Interview mit Alexander Nicolai

„Lowa ist gefragt“

Lowa-CEO Alexander Nicolai (Foto: Lowa)
Lowa-CEO Alexander Nicolai (Foto: Lowa)

Wie kommt Lowa durch die Krise? Und welche Rolle spielt der stationäre Handel für die Outdoor-Marke? schuhkurier sprach mit Lowa-CEO Alexander Nicolai.

Das Thema Outdoor gehört aktuell zu den Erfolgsthemen im Handel. Ist Lowa ein Gewinner der Corona-Krise?

Lowa hatte im vergangenen Jahr wie viele andere Unternehmen mit Umsatzeinbußen zu kämpfen, allerdings hat sich das Geschäft nach dem Ende des ersten Lockdowns im vergangenen Frühjahr rasch erholt. Auch im laufenden Jahr sind wir weiter auf einem guten Weg. Lowa ist momentan gefragt, weil Outdoor und Wandern im Zuge der Krise einen Aufschwung erfahren haben. Insofern stehen wir sicher gut da, aber die Bezeichnung Gewinner geht mir zu weit.

Wie hat Lowa das Jahr 2020 abgeschlossen?

Der Umsatz ist leicht zurückgegangen, allerdings war 2019 auch das beste Jahr in der Lowa-Geschichte. Die Vorgabe lag also sehr hoch. Der stationäre Fachhandel ist unser wichtigster Vertriebskanal und gerade diese Händler konnten im vergangenen Frühjahr aufgrund des Lockdowns so gut wie keine Umsätze erzielen. Ab Mai lagen die Verkäufe dann zwar über dem Niveau unseres Rekordjahres, aber letztlich hat das nicht ausgereicht, um den Rückgang aus den Monaten März und April aufzuholen. 

Lowa ist ein internationales Unternehmen. Gab es Unterschiede zwischen den verschiedenen Märkten?

Lowa ist in 75 Ländern aktiv. Die Ergebnisse waren sehr unterschiedlich, von sehr gut bis schlecht. In der DACH-Region, in Benelux und auch in den USA lief das Geschäft erfreulich gut, während es in Märkten wie Kanada, Großbritannien und Frankreich eher schwierig war. 

Und aktuell…?

Wir befinden uns auf einem guten Kurs. Das ist ein Stück weit erstaunlich, da wir uns ja immer noch im Lockdown befinden. Die Händler bereiten sich aber anscheinend auf die Zeit danach vor und ordern Ware. Ich bin optimistisch, dass auch künftig der Urlaub in Deutschland attraktiv bleiben wird und damit auch Wanderschuhe weiterhin gefragt sein werden. Zugleich ordern bereits jene Händler umfangreich nach, die in den vergangenen Monaten ihr Online-Business ausgebaut und über diesen Kanal auch in den vergangenen Wochen gute Abverkäufe erzielt haben. Wir können uns nicht beklagen. 

Wie haben Sie das vergangene Jahr erlebt?

Es war ein total verrücktes Jahr mit Lockdown, Homeschooling und ganz viel Home Office. Komplett unvorbereitet hat uns der Lockdown im Übrigen nicht getroffen, da unser chinesischer Partner uns bereits frühzeitig über die Vorgänge in China informiert hat. Als dann auch hier in Europa die ersten Fälle aufgetreten sind, haben wir sehr schnell ein Hygienekonzept erarbeitet und alle Mitarbeiter mit Laptops für das Home Office ausgestattet. So haben wir den Betrieb sehr schnell anpassen können. Das hat gut funktioniert. Ein Vorteil war auch, dass wir nur in Europa produzieren. So konnten wir die Produktion lange aufrechterhalten, bis dann aber doch die Materiallieferungen aus Italien nicht mehr pünktlich kamen und wir die Fabrik drei Wochen lang schließen mussten. 

Gab es für Sie persönlich ein besonders einprägsames Erlebnis?

Ich bin Wochenend-Pendler und fahre zwischen Konstanz und Jetzendorf hin und her. Montagsmorgens herrscht auf der Autobahn in der Regel bereits Betrieb, speziell rund um München. Ich kann mich jedoch noch an eine Fahrt im März 2020 erinnern, als die Straßen wie leergefegt waren. Fast keine Autos, kaum ein LKW – das hatte was von Weltuntergang. Die gesamte Situation war gespenstisch, beeindruckend und vorher einfach unvorstellbar.

Wie lief die Zusammenarbeit mit dem Handel?

