,8% auf 993 Mio. Euro. Die wichtigsten Abnehmerländer waren im ersten Halbjahr 2021 die Schweiz (+0,2% auf 97,1 Mio. Euro), Frankreich (+13,3% auf 95,2 Mio. Euro) und Polen (-5,1% auf 93,4 Mio. Euro). 
Der Import hat sich dagegen wenig bewegt. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2020 ist im ersten Halbjahr 2021 der Wert der gesamten Einfuhren von Lederwaren, Koffer und Reisegepäck um 0,7% auf 1,54 Mrd. Euro gestiegen.

China war wie im Vorjahreszeitraum das wichtigste Lieferland Deutschlands für Lederwaren und Koffer. Es wurden in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres Waren im Wert von 570 Mio. Euro aus China in Deutschland eingeführt. Dabei ist der Einfuhrwert im Vergleich zum Zeitraum von Januar bis Juni 2020 allerdings um 9,4% gesunken ist. Der Anteil des chinesischen Importwertes am gesamten Importwert von Lederwaren und Koffern in Deutschland ist um vier Prozentpunkte auf 37,1% zurückgegangen. Junkert verwies auf die aufgrund der Corona-Krise teilweise geschlossenen Häfen sowie die steigenden Container-Preise. Von dieser Entwicklung hätten europäische Lieferländler (Italien: +6,7% auf 219 Mio. Euro; Frankreich: +23,6% auf 132 Mio. Euro; Polen: +19,2% auf 54,1 Mio. Euro; Spanien: +22,0% auf 27,1 Mio. Euro), aber auch Indien (+21,8% auf 103,9 Mio. Euro) profitiert. 
Laut den amtlichen Statistiken ist die Beschäftigtenzahl in der Lederwaren- und Kofferindustrie um 15,4% auf 901 Mitarbeiter gesunken. Diese Angaben beziehen sich auf die Betriebe mit 50 und mehr Beschäftigten. Die tatsächliche Zahl der Beschäftigten in der deutschen Lederwaren- und Kofferindustrie schätzt der Verband auf rund 2.700 Personen. In der aktuellen HDS/L Konjunkturumfrage sehen ein Drittel der befragten Hersteller den Fachkräftemangel als ein Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung ihres Unternehmens. 

Rund die Hälfte der Lederwaren- und Kofferhersteller berichten in der aktuellen HDS/L Konjunkturumfrage wieder von einer etwas besseren Entwicklung der Umsätze und Auftragslage sowie bei der Auslastung der Betriebskapazitäten in den vergangen drei Monaten. Für das zweite Halbjahr 2021 erwarten sie eine weitere Verbesserung. So rechnen laut der aktuellen HDS/L Konjunkturumfrage alle befragten Lederwaren- und Kofferhersteller mit einer besseren Umsatzentwicklung und einer besseren Kapazitätsauslastung im zweiten Halbjahr 2021 gegenüber dem 2. Halbjahr 2020. 80% erwarten einen höheren Auftragsstand im zweiten Halbjahr 2021 im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2020.

Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie gibt es verschiedene Risiken, die die wirtschaftliche Entwicklung der Lederwaren- und Reisegepäckhersteller hemmen können. Alle befragten Hersteller sehen laut der aktuellen HDS/L Konjunkturumfrage die Logistik als Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung ihres Unternehmens in den kommenden sechs Monaten an. 80% der Umfrageteilnehmer identifizieren die Entwicklungen auf den Rohstoffmärkten als Risiko für ihr Unternehmen. Jeder dritte Hersteller sieht die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen wie die Bürokratie als Risiko für den Aufschwung an.

„Wir hoffen, im Jahr 2022 wieder das Niveau von 2019 zu erreichen“, so Manfred Junkert abschließend.

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Tobias Kurtz / 05.09.2021 - 15:36 Uhr

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