Prüfinstitut

Oeko-Tex passt Prüfkriterien an

Oeko-Tex-Generalsekretär Georg Dieners (Foto: Samuel Trümpy)
Oeko-Tex-Generalsekretär Georg Dieners (Foto: Samuel Trümpy)

Zum Jahreswechsel hat Oeko-Tex die bestehenden Anforderungen sowie die geltenden Prüfkriterien und Grenzwerte für Zertifizierungen und Services aktualisiert. Das betrifft auch Lederprodukte. 

Mit mehr Transparenz in eine nachhaltigere Zukunft – mit diesem Leitgedanken setzt sich Oeko-Tex nach eigenen Angaben für ein verantwortungsvolles Handeln von Unternehmen und Konsumenten in der Textil- und Leder-Welt ein. Dazu gehörten vor allem auch Prüf- und Zertifizierungsprozesse hinter den Oeko-Tex Standards, die den an der Produktion von Textilien und Lederartikeln beteiligten Unternehmen der textilen Kette Sicherheit geben können. Die Standards sollen in Summe wiederum ein Höchstmaß an Verbraucherschutz und Nachhaltigkeit von Textilien und Lederprodukten gewährleisten. Zu Jahresbeginn aktualisiert Oeko-Tex die bestehenden Anforderungen sowie die geltenden Prüfkriterien und Grenzwerte für ihre Zertifizierungen und Services. Alle Neuregelungen treten nach einer Übergangsfrist am 1. April 2021 in Kraft. „Ziel der Oeko-Tex Association ist es, Kunden und Partnern die bestmöglichen Dienstleistungen und Zertifizierungen zu bieten. Aus diesem Grund werden die Prüfkriterien der Oeko-Tex Standards mindestens einmal jährlich auf Basis neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse oder gesetzlicher Vorgaben aktualisiert. Ein besonderes Projekt im Jahr 2021 wird die Integration des CO2- und Wasser-Fußabdrucks in unser Made in Green Label sein“, erklärt Generalsekretär Georg Dieners. 

Die wichtigsten Änderungen und Neuerungen im Überblick

In Zeiten des Klimawandels und der Verknappung von Rohstoffen entwickelt sich eine steigende Nachfrage nach Mode und textilen Produkten, die aus bereits verwendeten Materialien hergestellt sind. Oeko-Tex hat einen Ansatz entwickelt, um im Rahmen des Standard 100 by Oeko-Tex künftig Recyclingmaterialien zu integrieren. Dieser einheitliche Ansatz fordert eine Mindestmenge an Recyclingmaterial, verschiedene Testprogramme je nach Herkunft des Materials und die Definition der benötigten Hintergrundinformationen. Ein Hangtag informiert und klärt Verbraucher über Recycling im Sinne der Kreislaufwirtschaft auf. Recycelte Materialien sind jedoch schwer zu zertifizieren. Sie haben durch ihre vorherige Verwendung besondere Anforderungen und unterscheiden sich im Zertifizierungsprozess signifikant von dem des üblichen Neumaterials. Daher sind spezielle Kriterien für die Zertifizierung dieser Materialien nach Standard 100 by Oeko-Tex entwickelt worden und erhalten somit auch eine besondere Erwähnung im Zertifikatsumfang. 

Leather Standard by Oeko-Tex - chrom- und metallfrei gegerbtes Leder 

Im Rahmen des Leather Standard by Oeko-Tex zertifizieren die Oeko-Tex Partnerinstitute künftig auch chrom- und metallfrei gegerbtes Leder. Diese Naturprodukte werden auf Gerbmetalle mit unterschiedlichen Grenzwerten geprüft und erhalten eine besondere Erwähnung im Zertifikatsumfang. 

Zertifizierungen immer gefragter

Das nachhaltige Label für Textilien und Lederartikel Made in Green by Oeko-Tex ist erneut das wachstumsstärkste Oeko-Tex Produkt. Die Anzahl gültiger Label stieg im Vergleich zum Vorjahr um 267% von 1.093 auf nun 4.010 an (Stand 31.12.2020). Zielsetzung von Oeko-Tex für 2021 ist die systemische Integration von CO2- und Wasser-Fußabdruck in das Made in Green Label. Dies ermöglicht Konsumenten, sich bei jedem Textilprodukt direkt per Scan des Etiketts zu informieren und zu erfahren, welche Auswirkungen die Herstellung des jeweiligen Artikels auf unsere Ökosysteme hat.

Virtual Audits 

Oeko-Tex hat aufgrund von Reise- und Kontaktbeschränkungen durch Covid-19 virtuelle Begehungen von Betriebsstätten eingeführt. Dies betrifft sowohl Begutachtungen für Standard 100 und Leather Standard by Oeko-Tex als auch virtuelle Vor-Ort-Besuche für Step und Eco Passport Zertifizierungen.

Neuerungen in den Grenzwertkatalogen

Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) sind Industriechemikalien, die hauptsächlich in Beschichtungen von Textilien wie Outdoor-Kleidung eingesetzt werden. Aufgrund einer aktuellen Risikobewertung der EU hat auch Oeko-Tex seine Grenzwerte für PFOA (Perfluoroctansäure) und Salze sowie PFOA-verwandte Substanzen geändert. Im Eco Passport by Oeko-Tex wurde Titandioxid (TiO2) zum CAS-Nummern-Screening für Partikel mit lungengängiger Größe hinzugefügt. In diesem Zusammenhang wurde die Step by Oeko-Tex MRSL ebenfalls um Titandioxid (TiO2) für Partikel in lungengängiger Größe erweitert. Oeko-Tex hat gemeinsam mit einem ZDHC Expertenteam ein erstes ZDHC White Paper über Luftemissionen veröffentlicht. Im Zuge der Harmonisierung hat Oeko-Tex die Grenzwerte von Schwefeldioxid (SO2) für Luftemissionen fester und flüssiger Brennstoffe im Rahmen von Step by Oeko-Tex verschärft. Insgesamt führen die strengen Anforderungen für Rückstände in textilen Materialien auch zu einer geringeren Belastung von Umwelt, Arbeitnehmern und Verbrauchern. Neu unter Beobachtung Oeko-Tex nimmt auch 2021 diverse Substanzen aufgrund von neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen bzw. Konformität mit einschlägigen Vorgaben neu unter Beobachtung. Dies betrifft vor allem einige neue, als SVHC eingestufte Substanzen, die, nach der REACH-Verordnung zum Schutz der menschlichen Gesundheit und Umwelt, mit besonders gefährlichen Eigenschaften identifiziert worden sind. Dazu gehören Diisocyanate, die über Hautkontakt und Inhalation allergische Reaktionen auslösen können. Auch die chemischen Verbindungen Dibutyltin bis(acetylacetonate), 2-Methylimidazol sowie 1- Vinylimidazol werden künftig genau unter die Lupe genommen. 

Interessierten steht ein kostenloses Webinar mit detaillierten Informationen zu allen Oeko-Tex Neuregelungen am 14. Januar 2021 über die Webseite www.oeko-tex.com zur Verfügung. Die Neuregelungen 2021 sind für alle Oeko-Tex Produkte im Detail über die Oeko-Tex Website www.oeko-tex.com/aktuelles abrufbar.

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Helge Neumann / 06.01.2021 - 09:11 Uhr

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