„Ein Silberstreif“

Offenbacher Lederwaren-Restart

Restart nach 18 Monaten: Vom 4. bis 6. September traf sich die Lederwarenbranche erstmals wieder auf der ILM in Offenbach. (Foto: Messe Offenbach / Jessica Schäfer)
Restart nach 18 Monaten: Vom 4. bis 6. September traf sich die Lederwarenbranche erstmals wieder auf der ILM in Offenbach. (Foto: Messe Offenbach / Jessica Schäfer)

Eine besondere Messe in besonderen Zeiten: Vom 4. bis 6. September fand erstmals nach 18 Monaten wieder die ILM in Offenbach statt.

„Der Neustart hat hervorragend funktioniert“, freut sich Arnd Hinrich Kappe, Geschäftsführer der Messe Offenbach, über die Frequenz während den Messetagen. „Man spürt förmlich, dass das Publikum die ILM braucht und glücklich ist, dass wir wieder stattfinden können“, so Kappe weiter.

Insgesamt nahmen 207 Aussteller an der ILM teil – knapp 100 weniger als in der Vor-Corona-Zeit. Die Anbieter belegten 77 Prozent der Fläche, berichtete der Messegeschäftsführer im Vorfeld der Messe. Aufgrund der coronabedingten Einreise- und Quarantäne-Regeln könnten einige Unternehmen nicht an der Messe teilnehmen.

Besucher aus 27 Ländern nutzten die Messe, um ihre Order für Frühjahr/Sommer 2022 zu treffen, teilte die Messe Offenbach mit. Damit sei der internationale Anteil trotz Corona bedingter Reiseeinschränkungen bei fast 20 Prozent gelegen.

Soweit die Zahlen. Über die Stimmung in den Hallen sagen sie jedoch nichts aus. „Alle, die hier sind, sind guter Dinge. Ich bin begeistert. Wer nach Offenbach kommt, will ordern“, fasst Christiane Brunk von Braun Büffel ihren Eindruck zusammen. Die letzten Wochen haben dem Lederwarenhandel gut getan. Nicht zuletzt der Reisegepäckverkauf zieht wieder an. „Die letzten drei Monate waren besser als die sechs Monate zuvor“, berichtete Dirk Schmidinger, General Manager Deutschland von Samsonite. Die Umsatzniveau liege wieder deutlich über der Hälfte des Vor-Corona-Niveaus. „Ein Silberstreif.“

Optimistisch zeigten sich auch die Taschenanbieter. „Unsere Kollektionen kommen super an“, freut sich Sven Meier, Meier Lederwaren. „Die letzten zwei Monate haben wir sehr gut verkauft.“ Auch Constanze Alef von Fredsbruder und Seidenfelt spricht von einem „erstaunlich positiven Verlauf der Orderrunde“. Bei Dietmar Jost wurde die Pre-Order-Kollektion für F/S 2022 ebenfalls „gut geschrieben“. Und Georg Picard freut sich unter anderem über gute Geschäfte mit osteuropäischen Kunden. Manche Aussteller begrüßten zudem Neukunden. So wie Jürgen Oswald, der sich u.a. mit seinem Label Eastline seit Jahren in Offenbach präsentiert. „Die Messe ist für uns super gelaufen. Besonders stark werden Geldbörsen mit Sicherheitsaspekt nachgefragt, aber auch klassische Taschen in Cremetönen. Was mich besonders freut ist, dass wir auf der ILM viele Neukunden gefunden haben.“

Aussteller und Besucher eint der Blick nach vorn. Dieser ist von Optimismus geprägt, aber auch von Unsicherheit. Sven Meier etwa blickt mit großer Sorge auf die Lieferkette. Das betrifft die dramatisch steigenden Containerpreise und die Warenversorgung generell. Bei Herbst/Winter-Ware betrage die Lieferverzögerung drei bis vier Wochen. „20 Container von uns hängen aktuell fest.“ Richtig problematisch werde die Situation allerdings, wenn bis Chinese New Year (1. Februar 2022) keine leeren Container in Fernost zu bekommen seien.

Fachhändler Ralf Maurer vom gleichnamigen Fachgeschäft in Böblingen weiß, was auf ihn zukommen kann. „In der nächsten Zeit wird wohl nicht alles wie geplant kommen.“ Auch bei Standardartikeln, wie Basic-Rucksäcken in Schwarz etwa, die man eigentlich immer nachbestellen könne, habe er zur Sicherheit mehr vorgeordert. 

„Die Muster kommen später als gedacht“, ergänzt Matthias Herr von Deuter. Zudem können die Lieferanten die Preiserhöhungen in Logistik und Beschaffung nur zu einem gewissen Grad abfedern. Nur ein Beispiel: Deuter zog seine neue Preisliste für F/S 2022 auf den 1. August vor.

„Eine tolle Taschensaison“

Beim Blick auf die Kollektionen gilt nichtsdesto trotz: „Es wird eine tolle Taschenform“, ist Trendexperte Martin Wuttke von der Agentur Nextgurunow überzeugt. Es werde „eine der plakativsten Taschensaisons seit langem“. Kühle pudrige Farbtöne gingen mit einer neuen Modernität einher. Dazu addieren sich „die Natur als Trendtreiber“ sowie satte Vollfarben neben Silber und Metallic. Auch Weiß gehöre zu den zentralen Farben, da sich auch die Bekleidung sehr farbig zeige, führte Martin Wuttke aus. Flechtungen und Fransen stehen für Handwerklichkeit, Ketten zählen zu den Blickfängen. Zu den stabilen Themen zählen die bekannten Hipbags bzw. Fanny Packs sowie Rolltop-Verschlüsse.

ILM: Rahmenprogramm

Die ILM bot auch dieses Mal ein umfangreiches Rahmenprogramm. Runway Shows und mehrere Vorträge boten den Einkäufer Impulse für das Geschäft. Im Erdgeschoss der Messe feierte zudem das OFF XR Studio Premiere. Die große LED Wand, die sowohl für Produkt-Präsentationen als auch für Talks und Filmproduktionen geeignet ist, zeigten den Besuchern und Ausstellern die vielseitigen Möglichkeiten von „extended reality“ auf.

Parallel zur Präsenz-Veranstaltung geht die ILM auch weiterhin als Virtual Order Show an den Start. Während des Post-Openings können Einkäufer noch bis 10. September 2021 die ILM Virtual Order Show zu besuchen.

ILM-Termine 2022 – und eine Premiere

Die nächsten ILM-Termine stehen bereits seit langem fest: Im kommenden Jahr findet die Lederwaren-Messe vom 5. bis 7. März 2022 und vom 3. bis 5. September 2022 statt. Doch zuvor plant die Messe Offenbach eine weitere Veranstaltung.

Parallel zur Fashion Week vom 19. bis 21. Januar 2022 in Frankfurt sollen erstmals die XTRA Order Days in Offenbach stattfinden. „Zusätzlich zur ILM werden wir großen Marken und neuen Talenten mit den XOD eine großartige Bühne bieten und weitere Ordermöglichkeiten eröffnen“, beschreibt Arnd Hinrich Kappe die neue Plattform.
 

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Tobias Kurtz / 06.09.2021 - 14:48 Uhr

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