Als der Lockdown kam, haben wir unseren Partnern zügig verlängerte Zahlungsziele oder eine verzögerte Auslieferung angeboten und gegebenenfalls auch Warenrücknahmen oder Stornierungen von Aufträgen. Wir haben so versucht eine gute Unterstützung zu bieten. Auf diese Maßnahmen haben wir ein sehr positives Feedback erhalten. Lowa steht für einen guten Kundenservice und dieses Angebot haben wir in den zurückliegenden Monaten jederzeit aufrechterhalten. Wir sind jederzeit erreichbar und für konstruktive Lösungen gesprächsbereit. Im Übrigen war die ganze Branche, also Handel und auch die Industrie, meinem Empfinden nach auf die zweite Welle und den zweiten Lockdown wesentlich besser vorbereitet.

Welche Folgen hat die Krise für den Konsum?

In der Tat wirft die Pandemie Fragen zum Konsumverhalten auf. Viele Menschen haben sich die Frage gestellt: „Was brauche ich wirklich?“ Eine Erkenntnis der Corona-Krise ist ganz sicher, dass das Materielle zwar wichtig ist, aber die sozialen Beziehungen eigentlich entscheidend sind. Ich bin daher zwar einerseits zuversichtlich, dass der Konsum künftig wieder deutlich anziehen wird, aber zugleich bin ich auch skeptisch, ob wir wieder das Niveau von vor der Krise erreichen werden. 

Die aktuelle Orderrunde findet ohne Messen statt. Vermissen Sie den persönlichen Kontakt zu Ihren Kunden?

Ja, die Messen und der persönliche Kontakt fehlen uns sehr. Die Treffen von Industrie und Handel sind wichtig, daher bin ich generell ein Befürworter von Messen. Der Mensch ist ein soziales Wesen und Geschäfte basieren immer auf Beziehungen. Von den reinen Geschäftszahlen her macht der Ausfall der Messen allerdings momentan keinen großen Unterschied für uns. Die Nachfrage nach Lowa ist so hoch, dass wir auch ohne Veranstaltungen durch die Orderrunde kommen. Schön ist das allerdings nicht! Wir haben mit dem Schuh ein Produkt, das man gerne anfassen und spüren möchte – und das ist über Videopräsentationen eben nicht möglich. 

Ein Händler beschriebt Lowa kürzlich im persönlichen Gespräch als „den neuen Camel“ und meinte damit einen absolut verlässlichen Bestseller. Können Sie mit diesem Kompliment etwas anfangen?

Komplimente nehme ich immer gerne entgegen! Aber Spaß beiseite: Es ist tatsächlich unser Ziel, dem Handel Verlässlichkeit und Bestseller-Produkte zu bieten. Als Outdoor-Marke verfolgen wir  einen anderen Produktlebenszyklus als modisch ausgerichtete Lieferanten. Viele unserer Modelle sind vier, sechs, acht oder auch zehn Saisons in der Kollektion. Wir versuchen Produkte zu entwickeln, die nachhaltig erfolgreich sind. Das haben wir bereits in vielen Segmenten wie z.B. im Wanderschuh-Bereich geschafft aber auch im leichten Multifunktionssegment und bei den Kinderschuhen. Dieser Ansatz ist für die Händler interessant, weil sie dadurch weniger Abschriften und eine bessere Lagerhaltung haben. Auch vor diesem Hintergrund sind wir heute für den einen oder anderen interessanter als vor der Krise. Zudem haben wir Lowa in den vergangenen Saisons jünger und moderner ausgerichtet, ohne dabei unsere Basis zu verlassen. Unsere Zielgruppe ist damit breiter geworden. Diese behutsame Weiterentwicklung werden wir auch künftig vorantreiben und haben dazu bereits einige spannende Produktinnovationen in Vorbereitung.  

Sie sagen, der stationäre Handel sei ihr wichtigster Vertriebskanal. Bleibt es dabei?

Ja, das wird auch in der Zukunft so sein. Wir bieten Schuhe für alle Einsatzbereiche vom Bergschuh bis zum Freizeitbereich mit verschiedenen Passformen, die einer guten Beratung bedürfen. Allerdings wächst der E-Commerce und die Nachfrage der Onliner nach Lowa nimmt ebenfalls zu. Unsere erste Priorität liegt aber eindeutig weiter auf einem qualitativ guten Verkauf, den der stationäre Handel am besten bieten kann. Unser übergeordnetes Ziel ist es immer, positive Marken-Erlebnisse zu schaffen. Das gilt für den Endverbraucher ebenso wie für die Kunden im Handel. 

Händler berichten allerdings aktuell von Lieferproblemen…

In unserer eigenen Produktion in der Slowakei gab es einige Corona-Fälle, so dass dort das Personal nur eingeschränkt zur Verfügung stand. Daraus ergab sich ein leichter Rückstand, den wir aber in Kürze wieder ausgeglichen haben werden. Die Nachfrage nach Lowa ist aktuell hoch und wir tun alles, um diese mit den bestehenden Kapazitäten zu bedienen. 

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Helge Neumann / 26.03.2021 - 08:55 Uhr

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