Sortimentsumstellung

Lisa Volk: „Wieder mehr Mut“

Feines aus dem Schwarzwald bietet Lisa Volk im Lädele Volk. (Foto: Lädele Volk)
Feines aus dem Schwarzwald bietet Lisa Volk im Lädele Volk. (Foto: Lädele Volk)

„Roggenmisch & Fußfetisch“ und „Stoff & Schnaps“ stehen sinnbildlich für die Wandlung, die das Schuhhaus Volk Ende März vollzogen hat. Mit Lädele Volk möchte sich das Traditionshaus neu aufstellen, sagt Geschäftsführerin Lisa Volk im Gespräch mit schuhkurier.

Frau Volk, wie ist es zu der Sortimentsumstellung von Schuh Volk zu Lädele Volk gekommen?
Hier habe ich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Die Erwartungen an stationäre Läden und an das Shoppinggefühl des Kunden haben sich in letzter Zeit stark geändert und weiterentwickelt. Wachsender E-Commerce und Reizüberflutung durch Ware lassen den Kunden abstumpfen. Hier gilt es, unsere Kunden wieder abzuholen und mit neuen und spannenden Sortimenten zum Bummeln und Inspirieren-lassen einzuladen. Ich wollte meine Läden diesbezüglich schon länger umstellen. Die aktuellen Gegebenheiten haben uns nun schneller aktiv werden lassen. Ich hatte das ständige Auf und Zu zwischen Click & Meet, Click & Collect einfach satt. Weder für die Kunden noch für die Mitarbeiter ist dieses Ping Pong-Spiel noch tragbar. Nun können wir nach außen tragen, dass wir unabhängig von Inzidenzen für Lebensmittel und Kinderschuhe immer für unsere Kunden da sind.
 
Medienberichten zufolge hat die Landesregierung Baden-Württemberg den Sortimentsumstellungen den Riegel vorgeschoben, mit der Begründung, dass eine nachträgliche Erweiterung der Sortimentsbreite nicht das gewöhnliche Sortiment widerspiegele. Wie konnten Sie die Umstellung des Sortiments dennoch durchsetzen?
Wir haben unser Gewerbe umgemeldet und den Verkauf von verpackten Lebensmitteln nachtragen lassen. Durch diesen Nachtrag können wir, ohne dass es eine Genehmigung bedarf, in der Corona Verordnung erlaubte Sortimente ganz normal verkaufen. In der letzten Änderung wurde allerdings die Betrachtung von Mischsortimenten geändert. Wenn man 60% des Sortiments mit erlaubten Produkten bewirtschaftet, dürfen die restlichen 40% (nicht erlaubte Sortimentsteile wie Damenschuhe) normal mitverkauft werden. Zuvor war faktisch frei wählbar, ob man die 60% Sortimentsanteil mit einer Flächen- oder Umsatzbetrachtung erzielt. Mit der Fläche war das einfach. Seit letzter Woche ist jedoch nur noch die Umsatzbetrachtung erlaubt. Bis wir eine bessere Lösung gefunden haben, haben wir aktuell für das Lädele Volk (Lebensmittel aus der Region) und Kinderschuhe normal offen. Je nach Inzidenzen verkaufen wir Damen- und Herrenschuhe über Click & Meet oder Click & Collect. Jedoch muss man wirklich sagen, dass die generelle Öffnung der Filialen deutliche mehr Frequenz einspielt und wir deutlich mehr Schuhe auf Bestellung, als Auswahl oder auf sonstigem Wege mitverkaufen. Anfangs hatten wir alle Bereiche uneingeschränkt geöffnet. 
 
Worin besteht Ihre Sortimentserweiterung?
War #kauflokal oder #supportyourlocal jemals präsenter als aktuell? Ich glaube nein…Wir haben uns aus diesem Anlass dazu entschieden, Genuss aus der Region in unser Sortiment aufzunehmen. Produkte, die unmittelbar in der Nähe hergestellt werden. Hierzu konnten wir innerhalb von zwei Tagen zahlreiche Partner finden und bieten nun ein Sortiment aus Wein, Bier, Schnaps/Likör, Pralinen/Schokolade, Wurst und Vesperbrettchen, Mehl, Backmischungen, Konfitüre, Sirup und Säften an. Wir haben in unserer größten Filiale bereits letztes Jahr das Projekt „Schwarzwald Scheune“ gestartet und ein Teil der Ladenfläche geräumt und an kleine Brands und Jung-Designer aus dem Schwarzwald rund um das Thema Fashion, Food und Lifestyle vermietet. Dort sind nun 27 Pop Up Stores mit unterschiedlichen Produkten angesiedelt. 
Den Grundspirit dieser Idee haben wir nun einfach neu interpretiert und auf unser Unternehmen in Eigenregie umgemodelt.
 
Bieten Sie das erweiterte Sortiment an allen Standorten an?
Ja, wir wollten konsequent ins Marketing gehen und haben deshalb direkt alle Filialen umgestellt. Aus Schuh Volk wurde Lädele Volk. 
Wir haben auf Social Media dann versucht, die neuen Sortimentszweige modern vorzustellen und dem Kunden zu erklären, wieso das neue Sortiment so gut zu uns passt. Beispielsweiße „Bier im Shop & Birkenstock“, „Stoff & Schnaps“, „Weinwanderung“, „Click & Meat“, „Roggenmisch & Fußfetisch“… 
 
Wie nehmen die Kunden und Kundinnen das Angebot an?
Wirklich toll. Ich hätte mir dieses Ausmaß an Zuspruch, Lob und Unterstützung, was uns diese Umstellung gebracht hat, niemals erträumen können. Viele Kunden haben aus Solidarität einfach eine Flasche Bier oder Pralinen gekauft. Wir sind auch deutlich besser frequentiert, da wir nun Sortimentszweige im Laden haben, die den Kunden öfters anlocken. Und wenn die Kunden dann schon mal im Laden sind, machen wir gerne einen Spontan-Termin zum Schuhe shoppen oder geben eine Auswahl mit.  
 
Und die Branche?
Wurde durch Blum & Jundt in Emmendingen deutlich aktiver diesbezüglich. Jedoch höre ich in vielen Telefonaten, dass die Änderung der Verordnung etliche Händler, die ihr Sortiment umgestellt haben zur Resignation treibt…Schade, dass dieser Tatendrang (in der so wichtigen Osterwoche!) von unserer Landesregierung gebremst wurde.
 
Welche Resonanz hat Ihre Aktion bislang hervorgebracht?
Für Kunden und Mitarbeiter kommt ein Stück Normalität und Freude im Alltag zurück. Für meine Familie und mich, wieder mehr Mut zu kämpfen, flexibel zu bleiben und sein Schicksal auch weiterhin, so gut wie möglich, in die eigenen Hände zu nehmen. 
 
Angenommen, der Schuheinzelhandel darf wieder flächendeckend öffnen: Werden Sie die Sortimentserweiterung wieder rückgängig machen?
Nein, dafür haben wir viel zu wenig Erfahrungswerte gesammelt. Wir werden unserem Concept Store selbstverständlich auch bei „Regelbetrieb“ die Chance geben die Performance zu beweisen. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass das ein großer Benefit für den Kunden ist und uns auch langfristig deutlich mehr Frequenz, gerade in saisonschwachen Zeiten, bringt. Aber vermutlich wird der Non-Shoe Bereich, dann nicht mehr dieses enorme Flächenausmaß bekommen wie aktuell.

 

Das Interview finden Sie in der aktuellen Ausgabe von schuhkurier.

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Laura Klesper / 15.04.2021 - 15:28 Uhr

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