Schuhe Körner in Bruchsal

Mit Kuration und Nähe

Seit rund vier Jahren betreiben Alexander und Dorina Körner das Schuhhaus „Schuhe Körner“ in Bruchsal. (Foto: Schuhe Körner)
Seit rund vier Jahren betreiben Alexander und Dorina Körner das Schuhhaus „Schuhe Körner“ in Bruchsal. (Foto: Schuhe Körner)

Nach mehreren internationalen Stationen als Filialleiter baute sich Alexander Körner gemeinsam mit seiner Frau Dorina in Bruchsal ein eigenes kleines Schuhhaus auf. Manches verlief zunächst anders als geplant, doch heute entspricht der Laden ganz den Vorstellungen des Gründerpaares.

„Jeder Schuh braucht Platz zum Leben.“ Das ist, wie er selbst erklärt, für Schuhhändler Alexander Körner das Wichtigste. Sowohl in seinem Online-Shop als auch in seinem stationären Geschäft Schuhe Körner in Bruchsal soll diese Philosophie zu sehen sein und jeder Schuh im Sortiment einen prominenten Platz erhalten. Im Online-Shop wird jedes Modell individuell beschrieben; in den persönlichen Beschreibungstexten werden Empfehlungen ausgesprochen, ein passendes Outfit zum Schuh vorgeschlagen oder erklärt, warum gerade dieser Schuh ins Sortiment aufgenommen wurde. In der Filiale gibt es auf der Fläche statt aneinandergereihten Paaren oder gestapelten Schuhkartons ein oder zwei Präsentationsexemplare von jedem Schuh, die wie in einer Ausstellung gezeigt werden. Insgesamt werden auf der 210 qm großen Fläche neun Herren- und zehn Damenschuhmarken angeboten. Die Marken für den Mann reichen von Melvin & Hamilton und Nero Giardini bis hin zu Marc O’Polo. Für Frauen hält man Modelle von Paul Green und Kennel & Schmenger sowie Tommy Hilfiger bereit. Die Schuhe sollen modisch und interessant sein, doch soll nicht der Eindruck geweckt werden, dass Mainstream-Marken abgelehnt würden, nur um einem Image zu entsprechen.

 

Als kleines Team näher an der Kundschaft

Schuhe Körner gibt es nun seit rund vier Jahren. Damals entschieden sich Alexander Körner und seine Frau Dorina dazu, sich selbstständig zu machen, nachdem er als Filialleiter Schuhgeschäfte in Deutschland, Österreich, Frankreich und dem Vereinigten Königreich geleitet hatte: „Ich hatte das Gefühl, wenn ich mich jetzt nicht selbstständig mache, werde ich das auch später nicht mehr tun“, sagt der Unternehmer. Er bereut diesen Schritt nicht, auch wenn heute alles etwas kleiner ausfällt als früher – auch kleiner als es vor vier Jahren geplant war.

Man sei bei der erwarteten Menge an Kunden etwas naiv gewesen und habe ein größeres Team aufgebaut, resümiert Körner. Heute hat das Ehepaar neben der helfenden Tochter Valentina – die im Teenageralter nicht mehr nur Glitzerschuhe empfiehlt – nur noch eine Mitarbeiterin und ist fast immer selbst auf der Fläche. Doch das sieht Alexander Körner mittlerweile als Stärke. Er habe die Stammkundschaft, die rund 40 bis 50% der Kundinnen und Kunden ausmacht, in der Zeit gut kennenlernen können. Man trinkt Kaffee zusammen, und, wenn etwas mehr Zeit zur Verfügung steht, auch Whiskey. Die Körners kennen den Geschmack der Kunden – und die Kundschaft hat einen Laden, zu dem sie eine persönliche Beziehung aufgebaut hat.

Schuhhändler als Kurator

Im Laden sollen nur Schuhe stehen, die Alexander und Dorina Körner auch wirklich interessant finden, und so bevorzugen sie statt dem emsigen Messetreiben lieber private Treffen in Showrooms, wo sie sich in Ruhe auch mal in den hinteren Regalen nach Geheimtipps umgucken. Die wichtigste Aufgabe eines Schuhhändlers sieht Alexander Körner vor allem in der Kuration: „Natürlich können die Kunden jeden Schuh auch einfach online kaufen“, stellt er klar. Deswegen wolle er Schuhe präsentieren, von denen die Kundinnen und Kunden noch gar nicht wussten, dass sie ihnen gefallen würden. Er schaue sich im Showroom teilweise auch gezielt nach Modellen um, die einem bestimmten Stammkunden besonders gut passen können. Manchmal mache er sich unter die Kasse auch schon Merkzettel dafür, welchen Schuh er welcher Stammkundin im nächsten Winter oder nächsten Sommer empfehlen könne. Auch bei der Auswahl innerhalb einer Marke werde gezielt eingekauft, was gut zu den Stärken des Herstellers passt. Man wolle für die Kundschaft herausarbeiten, welche Marke einen bestimmten Zweck besonders gut erfüllt oder für einen Stil besonders gut passt, so das Händlerpaar.
Mit diesem Prinzip über die Runden kommen und auch in der Pandemie weitermachen zu können, ist für Alexander Körner ein Luxus, für den es sich lohnt, an anderen Stellen sparsamer zu sein. Um die Fixkosten zu reduzieren und damit nicht unter Druck zu stehen, irgendwelche Schuhe anzubieten, weil man das Geld aus dem Abverkauf benötigt, kam alles auf den Prüfstand: „Bei jeder Ausgabe haben wir überlegt: Brauchen wir die und wollen wir die?“, fasst Alexander Körner zusammen. Alles, was selbst gemacht werden kann, wird selbstgemacht. So werden auch einmal in der Woche die großen Schaufenster geputzt, damit die monatlich von Dorina Körner neu gestaltete Dekoration gut rüberkommt. Während der Lockdowns habe man allerdings kaum noch Möglichkeiten zum Einsparen gefunden, erinnert sich Körner.

Auch ein Blickfang im Angebot bei Schuhe Körner hat durch die Umstände der Pandemie seinen Weg ins Sortiment gefunden und ist nun eine beliebte Spezialität, die beim Besuch im Schuhladen gerne mitgenommen wird: Zwischen Taschen und Schuhen finden sich auch Weinflaschen in den Regalen. Die aus einem georgischen Gut stammenden Weine wurden zufällig von Alexander Körners Bruder mitgebracht, der sie beruflich importiert und aufgrund der Umstände einige Flaschen übrighatte. Der Wein wurde gemeinsam probiert, für gut befunden und spontan ins Sortiment aufgenommen. Die in Westeuropa nur selten erhältlichen Produkte aus der entlegenen Weinregion und die schöne Geschichte dahinter seien gut angekommen. Sogar französische Kundinnen und Kunden habe man von der georgischen Winzerkunst überzeugen können, erklärt Körner. Mit Blick auf die Zukunft hat sich das Ehepaar schon Gedanken über besondere Veranstaltungen auf der Fläche gemacht. Zwischen der Aufbauphase und dem Beginn der Pandemie habe es kaum eine ruhige Phase im Betrieb des Schuhhauses gegeben, in der man so etwas hätte erarbeiten können. Für den kommenden Sommer hofft das Ehepaar Körner daher, Feste mit der Stammkundschaft feiern oder Wein-, Kaffee- und Whiskey-Verkostungen im Schuhhaus veranstalten zu können.

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Christopher Mastalerz / 22.10.2021 - 15:30 Uhr

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