Ringschuh, ANWR Garant Austria und Salamander

Österreichs Handel im Lockdown: „Wir sind Kämpfer!“

Georg Schachl, Geschäftsführer der ANWR Garant Austria (Foto: ANWR Group)
Georg Schachl, Geschäftsführer der ANWR Garant Austria (Foto: ANWR Group)

Nichts geht mehr in der Alpenrepublik. Der seit dem 22. November geltende Lockdown sorgt für massive Umsatzeinbrüche. Dennoch ist der Handel entschlossen, das Beste aus der Situation zu machen. schuhkurier sprach mit Verbänden und Händlern.

Überraschend kam der Lockdown nicht: „Die Ringschuh-Händler haben angesichts des Infektionsgeschehens schon seit einiger Zeit erwartet, dass ein harter Lockdown kommen könnte“, berichtet Wilfried Harml, Geschäftsführer der Verbundgruppe, gegenüber schuhkurier. Nach einem beinahe sorgenfreien Herbst mit guten Umsätzen sorgten massiv steigende Infektionszahlen im November für Handlungsbedarf. Die getroffenen Maßnahmen – zunächst 2G im Handel – wirkten sich allerdings schlagartig aus. „Die Stimmung im österreichischen Schuheinzelhandel war bis zur 1. Novemberwoche sehr gut. Im Oktober lagen die Umsätze sogar über denen in 2019. Dann kamen der Lockdown light und die Einführung von 2G. Das haben die Händler sofort gemerkt: Die Frequenz ließ unmittelbar nach“, so Georg Schachl, Geschäftsführer der ANWR Garant Austria.
Kurz vor dem nahenden Lockdown nutzten aber offensichtlich viele Verbraucherinnen und Verbraucher noch die Gelegenheit zum Shoppen: „Weil die jüngsten politischen Entscheidungen absehbar waren, haben wir an etlichen unserer Standorte in Österreich eine Tendenz zu Vorratskäufen wahrgenommen. Die Umsätze waren vor dem Lockdown insgesamt recht ordentlich. Offenbar haben sich die Menschen noch mit neuen Schuhen eindecken wollen“, schildert Patrick Röseler, CEO der Ara Shoes AG, die in Österreich 45 Standorte (je zur Hälfte das Preiswertkonzept Delka und Salamander-Fachgeschäfte) unterhält. Das bestätigt auch der Ringschuh-Chef: Am Wochenende vor dem Lockdown habe man „sehr, sehr gute Umsätze in den Geschäften“ erreichen können.
Bitter für den Handel ist aus Sicht Harmls, dass die derzeitige Witterung eine gute Nachfrage ermöglichen würde: „Gerade jetzt gibt es erste Schneefälle in Teilen Österreichs. Damit einher geht ein Riesenbedarf an Winterschuhen, gerade auch für Kinder. Insofern wäre 2G für den Handel eindeutig besser – damit könnten die Händler diesen Bedarf bedienen.“

Immerhin: „Mit dem nun eingeführten harten Lockdown werden auch wieder Hilfen bereitgestellt. Diese sind grundsätzlich gut und auch schnell und treffsicher. Dem Handel wurde zugesagt, dass die gleichen Hilfen wie im dritten Lockdown gewährt werden“, ist Georg Schachl sicher. Dennoch: Jede Woche, in der die Geschäfte geschlossen sind, fehle im Verkauf. Und damit nicht genug: „Je nachdem, wie lange der Lockdown dauern wird, kommen aber andere Probleme auf die Schuhhändler zu: Die Geschäfte und auch die Läger sind gut gefüllt. Bei einer zu langen Schließung der Läden wird es spätestens im Januar massive Abverkäufe geben müssen – einhergehend mit erheblichen Margenverlusten.“

Insgesamt geben sich die Handelsverbände optimistisch: „Aktuell ist die Stimmung nicht so schlecht wie im Vorjahr. Wir haben gelernt, mit diesen Bedingungen zurechtzukommen. Trotzdem ist die Situation besorgniserregend. Wir werden alles daransetzen, unsere Händlerinnen und Händler im Hinblick auf die Services zu beraten, die jetzt möglich sind, z.B. Click & Collect oder Werbung, Aktionen und Informationen über Social Media. Immerhin haben viele Händler ihren Einkauf stark reduziert oder auch durch Lieferprobleme Teile der Ware gar nicht erst bekommen, so dass der Warendruck nicht extrem hoch ist“, berichtet Wilfried Harml aus Sicht der Ringschuh, zu der in Österreich 140 Handelsunternehmen mit 220 Standorten gehören. 

Auch bei der ANWR Garant Austria mit 160 Mitgliedsunternehmen und rund 300 Verkaufsstellen zeigt man sich entschlossen: „Wir sind Kämpfer. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer versuchen jetzt, das Beste aus der Situation zu machen. Es gibt schon erste Aktivitäten im Bereich Click & Collect und andere Services. Das sind aber natürlich nur Tropfen auf dem heißen Stein. Trotzdem: Wir werden das schaffen“, so Georg Schachl. Die aktuelle Ankündigung, den harten Lockdown bis zum 12. Dezember laufen zu lassen und danach 2G einzuführen, könne für den stationären Handel hilfreich sein, so der ANWR Garant-Chef. „Wir rechnen damit, dass es dann bis Weihnachten zu deutlich spürbaren Nachholeffekten kommen wird. “ Dem stimmt auch Patrick Röseler zu: „Wir gehen aktuell davon aus, dass die Schließung der Geschäfte, wie angekündigt, Mitte Dezember enden wird. Dann wäre noch Zeit für Nachholkäufe. Der Dezember ist nicht unbedingt ein Schuhmonat. Wenn ein solcher Lockdown im Oktober verordnet worden wäre, hätte das wesentlich größeren Schaden verursacht.“

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Petra Steinke / 22.11.2021 - 12:58 Uhr

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