„Der differenzierte Eingriff ist besser als der Holzhammer“

Mittelstandsverbund fordert Ende der „Sippenhaft“

Eckhard Schwarzer (Foto: MIttelstandsverbund)
Eckhard Schwarzer (Foto: MIttelstandsverbund)

Der Mittelstandsverbund fordert eine Nachbesserung der Methode zur Nachverfolgung des Infektionsgeschehens. Dies sei angesichts der „maßlosen Schäden“ für den Mittelstand zwingend notwendig. 

Mit einer Rekordzahl von weit über 1.000 täglichen Todesfällen in Verbindung mit Corona-Viren und keinem absehbaren Ende des Mitte Dezember angeordneten zweiten Lockdowns wird laut dem Mittelstandsverbund deutlich, dass die bisherige Strategie keine echten Perspektiven schaffe. Die frühe Marktreife von Impfstoffen sei zweifelsfrei ein Segen in längerfristiger Betrachtung. Zu einer schnellen Eindämmung der aktuellen Entwicklungen verhelfe sie hingegen nicht. 

Mit einschneidenden Regelungen der Politik über Abstand, Bewegung und Hygieneverhalten sowie auch massive Restriktionen für Bildung Kultur, Messe- und Eventanbieter, Gastronomie und Hotellerie, lokale Händler, Handwerker und Dienstleister wurde die Verbreitung des Virus systematisch bekämpft, heißt es weiter seitens des Verbands. Sofern diese Maßnahmen einer nachvollziehbaren Logik folgten, fanden sie auch große Akzeptanz in der Bevölkerung und bei den Unternehmen. Nach nunmehr zehn Monaten Pandemie in Deutschland und der regelmäßigen Verlängerung und weiteren Verschärfung des Lockdowns mache sich jedoch Unmut breit. Denn mit der einseitigen Konzentration von Ressourcen und politischem Fokus auf vorbeugenden Verhaltensregeln und Impfen sei versäumt worden, das Wissen über die eigentlichen Ansteckungswege zu verbessern.

„Doch gerade mit dem Verweis auf das diffuse Geschehen begründet die Politik das ’Gießkannenprinzip’ der Lockdown-Maßnahmen, mit denen sie Bevölkerung und Wirtschaft weiterhin flächendeckend an die Kandare nimmt. Mit unabsehbaren besorgniserregenden Folgen“, so Präsident Eckhard Schwarzer. „Können wir nicht mit den bereits gegebenen Möglichkeiten lernen, das Infektionsgeschehen besser zu verstehen, um es dann punktuell gezielter und damit insgesamt erfolgreicher zu bekämpfen? Ist der differenzierte Eingriff nicht besser als der Holzhammer für alle?“ Das seien die Fragen, die Schwarzer zunehmend umtreiben.

„In der Wirtschaft wissen wir längst um die Überlegenheit datenbasierter Systeme. Warum kümmern wir uns nicht um die konsequente Erhebung solcher Daten? Hier spreche ich insbesondere die Schnelltests an, von denen immer noch viel zu wenige angewendet werden. Über regelmäßige Tests, und zwar überall da, wo Menschen zusammenleben oder zusammenkommen, ob in Schulen, in Kitas, in Kultureinrichtungen, in Verkehrsmitteln, auf den Arbeitsplätzen oder im privaten Kreis, lässt sich das Infektionsgeschehen mit einem hohen Grad an Genauigkeit verfolgen.“

„Müssten wir nicht“, so Schwarzer weiter, „viel systematischer Krankheitsverläufe, Patientenkonstitution und Vorerkrankungen beobachten und auswerten, um beispielsweise neben gezielter Ursachenforschung auch wirksame Medikamente zur Linderung und Bekämpfung der lebensbedrohlichen Symptome entwickeln zu können? Natürlich müssen diese Forschungsergebnisse dazu in digitalen Systemen erfasst und analysiert werden, um damit zeitnah zielgerichtete Maßnahmen durchführen zu können. Deutschland ist führend in der Anwendung von KI. Wann, wenn nicht jetzt sollten wir diese Expertise zum Nutzen der Bevölkerung und der Volkswirtschaft einsetzen? Zur Entwicklung einer klugen Strategie ist es nun mal unerlässlich, mehr über den Einzelinfektionsfall zu wissen, indem später zu anonymisierende Daten wie zum Beispiel Alter, Geschlecht, Beruf, Bildungsgrad, Wohnort, Familienstand, Vorerkrankungen, bisheriger Impfstatus etc. miterfasst werden. Nur so überwinden wir den Zustand, den immer mehr Menschen als eine Art „Sippenhaft“ empfinden.“

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Helge Neumann / 15.01.2021 - 13:28 Uhr

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